Herbstwald

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Herbstwald

Erst einen Tag waren wir hier in Kallenhardt. Der Morgen brach schon viel versprechend an mit einem in herrlichen Farben glühenden Himmel. Herbstwetter wie es schöner nicht sein konnte. Der Wind blies die bunten Blätter von den Bäumen, die Sonne blitzte durch die Stämme und es roch herrlich nach feuchter Erde und Pilzen. Wir beschlossen es langsam anzugehen und liefen fast fünf Kilometer an diesem Morgen. Nach einem ziemlich opulenten Mittagsmahl ruhten wir eine Weile und gingen dann wieder in den Wald, dieses Mal in die andere Richtung. Wir bewohnten das erste von drei Häusern am Waldrand. Etwa in Höhe des letzten Hauses bat ich meinen Mann den Weg zu verlassen und querfeldein in den mit einer dicken Blätterschicht belegten Wald zu laufen. Wir stapften bergauf und Wolf unser schöner großer Schäferhund wusste sich vor Freude nicht zu lassen. Er schnüffelte aufgeregt, hüpfte und jaulte vor Wonne.

Der Weg war ziemlich beschwerlich, denn die Blätter verbargen jede Unebenheit. Nach einer Weile waren wir ziemlich außer Atem, ich bückte mich und warf ausgelassen einen Arm voller Laub in die Luft. Unser Wolf versuchte die Blätter zu fangen und sprang und tobte ausgelassen. Als ich mich wieder bückte erwischte ich einen Stock, wie ich glaubte und den warf ich nun. „Hol“, wies ich Wolf an und er flitzte los. Wir atmeten durch und warteten. „Wolf“, rief ich dann nach einer Weile. „Bring das Stöckchen.“ Langsam schlich er aus dem Dickicht und widerwillig legte er den Stock vor meine Füße. Das war äußerst ungewöhnlich, da er sonst nicht wild genug toben konnte. Deshalb betrachtete ich den „Stock“ genauer und das Blut schien in meinen Adern zu gefrieren. Er war seltsam hell, doch ich hatte geglaubt das stamme daher, weil er keine Rinde mehr besaß, zudem herrschte hier im Wald ein diffuses Dämmerlicht.

„Guck mal“. Schaudernd hielt ich meinem Mann den „Stock“ hin. „Das sieht aus wie ein Knochen“, sagte ich leise. Unsicher lachte mein Mann. „Hast du ein altes Kaninchen ausgegraben?“ „Sieh dir doch mal die Größe an. Das ist kein Kaninchen, das sieht aus wie ein Unterarm Knochen, oder so etwas.“ Zweifelnd betrachtete mein Mann meinen Fund. Währenddessen hatte ich mich gebückt und grub mit meinen Händen hektisch in dem Laub Tatsächlich, wieder fühlte ich etwas Hartes, ich war mir nicht sicher, ob ich wirklich sehen wollte, was ich da ausgegraben hatte. So weit es ging hielt ich meinen neuen Fund von mir ab. Automatisch hielt ich die Luft an, langsam und vorsichtig zog ich und hielt eine skelettierte Hand zwischen zwei Fingern. Aufgeregt schnappte Wölfchen danach. „Aus“, schrie ich. Dann hielt ich meinen neuen Fund meinem Mann hin. „Was sagst du nun“, wollte ich wissen und in diesem speziellen Falle wäre es mir lieber gewesen, ich hätte kein Recht behalten. Jürgen brauchte einige Sekunden um sich zu fassen. „Lass alles so wie es ist, das ist ein Fall für die Polizei“, bat er mich und wählte mit seinem Handy den Notruf. Schweigend warteten wir auf das Eintreffen der Beamten. Die Zeit erschien uns unglaublich lang. Jürgen wollte zur Straße laufen, aber ich protestierte heftig, ich würde nicht alleine mit einer Leiche hier im Wald bleiben, auch wenn derjenige schon lange tot war und es unwahrscheinlich war, das der Mörder noch in der Nähe weilte. Es wäre ja auch möglich, dass diese Person verunglückt war, aber man war halt immer gleich geneigt an ein Verbrechen zu glauben. Endlich hörten wir ein leises Motoren Geräusch und begannen zu rufen, damit man uns fand. Als die Polizisten eintrafen, machten wir unsere Aussage und durften gehen. Wir erkundigten uns noch nach der Dienststelle und Telefonnummer, denn natürlich interessierte es uns, wer da zu Tode gekommen war und wie das geschehen konnte. Den ganzen Abend stellten wir Vermutungen an, so aufregend hatte noch kein Urlaub begonnen. Am nächsten Tage warteten wir bis zum Nachmittag und dann riefen wir im Revier an und erkundigten uns. Man hatte die Vermisstenliste durchgesehen, war aber zu keinem Ergebnis gelangt.
