Der erste Tag des zweiten Lebens

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Dieser Krimi entsprang meiner Fantasie, die Methode funktioniert nicht


Der erste Tag des zweiten Lebens!

Carina erwachte. Sie fühlte sich wie zerschlagen……nein, sie WAR zerschlagen und zwar von ihrem eigenen Ehemann. Er hatte sie mal wieder verprügelt. Wie froh war sie gewesen, zu heiraten…. Nun wird alles gut, hatte sie gedacht, sie verzog den Mund zu einem bitteren Grinsen, aber auch das ging schnell in eine schmerzhafte Grimasse über.


Ihr Vater war sehr lieb, zu lieb um genau zu sein, nie bezog er klare Stellung, nie war er ein Halt für sie und ihre Mutter. Diese war nur mit sich und ihren zahllosen Liebschaften beschäftigt gewesen. Wie sehr hatte sich Carina ein zu Hause gewünscht, einen netten Mann und ein liebes Kind. Das Kind hatte sie bekommen, einen Mann auch und was für einen. Georg brachte das Geld schneller durch, als es hereinkam, dazu seine Gewalttätigkeit, ganz zu schweigen von seinen zahllosen Affären. Ja, wenn Mareike nicht wäre, seufzte Carina in Gedanken.


Sieben Jahre hielt sie es nun schon in dieser so genannten Ehe aus. Sie stand auf, um sich im Badezimmerspiel die sichtbaren Folgen des letzten Ausrasters ihres Mannes zu betrachten. Dieses Mal würde es schwer werden, längst nahmen ihre Kolleginnen ihr die diversen „Unfälle“ nicht mehr ab. Wer rennt schon alle vierzehn Tage gegen eine Türe, oder fällt die Treppe herunter? Beim letzten blauen Auge hatte Elisabeth ihr einen Tipp gegen wollen:
„Du musst ein frisches Steak darauf legen“, hatte sie gesagt.
„Wo, bitte, soll ich um ein Uhr Morgens ein frisches Steak hernehmen!“ hatte Carina giftig zurück gefragt, worauf betretenes Schweigen herrschte. Nur Christel hatte danach noch einmal gesagt, sie würde ihn verlassen. Wie gerne täte ich das – hatte Carina gedacht.
Früher hätte sie empört den gleichen Rat erteilt – aber heute?
Wo sollte sie denn hin? Mareike ging in einen Ganztagskindergarten, weil sie als Mutter wegen der ständigen Schulden arbeiten gehen musste. Also kam nur einen Wohnung in der Nähe in Frage und es würde nicht lange dauern, bis Georg dort betrunken und randalierend auftauchen würde, spätestens beim dritten Male bekam sie die Kündigung.


Carina machte sich routiniert ans Schminken. Gestern war es besonders schlimm gewesen, Georg hatte wieder getrunken, danach wurde er zudringlich. Carina ekelte sich vor ihm – ihr kamen seine zahlreichen Geliebten in den Sinn…
Sie hatte sich schlafend gestellt, aber es hatte nichts geholfen, er fiel über sie her wie von Sinnen. Als sie ihn zurückstieß, schlug er sie erst mit der Faust ins Gesicht, dann drückte er ein Kopfkissen auf ihren Mund. Sie wehrte sich erbittert; erst als sie farbige Sterne sah, kam ihr der Gedanke – Stell Dich bewusstlos, sonst bringt er Dich dieses Mal um. Das war dann ihre Rettung gewesen.


Carina entwickelte langsam den Instinkt eines Tieres, um zu überleben. So geht es nicht weiter, dachte sie. Lieber Gott, tausende unschuldige Menschen erleiden einen Verkehrsunfall, oder einen Herzinfarkt, warum lässt du dieses Monster leben. Der Gedanke gefiel ihr, wenn er tot war, konnte sie wieder beginnen zu leben. Aber wie? Sie könnte ein Messer in der Schublade ihres Nachtschränkchens verstecken. Aber selbst bei Notwehr - würde sie dann auch freigesprochen werden? Denn wenn nicht, was sollte aus Mareike werden? Sie überschminkte ganz in Gedanken die blutunterlaufenen Stellen, sie wusste aus Erfahrung, noch waren sie blau und schwärzlich, aber im Laufe einiger Tage würden sie in allen Farben leuchten, gelb und grün würde sich dazugesellen. Es würde cirka eineinhalb Woche dauern, bis diese Blessuren verschwunden waren.
Früher hatte er sich mehr in Acht genommen, er hatte ihren Hinterkopf gegen die Schrankleiste geschlagen, sie hatte zwar eine Gehirnerschütterung, aber keine sichtbaren Verletzungen davon getragen . Besonders gerne hatte er sie in den Magen geboxt, oder getreten. Nun hatte er auch diese Hemmschwelle überwunden. Was würde wohl als nächstes kommen? Prüfend betrachtete sie sich im Spiegel, die Schwellungen waren zwar nicht zu übersehen, aber die Schminke verdeckte die Flecken ganz gut. Evi, ihre Kollegin versorgte sie mit Theater schminke, damit kannst du sogar Falten weg schminken hatte sie gesagt. Wenigsten brauchte sie Heute keine Sonnenbrille, weil er ihr immer rechts und links ins Gesicht geschlagen hatte. Das hätte im Januar auch wieder ziemlich blöde ausgesehen.


