Der Regenbogenvogel!

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Der Regenbogenvogel!
Habt ihr schon einmal einen gesehen? Sicher nicht, denn sie sind sehr scheu und viele gibt es von ihnen auch nicht. Ich möchte euch erzählen wie sie ihr herrliches farbenprächtiges Gefieder bekamen, also hört gut zu.

In dem Jahr als es geschah brach der Herbst sehr früh und völlig überraschend herein. Quasi über Nacht war es kalt, nass und grau geworden. „Wir müssen los, in den Süden wo die Sonne scheint“, mahnte das Dompfaff Männchen Trill seine Gattin Tschirp. „Warte nur ein Weilchen, ich will mir Kraft anfuttern für die lange Reise“, bat die ihren Mann. Sprachs und ehe er einen Einwand erheben konnte war sie schon davon geflogen. Kopfschüttelnd blickte Trill ihr hinterher. Tschilp suchte und suchte, aber bei dem nassen ungemütlichen Wetter hatten sich die dicken fetten Würmchen, die sie so gerne fraß tief in die Erde gegraben und die Käfer und Maden saßen warm und geschützt hinter der Rinde ihrer Baumwohnungen. Ab und zu gelang es ihr etwas zu finden, aber viel war es nicht. Sie war schon ein ganzes Stück von ihrem Nest entfernt und schreckte auf, als ein dicker Regentropfen ihren Flügel traf. Nur schnell zurück. Im Nu hatte der plötzlich einsetzende Regen sie durchnässt und der stürmische Wind zauste ihr nasses Gefieder und sorgte dafür, dass ihr die Schauer durch die zarten Glieder rannen. Als sie endlich den Baum erreichte auf dem sich ihr Nest befand schüttelte sie die Tropfen ab und schielte zu Trill. Der wollte ihr zuerst eine Predigt halten, aber als er sie da so durchnässt und schuldbewusst sitzen sah erbarmte er sich und klopfte mit dem Flügel auf den Platz an seiner Seite. Wie der Blitz sauste Tschilp ins Nest und kuschelte sich an Trill. Der deckte sie fürsorglich mit einem Ahornblatt zu, aber da war sie schon erschöpft eingeschlafen.

Am anderen Morgen erwachte Trill zuerst und wie erschrak er. Der Kälteeinbruch hatte sich noch verstärkt und nun schimmerte gar Reif auf Wiese, Feld und Wald. „Tschilp“, rief er aufgeregt, „wir müssen los und zwar schnell, sonst erfrieren wir hier.“ Wie entsetzt schaute er als sie die bleischweren Lieder hob. Kein unternehmungslustig funkelndes Auge blickte ihn an. Die Pupille war wie mit einem Schleier überzogen. „Flieg du los“, krächzte Tschilp. Ich habe……….Hatschi.“ Der Schreck fuhr Trill ordentlich ins Gefieder. Wie es aussah hatte sich Tschilp einen Pips geholt. Pips ist bei den Vögeln das was bei den Menschen eine Grippe ist und da sie genau wie diese daran sterben können ist der Pips für Vögel ebenso gefährlich. Dabei wurde es höchste Zeit das sie aufbrachen in wärmere Gefilde. „Tschilp wir müssen wirklich los“, versuchte er es noch einmal. "Komm ich helfe dir.“ Er breitete den rechten Flügel aus, umspannte ihren Rücken und zog sie hoch. Zitternd kam sie auf die Beine und verließ sogar das Nest, aber oh weh. Auch der Ast auf dem sie standen war mit einer Reifschicht überzogen und da Tschilp sehr unsicher auf den Beinen war rutschte sie ab. Eine Schrecksekunde lang stand Trill steif und starrte ihr hinterher. Dann schoss er ihr nach.

Er wusste nicht, dass am Abend ein Feldhase genau unter ihrem Baum einen Bau gegraben hatte. Der Regen und die Kälte der Nacht hatten den abwärts führenden Gang mit einer Eisschicht überzogen. Tschilp hatte sich instinktiv zu einer Kugel zusammen gerollt und war hineingestürzt. Trill folgte ihr so schnell er konnte. Er war größer als Tschilp und seine Flügel schrammten an den kalten Wänden vorbei und färbten sich dabei eisblau. Der Boden des Ganges schimmerte Gletschergrün und auch sein Bauch nahm diese Farbe an. Plötzlich bekam er einen Stoß vor die Brust. Eine Wurzel ragte in den Gang hinein und dort wo sie ihn traf, in der Gegend seines Herzens zeigte sich ein gelber Fleck. Das würde ein hübscher Bluterguss werden dachte Trill. Endlich war die Rutschpartie zu Ende, er prallte auf ein weiches Hindernis. Als er sich aufgerappelt hatte sah er das es Tschilp war die dort regungslos lag.

Aus einer Wunde am Hals lief etwas Blut. „Oh Tschilp“, rief Trill und Tränen rannen aus seinen Augen. Die froren auf seiner Wangen zu schimmerndem weißen Eis. Er legte sich auf seine Frau und wärmte sie mit seinem Körper. Tschilps Blut färbte die Federn seines Halses Rosenrot. Plötzlich bemerkte er wie sie sich regte. Wohlig kuschelte sie sich an ihn. „Mir geht es plötzlich viel besser“, sagte sie. „Scheinbar hat die Kälte mein Fieber vertrieben. Wie schön das du da bist.“ „Du hast mir so einen Schrecken eingejagt“, antwortete Trill, „ich dachte ich hätte dich verloren. Lass uns einen Ausgang suchen, Hasen haben in ihrem Bau meist mehrere, den vereisten Gang kommen wir nicht wieder hoch.

Sie machten sich auf den Weg und bald fanden sie einen Gang der sanft hinauf führte. Als sie den Bau verließen und im hellen Tageslicht standen staunte Tschilp ihren Trill an. „Warum schaust du so“, wollte der wissen? „Sieh dich nur an“, bat Tschilp. Trill blickte an sich hinab und obwohl seine Federn nun trockneten blieben ihm die Farben erhalten. Gott hatte ihn für seine bedingungslose Liebe belohnt und fortan wurde aus dem einst so unscheinbaren Dompfaff Paar ein Regenbogenvogel. In der Natur ist es so das nur die Männchen farbenprächtig sind und Trill vererbte diese Farben an seine Kinder, eine neue Gattung war geboren. Da die Menschen alles Schöne gerne für sich haben und einsperren wurden sie extrem scheu, denn ein Leben in Gefangenschaft möchte schließlich keiner. Deshalb sieht man so selten dieses herrliche Exemplar.
©By Gitte
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2 Kommentare
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Eckhard Schlaup aus Gladbeck | 10.01.2016 | 22:09  
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Gitte Hedderich aus Herten | 11.01.2016 | 06:00  
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