Springen wir zu einem Herbstabend ein Jahr zuvor. Im gleichen Ort, zwei Häuser weiter, eben an jener Einmündung in die wir in den Wald gelaufen waren, machte ein junges Ehepaar Urlaub. Es sollte ein Rettungsurlaub für ihre Ehe werden. Karin und Robert stritten nur noch. Was vor drei Jahren so herrlich begonnen hatte lag nun in Scherben. Sie hatten sich auseinander gelebt und die Differenzen wurden mit jedem Tag mehr. Im ersten Jahr wollten sie kein Kind und im zweiten wurde Karin nicht schwanger. Jeder schob dem anderen die Schuld dafür zu. Kurzfristig hatten sie sich zu dieser Reise entschlossen, allerdings aus verschiedenen Gründen. Robert hatte vom Büro aus das Haus gebucht und Karin am Freitagabend mit dem Angebot überrascht. Er wollte die Zeit zurückdrehen und die erste Verliebtheit noch einmal herauf beschwören, wenn sie sich aussprachen, ganz in Ruhe und Zeit füreinander hatten, vielleicht würden sie wieder zueinander finden. Karin allerdings wollte die Ehe beenden, sie hoffte alles in Ruhe klären zu können, fernab von daheim, wo die Nachbarn die Streitereien durch die dünnen Wände mithören konnten. Vielleicht jedoch, wenn er die richtigen Worte fand und einsah, das das Leben aus mehr als einer Schwangerschaft bestand, sie nicht mehr so unter Druck setzte und isolierte, dann, aber nur dann hätten sie vielleicht noch eine winzige Chance. Da sie erst am Nachmittag losgefahren waren und es zu dieser Jahreszeit bereits früh dunkelte, trafen sie erst im Finstern ein. Nachdem sie bei der Bäuerin den Schlüssel geholt hatten, fuhren sie in das kleine Waldhaus und richteten sich ein. Tagelang redeten sie, aber es war, als sprächen sie verschiedene Sprachen. Sie schliefen fast nicht und aßen wenig, nach einer Woche lagen bei Beiden die Nerven blank. „Es hat keinen Sinn“, zog Karin schließlich Bilanz. „Unsere Ehe ist gescheitert, ich werde zu Hause die Scheidung einreichen.“ Der Urlaub war zu Ende und die Entscheidung war gefallen. Allerdings nicht für Robert. „Das wirst du nicht tun“, schrie er sie an, sein Gesicht war verzerrt vor Wut. Karin bekam Angst vor ihm, dennoch lenkte sie nicht ein. „Und ob ich das werde“, entgegnete sie, „ich wüsste nicht wer mich daran hindern sollte, du bist ja nicht normal.“ „Das hättest du besser nicht gesagt“, antwortete Robert. Langsam ging er auf sie zu. Karin wich zurück, seiner flackernden Augen machten ihr wirklich eine Heidenangst. Sie stieß gegen den Tisch, dann gegen die Küchenzeile, die ihren Rückzug beendete. „Robert“, versuchte sie ein letztes Mal zu ihm durchzudringen, aber er war wie in Trance, hörte sie überhaupt nicht, wie es schien. Seine starren Pupillen waren das Letzte, was sie von dieser Welt sah. Wie in Zeitlupe legte Robert seine Hände um ihren Hals, so als wollte er ihr noch Gelegenheit zur Gegenwehr geben, doch sie war wie versteinert und starrte ihn nur an. Langsam drückte er zu, wie Schraubklammer zogen seine Hände sich zusammen. Als