Was wäre, wenn ich ihn wegen Vergewaltigung anzeige, überlegte sie. Nein, kommt nicht in Frage, verwarf sie den Gedanken wieder, erst mal müsste ich diese peinliche Untersuchung über mich ergehen lassen und wenn er dann nicht verhaftet wird, dann Gnade mir Gott...

Schnell machte sie nun das Frühstück für sich sich und Mareike zurecht, die heute sehr blass war, lieber Gott, lass wenigstens das Kind nichts mitbekommen haben, betete sie im Stillen. So, nun aber schnell, Georg war noch nicht von seiner anschließenden Sauftour zurück und sie wusste nicht, in welcher Verfassung er heimkommen würde. Wenn seine Freunde ihn bewundert hatten, wie er seine Frau im Griff hatte, war er in Siegeslaune, nur müde.
Hatte aber einer kritisiert, dass man eine Frau nicht so behandeln dürfe, dann bekam sie wieder seinen Frust zu spüren … also nichts wie weg.


Sie brachte Mareike zur Tagesstätte und machte sich auf den Weg zur Arbeit. Als sie das Büro betrat, spürte sie die mitleidigen Blicke der anderen. Still begann sie nach dem Morgengruß mir ihrer Arbeit.
„Sagt mal“, begann Uschi ein Gespräch, in dem sie sich an alle wendete, „Gestern Abend lief im Fernsehen ein Krimi, die Kommissare finden immer den Mörder, gibt es ihn eigentlich, den perfekten Mord?“ Dabei sah sie Carina sinnend an, diese horchte interessiert auf….
„Es müsste etwas sein, das sich bei der Obduktion nicht nachweisen lässt“, meine Christel.
Wir dachten alle nach.
„Wenn man Luft spritzt, bekommt man eine Embolie“, wusste Carina beizusteuern.
„Die Ärzte finden aber die Einstichstelle“, winkte Elisabeth ab.


Wir überlegten fieberhaft.
„Meine Mutter hat einmal als Leichenwäscherin gearbeitet, “ berichtete Hannelore. „Sie sagte, das Leichengift ist gefährlich, wenn man Wunden an den Händen hat“.
Alle hielten inne, dass war es!“
Leichengift, wie konnte man es verabreichen?
Klar, man konnte es doch ins Essen mischen und wenn der Leichnam dann selbst Leichengift produzierte, war die Ursache beseitigt.


Alle blickten auf ihre Arbeit. In Carinas Kopf surrten die Gedanken, die Kolleginnen wollten ihr helfen, das war offensichtlich.
„Wie käme man denn daran?“ wagte Carina einen erneuten Vorstoß.
Der Gedanke ließ sie nicht mehr los.
„Die Arbeit der Leichenwäscher wird gut bezahlt“, grinste Hannelore. “Sagtest Du nicht du suchst noch einen Job“?
„Wann und wo kann ich anfangen?“ grinste Carina.
„Na also, geht doch“, meinte Hannelore und schob ihr einen Zettel mit der Adresse in die Hand.


Gleich nach der Arbeit ging Carina in das Gertrudis Stift und stellte sich dort vor. Sie bekam die Stelle und konnte sogar gleich am folgenden Tage anfangen! Hannelores Mutter arbeitete sie ein.

Nach einigen Tagen sagte sie, „Wenn Du mal nach oben in den Krankenhausdienst wechseln willst, kann ich Dir gerne zeigen, wie man eine Spritze setzt.“
Carinas Gesicht wurde knallrot, überlegte sie doch die ganze Zeit, wie sie an das begehrte Leichengift kam.
Hannelore hatte ihre Mutter scheinbar eingeweiht.
„Prima!“ sagte sie. „Das will ich gerne lernen.“
Sie zog eine Spritze aus der Tasche.
„Versuchs nur, er spürt ja nichts“, grinste Hannelores Mutter und wies auf eine männliche Leiche.
Mit zitternden Händen stieß Carina die Spritze in einen Vene, sie brauchte einige Versuche, zog Blut ab und verbarg die gefüllte Spritze in meiner Kitteltasche.
„Du siehst nicht gut aus.“ sagte Hannelores Mutter. „Geh lieber heim.“ Tatsächlich wackelten Carinas Knie ein wenig.


