Das Leben ist wie eine Fahrt mit der Eisenbahn!

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Das Leben ist wie eine Fahrt mit der Eisenbahn!
Wenn ein kleines Kind verreist ist das eine große Sache. Aufgeregt steigt es in den Zug ein und hat tausend Fragen. Ein Abenteuer erlebt es. Alles begeistert es, die vorbeiziehende Landschaft mit Blumen, Wiesen, Bäumen und Menschen. Dann kommt ein Tunnel und das kleine Herz pocht aufgeregt in der Dunkelheit.
Kommt wieder Licht?
Scheint noch die Sonne da oben wo man sie im Moment nicht sehen kann?
Sieht es draußen von einem anderen Fenster aus betrachtet anders aus?
Auch der Regen kann spannend sein, er ist so nah und dennoch sitzt das Kind geschützt und warm, aber es sieht ihn und hört ihn hier in der heimeligen Geborgenheit des Zuges.
Blitze faszinieren, daheim verdecken sie Gardinen, oder die Mutter sagt:
„Geh weg vom Fenster.“
Hier hat man das Schauspiel der Naturgewalten vor Augen, kann sich nicht entziehen.
Danach, wenn man Glück hat das Wunder eines Regenbogens und man hat nichts anderes zu tun, als zu Schauen und zu Staunen.
„Schneller“, seufzt es. Ach hörte diese herrliche Fahrt doch nie auf, aber irgendwann wird es langweilig, ach wäre ich doch endlich groß.
Dann, schneller als erwartet, wie im Traum ist es geschehen.

Anders ist es wenn Jugendliche Reisen. Sie haben schon viel erlebt, sind abgeklärt und lachen über die Kinder. Daher nehmen sie auch nicht so viel wahr. Sie betrachten die Mitreisenden. Der schnuckelige Junge, wäre der was für mich? Sehe ich gut aus? Schnell den Taschenspiegel hervorgeholt. Keiner im Abteil? Langeweile macht sich breit.
Wann bin ich am Ziel,
was erwartet mich?
Wohin führt die Reise?
Werde ich mal reich?
Werde ich Kinder haben?
Wo werde ich wohnen?
Wann wird es soweit sein?
Nervosität macht sich breit, kaum etwas kann mich in dieser zerrissenen Zeit begeistern. Sie ist geprägt von Angst und Unsicherheit.
Dann ist man plötzlich erwachsen.

Erwachsene auf Reisen. Sie haben tausend Sachen zu tun. Gepäck verstauen, Kinder versorgen. Mit den Gedanken voraus.
Was wartet?
Was ist am Ziel?
Lohnt sich die Fahrt?
Hab ich die richtige Route gewählt?
Werde ich am Ende belohnt, oder zurückgeschickt?
Hab ich das richtige Ziel, den richtigen Weg gewählt?
Umsteigen, Verantwortung tragen, für die Schönheit die mich als Kind begeisterte habe ich keine Zeit mehr, keinen Blick über.
Und ehe ich mich versehe steht auf meiner Fahrkarte Senior.

Reisen im Alter. Es ist Freude und Stress. Man ist nicht mehr so flink beim Einsteigen. Man kann nicht mehr auf Kommando einschlafen wenn die Fahrt zu lang dauert. Zwischen Hoffen und Bangen. Manchmal erinnere ich mich an meine Kindheit und das Bild das Draußen vorbeizieht nimmt mich wieder gefangen. Schöne sorglose Zeit. Erinnerungen vermischt mit Sorge.
Was erwartet mich am Ziel?
Hat sich die Reise gelohnt?
Werde ich für meine Strapaze belohnt?
Bin ich im richtigen Zug?
Werde ich abgeholt, empfangen?
Zerrissenheit, ich möchte immer so weiterfahren auf den Schienen des Lebens, aber ich bin müde, möchte ausruhen. Wo werde ich liegen dereinst?
Möchte ich liegen? Bald? Jetzt?
Die Stimme des Schaffners.
„Endstation, alles aussteigen.“
Ich seufze, auf ins neue Abenteuer.
Ich bin am Ziel.
© By Gitte
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9 Kommentare
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Herbert Lödorf aus Gelsenkirchen | 05.03.2016 | 08:16  
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Gitte Hedderich aus Herten | 05.03.2016 | 08:19  
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Luzie Schröter aus Fröndenberg/Ruhr | 05.03.2016 | 09:17  
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Christian Tiemeßen aus Emmerich am Rhein | 05.03.2016 | 09:21  
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Gitte Hedderich aus Herten | 05.03.2016 | 10:27  
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Gudrun Wirbitzky aus Bochum | 05.03.2016 | 11:23  
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Gitte Hedderich aus Herten | 05.03.2016 | 12:18  
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Eckhard Schlaup aus Gladbeck | 07.03.2016 | 21:24  
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Gitte Hedderich aus Herten | 08.03.2016 | 06:04  
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