er wieder zu sich kam, löste sich sein Griff und benommen schaute er auf Katrin, die langsam zu Boden sank. Was hatte er getan? Wie aus einem Trancezustand erwachend strich er sich über die Stirne. Er fröstelte. Das hatte er nicht gewollt, aber es war geschehen und es ließ sich nicht mehr rückgängig machen, warum nur hatte sie ihn so gereizt? Nun musste er Schadensbegrenzung betreiben, so nannte man das wohl. Irre kicherte er. Beruhige dich Robert, redete er sich selbst zu, du musst nun die Nerven bewahren. Es war später Abend, der letzte Urlaubstag, Morgen früh mussten sie das Haus räumen. Er wendete sich Katrins Leiche zu, die ihn aus weit geöffneten Augen anstarrte. „Das wollte ich nicht“, sagte er. „Das musst du mir glauben.“ Dann strich er sanft über ihre Wange und schließlich über ihre Augen, die sich unter seinen Händen schlossen. Seufzend zog er sein Bett ab und mit dem Bezug hüllte er Katrin ein. Ganz passte sie nicht hinein, obwohl sie keinesfalls groß gewesen war. Vorsichtig schaute er zur Türe hinaus. Kein Mensch weit und breit zu sehen, wer sollte sich auch hier im Stockfinstern in den Wald verirren? Er lud Katrin auf seine Schultern und trug sie hinaus, gleich gegenüber dem Haus lief er einen kleinen Hang hinauf in den Wald, der ihn sogleich verschluckte. Der Wind ließ die Äste der Bäume rascheln. Unheimlich war es hier im nächtlichen Wald. Zerrissene Wolkenfetzen zogen rasch über die schmale Mondsichel. Nach zirka hundert Metern ließ er den Körper seiner Frau auf den Boden gleiten. Im gleichen Moment frischte der Wind böig auf und ein greller Blitz durchbrach jäh die Schwärze der Nacht. Dicke Regentropfen trafen das übrig gebliebene Laub an den Bäumen. Dann öffnete der Himmel seine Schleusen. Hier im Wald dauerte es eine Weile bis die Nässe durch das Blätterdach kam. Robert befreite Katrin aus dem Bettbezug und zog sie aus. Man sollte nicht an Hand der Kleidung auf sie schließen können. Keuchend verrichtete er seine Arbeit, es war anstrengend und der Schweiß lief ihm aus allen Poren. Endlich hatte er es geschafft. Er bedeckte die Leiche mit Laub und füllte die Kleidung in den Bettbezug. Dann lief er wieder zum Waldhaus. Völlig durchnässt und außer Atem traf er dort ein. Dort wollte er sich zuerst betrinken. Dann jedoch entschied er sich anders Nachdem er sich umgekleidet hatte begann er hektisch zu Packen. Wenn er jetzt aufbrach, saß die Bäuerin sicher vor dem Fernseher und bemerkte nicht, dass er allein war. Morgen wunderte sie sich sicher, wenn sie Karin nicht sah. Eine halbe Stunde später machte er sich auf den Weg. Es war gegen zweiundzwanzig Uhr. Er brachte den Schlüssel zum Hof, gab ihn ab und verabschiedete sich. „Meine Frau hat Migräne, deshalb fahren wir schon heute Abend, wir werden in der Apotheke noch ein Medikament besorgen. Die Bäuerin schöpfte keinen Verdacht, wünschte gute Fahrt und gute Besserung. Aufatmend fuhr Robert heim, die erste Klippe war geschafft.