Zu Hause bereitete sie das Abendessen zu. Das entnommene
Blut verteilte sie auf dem Kotelett, welches sie anschließend gut gewürzt panierte.
“Na endlich!“ maulte Georg. „Willst du mich verhungern lassen“? „Entschuldige bitte.“ sagte sie und setzte sich dazu.
„Isst Du heute nicht?“ fragte Georg mit vollem Mund.
„Nein, ich mache eine neue Diät.“ entgegnete Carina lächelnd. „Lass es Dir schmecken, Schatz!“
„Warum grinst du die ganze Zeit so blöde?“ pöbelte Georg ungehalten.
„Ach, es ist nichts.“ entgegnete Carina. “Wir hatten heute viel Spaß auf der Arbeit. Schmeckt es dir mein Schatz?“
„Du bist zwar sonst zu nichts zu gebrauchen und auch im Bett eine Niete, aber kochen kannst du, das muss man dir lassen.“ Knurrte Georg unwillig.
Mit Genuss verspeiste er das Kotelett.

Carina stellte ihm ein Bier hin. „Nanu, ohne Aufforderung?“ argwöhnte Georg. „Was ist los, willst Du wieder einen neuen Fummel?“

Carina nahm ein Buch und las, das heißt, sie versuchte zu lesen… Immer wieder schielte sie unauffällig zu ihrem Mann hinüber.
Nach einer halben Stunde wurde Georg unruhig:
“Mir ist schlecht!“ maulte er.
„Sicher war das Bier zu kalt!“ meinte Carina. „Besser Du legst dich hin“. „Das mache ich“, brummte Georg. Er machte sich keine Sorgen, hatte er es doch durch scharfes Essen und viel Alkohol oft am Magen. Er ging zu Bett. Carina war sehr erleichtert, was auch geschah, sie würde es nicht ansehen brauchen.


Nach einiger Zeit hörte sie Georg rufen. Sie nahm ihren Walkman und steckte die Ohrstöpsel rein. So verbrachte sie eine Stunde, dann ging sie ins Schlafzimmer. Georg rührte sich nicht. Behutsam kam sie näher. Sein Gesicht war schneeweiß.
„Georg!“ sprach sie ihn an.
Er rührte sich nicht.
Carina setzte sich neben ihn und langte nach seinem Handgelenk. Sie fühlte nach dem Puls. …..Nichts.
Dann ging sie zum Telefon und rief den Hausarzt an. Doktor Fischer kam. Er untersuchte Georg. Dann kam er zu Carina, „Es tut mir leid, ihr Mann ist verstorben.“ sagte er. „Wir wissen ja beide, wie ungesund er gelebt hat, ich habe ihn so oft gewarnt. Sein Herz hat den Alkohol, die Zigaretten, das fette, scharfe Essen und das Übergewicht nicht mehr verkraftet“. Er schrieb den Totenschein aus. Carina rief den Bestatter an und Georg wurde abgeholt.

Am anderen Tag fuhr Carina ins Büro.
„Ich wollte mich nur abmelden.“ sagte sie zu ihren Kolleginnen. „Mein Mann ist gestern plötzlich verstorben“. Sie stellte eine Flasche Sekt auf den Tisch und ging heim.
Heute war er, der erste Tag des zweiten Lebens.

© By Gitte
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11 Kommentare
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Herbert Lödorf aus Gelsenkirchen | 27.05.2016 | 07:50  
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Gudrun Wirbitzky aus Bochum | 27.05.2016 | 09:52  
4.951
Gitte Hedderich aus Herten | 27.05.2016 | 10:31  
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Renate Smirnow-Klaskala aus Essen-Nord | 27.05.2016 | 12:58  
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Gitte Hedderich aus Herten | 27.05.2016 | 13:02  
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Gudrun Wirbitzky aus Bochum | 27.05.2016 | 13:33  
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Luzie Schröter aus Fröndenberg/Ruhr | 27.05.2016 | 15:56  
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Gitte Hedderich aus Herten | 27.05.2016 | 16:55  
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Eckhard Schlaup aus Gladbeck | 30.05.2016 | 20:48  
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Gitte Hedderich aus Herten | 31.05.2016 | 06:20  
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