Daheim, in Herten, der kleinen Ruhrgebietsstadt nahm er sein gewohntes Leben wieder auf. Als er an kommenden Freitag nach der Arbeit die Treppe putzte, kam seine Nachbarin aus ihrer Wohnung. Er musste sich ein Lächeln verkneifen, auf ihre Neugierde konnte man sich verlassen. Gekonnt setzte er eine traurige Mine auf. „Aber Herr Berger, sie putzen? Ist ihre Frau denn nicht da“, wollte sie neugierig wissen? „Leider haben wir uns getrennt Frau Lambert, aber deswegen werde ich die Flurwoche dennoch einhalten, sie haben ja sicher unsere Streitereien mitbekommen.“ „Ach je, sie Ärmster, wo ist sie denn hin, hat sie einen Neuen?“ Das war mal wieder so typisch, spätestens wenn er seiner Wohnung verschwunden war, würde sie die Neuigkeiten unter die Nachbarschaft bringen, aber das war ihm nur Recht. „Sie ist vorübergehend zu ihrer Mutter gezogen“, gab er bereitwillig Auskunft. Gut das die alte Ziege keine Ahnung davon hatte, dass Karin eine Vollwaise war, deren Mutter schon bei ihrer Geburt gestorben war. Der Vater hatte sich schon vorher aus dem Staub gemacht. Deshalb war sie einem Waisenhaus aufgewachsen.

Einige Wochen vergingen, die er ohne Aufsehen zu erregen verlebte. Eines Morgens, mitten im tiefsten Winter bekam die Firma in der er tätig war eine neue Angestellte. Susanne Wagner hieß sie und wurde ihm zu seiner großen Freude als Sekretärin zugeteilt. Sie war ein erfreulicher Anblick und auch sie war sehr von ihm angetan, wie er schmunzelnd bemerkte. Ein paar Tage später lud er sie zum Essen ein, es wurde ein gelungener Abend und von da an trafen sie sich regelmäßig. Susi war lieb, anschmiegsam und bei weiten nicht so anstrengend wie Karin es gewesen war. Kurzum, alles lief bestens, bis zu dem Tag als sie ihm freudestrahlend mitteilte, dass sie von ihm schwanger war. Der Schreck fuhr ihm in alle Glieder. Ein Kind, nichts sehnlicher wünschte er sich und doch, er spürte ihre unausgesprochene Frage, ob er sie heiratete. Wie sollte das gehen? Er war verheiratet, mit Karin. Schweigend beobachtete Susi ihn. Er nahm sie in die Arme. „Das ist wunderbar mein Liebes, aber es gibt da ein Problem, ich bin noch verheiratet.“ Susi wurde bleich und schob ihn entsetzt von sich. Er griff nach ihren Händen. „Susi, wir sind immer zusammen, du weißt doch, dass meine Ehe nur noch auf dem Papier besteht. Nur Karin wird nicht einwilligen in eine Scheidung. Sie hat religiöse Gründe glaube ich.“ Ohne nachzudenken hatte er diese Worte hervorgesprudelt und war echt erleichtert, das war gut. „Frag sie doch, ihr seit doch schon so lange getrennt“, schlug sie vor. „Weißt du, sie hat sehr darunter gelitten keine Kinder zu bekommen, für sie bricht eine Welt zusammen, wenn sie erfährt das du schwanger bist, sicher wird sie aus Rache auf ein Trennungsjahr bestehen, bitte lass mir ein wenig Zeit um zu überlegen, wie wir am Besten vorgehen können. Die folgende Nacht war für ihn an Schlaf nicht zu denken, zig Vorgehensweisen zog er in Betracht und verwarf sie wieder, aber dann, gegen Morgen hatte er die Lösung, vorausgesetzt Susi spielte das Spiel mit. Nach dem gemeinsamen Frühstück nahm er Susis Hand und blickte ihr in die Augen. „Liebst du mich“, wollte er ernst wissen? „Das weißt du doch“, entgegnete Susi. „Hör zu, ich habe die ganze Nacht nachgedacht. Es gibt eine Lösung, die ich für die Beste halte.“ Gespannt blickte Susi ihn an. „Das zuständige Amtsgericht befindet sich in Recklinghausen. Wenn wir dort einen Anwalt nehmen, da kennt uns keiner. Wir könnten als Karin und Robert Berger offiziell die Scheidung beantragen und danach hier in Herten ganz normal das Aufgebot bestellen.“ Gespannt blickte er Susi an, was würde sie dazu sagen? Eine Weile war es still, sie überlegte. „Das ist strafbar, hältst du das wirklich für eine gute Idee?“ „Doch, das denke ich, wir schaden ja niemandem, ganz im Gegenteil, wir schonen Karin, wir ersparen ihr viel Kummer und Leid.“ „Und wenn sie dann eines Tages kommt und die Scheidung will“, gab Susi zu bedenken? „Das wird nicht geschehen“, antwortete Robert völlig überzeugt. „Lass mich nachdenken“, bat Susi. „Natürlich“, gab Robert nach, er fieberte auf ihre Entscheidung. Damit wären seine Probleme gelöst, er war dann offiziell von Karin geschieden und niemand konnte sie mehr in Verbindung bringen. „Gut“, willigte Susi am Nachmittag ein, „lass es uns versuchen. Wird der Anwalt keinen Ausweis verlangen?“ „Warum sollte er nicht glauben, das wir ein Ehepaar sind, außerdem können wir dann sagen, wir haben ihn vergessen.“ „Er hat dann unseren Namen und wenn er nachfragt, warum wir nicht mehr kommen?“ „Dann sagen wir, wir hätten es uns anders überlegt, bitte Susi, lass das Schwarzmalen“, bat er sie. „Wohl ist mir nicht bei der Sache“, merkte sie an und seufzte. Am nächsten Tag suchten sie sich im Telefonbuch einen Anwalt, einen mit kleiner Schrift, eine kleine Kanzlei brauchte immer Geld, sicher waren da die Chancen am Besten. Tatsächlich ging alles problemlos über die Bühne. Sie reichten die Scheidung ein und da keine Ansprüche bestanden, bekamen sie bald vom Amtsgericht Bescheid. Mit den Scheidungs-Papieren gingen sie danach zum Standesamt und bestellten das Aufgebot. Im Frühjahr waren sie dann offiziell das Ehepaar Berger und im Herbst erblickte Kevin Berger das Licht der Welt, eine kleine feine Bilderbuchfamilie.

Einige Wochen später wurde dann in Kallenhardt die Leiche der Katrin Berger gefunden, das heißt, noch wusste die Polizei nicht das es sich um Katrin Berger handelte, aber die Mühlen der Justiz begannen zu malen. Die Gerichtsmedizin fand heraus, dass es sich bei dem gefundenen Skelett um eine Frau zwischen Mitte Zwanzig und Dreißig Jahren handelte und das die Leiche zirka ein Jahr dort im Wald gelegen hatte. Die Bäuerin, die diese drei Waldhäuser vermietete wurde befragt und nach zu Hilfename ihrer Bücher fand man ziemlich bald heraus, das nur ein junges Ehepaar hier zu dieser Zeit Urlaub gemacht hatte und so bekam Susi Berger an einem schönen Herbsttag Besuch von zwei Kriminalbeamten. „Frau Berger, Frau Karin Berger“, wurde sie gefragt? „Nein, mein Name ist Susanne Berger, ich bin die zweite Frau meines Mannes“, gab sie verwundert Auskunft. „Um was geht es denn“, wollte sie wissen? „Wir müssen ihren Mann als Zeugen befragen, wo finden wir ihn und wissen sie vielleicht wo wir die erste Frau Berger finden können?“ Susi sank das Herz in die Hose, nun würde es ans Licht kommen, die gefälschte Scheidung. Sie nahm sich zusammen. „Karin wohnte damals wieder bei ihrer Mutter, ob sie sich heute noch dort aufhält kann ich ihnen allerdings nicht sagen“, behauptete sie „und meinen Mann finden sie im Büro.“ Sie gab den Beamten die Adresse und die verabschiedeten sich. Sofort rief sie im Büro an und verlangte ihren Mann zu sprechen, der hatte allerdings einen Außentermin und war nicht zu erreichen.

Bevor die Beamten zur Arbeitsstelle von Robert Berger fuhren riefen sie im Präsidium an, um die Adresse von Karin Bergers Mutter zu erfahren. Es dauerte eine Weile, dann bekamen sie die Auskunft, dass Karin Bergers Mutter bei ihrer Geburt verstorben war und diese in einem Waisenhaus aufgewachsen war. Der Beamte pfiff durch die Zähne. „Da ist etwas ober faul“, merkte er an und ließ sich die Adresse des Waisenhauses geben, indem Katrin Berger aufgewachsen war und das sich gleich in der nächsten Stadt befand.

Als sie dort vorsprachen und den Fall schilderten, erfuhren sie, das alle Kinder dort einmal im Jahr von einem ortsansässigen Zahnarzt einer Routine Untersuchung unterzogen werden, dort würden sie das Zahnschema von Katrin Berger bekommen und das konnten sie dann mit der Leiche vergleichen.

Mittlerweile war es Nachmittag geworden und Robert kam gut gelaunt von der Arbeit heim. Er war schon gespannt mit welchen Köstlichkeit Susi ihn heute verwöhnen würde. Als er sie dann schluchzend auf dem Sofa vorfand, wurde ihm eiskalt. „Was ist geschehen“, wollte er wissen. Vielleicht war es ja nur eine ganz alltäglich Katastrophe, versuchte er sich zu beruhigen, aber in seinem Inneren ahnte er es schon, es war vorbei. Er überlegte hin und her, wie er sich herauswinden könnte. Sollte er flüchten? Aber wohin, viel Geld hatte er auch nicht, es war also sinnlos. So verbrachte er die Zeit die ihm noch blieb damit Susi eine General Beichte abzulegen. Gerade war er damit fertig, als die Beamten erneut schellten. Es war nun anhand des Zahnschemas eindeutig erwiesen, das es sich bei der Leiche um Karin Berger handelte. Das die Tote sich ein halbes Jahr später scheiden ließ war ein Ding der Unmöglichkeit. Auch Robert wusste, es war vorbei und so ließ er sich widerstandslos festnehmen. Als man ihn abführte öffnete sich die Türe der Nachbar Wohnung. „Was ist denn los, Herr Berger“, wollte Frau Lambert wissen? „Das können sie Morgen in der Zeitung lesen“, antwortete Robert.
By Gitte
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10 Kommentare
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Herbert Lödorf aus Gelsenkirchen | 26.08.2016 | 07:23  
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Christiane Bienemann aus Kleve | 26.08.2016 | 07:42  
18.739
Gudrun Wirbitzky aus Bochum | 26.08.2016 | 08:33  
48.151
Luzie Schröter aus Fröndenberg/Ruhr | 26.08.2016 | 09:00  
4.951
Gitte Hedderich aus Herten | 26.08.2016 | 10:42  
2.392
Renate Smirnow-Klaskala aus Essen-Nord | 26.08.2016 | 10:56  
4.951
Gitte Hedderich aus Herten | 26.08.2016 | 12:29  
18.739
Gudrun Wirbitzky aus Bochum | 26.08.2016 | 17:30  
2.392
Renate Smirnow-Klaskala aus Essen-Nord | 28.08.2016 | 12:08  
4.951
Gitte Hedderich aus Herten | 28.08.2016 | 12:14  
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