Herten, Heimat und das Glück: „Ich liebe dich“ heißt „σ‘ αγαπώ“

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Petra und Charalambas Patmanidou sind seit 1996 zusammen. Sie haben zwei erwachsene Töchter.
 
"Ich habe mich in die deutsche Kultur, Petra sich in die griechische Kultur integriert", sagt Charalambas Patmanidou. Das Paar lebt in Herten.
Arbeiten zwei Länder zusammen, spricht man von einer binationaler Beziehung. Verbinden sich Firmen aus zwei Ländern, von einem Joint Venture. Bei Petra und Charalambas aus Herten ist es Glück. Seit Oktober 1976 sind sie ein Paar. Spannend, mit ihnen über Liebe, Kultur und Heimat zu sprechen.

Als Petra damals ihren neuen Freund mit nach Hause brachte, war das für ihren Vater wie für Charalambas ein Schock. „Mein Vater - ein großer, kräftiger Mann - hat sich vor ihm aufgebaut wie ein Kleiderschrank und war voller Misstrauen.“
Das war im Oktober 1976. Petra Scholz, Bergmannstochter aus Recklinghausen, lernte im legendären Saloon einen jungen Griechen kennen, als sie mit einer Freundin ausging. Charalambas Patmanidou war gerade erst in Herten angekommen. Wie viele andere Griechen hatte sein Vater hier Arbeit gefunden und die Familie nachgeholt.
„Ich habe mich sofort in Petra verliebt“, so der Versicherungskaufmann (56). Auch von dem grimmigen deutschen Papa von Petra, der es mit strengen griechischen Vätern allemal aufnehmen konnte, ließ er sich nicht entmutigen. Petra muss lachen, wenn sie an die Zeit zurückdenkt. „Ich war 18 und musste auch am Samstag um 22 Uhr spätestens zuhause sein.“

Strenger deutscher Bergmannsvater


Sie heirateten. Petra lernte schnell griechisch, fühlte sich von der Familie ihres Mannes gut angenommen. „Mein Problem war Herten. Als ich hier hinzog, hätte ich am liebsten die Rollläden ständig heruntergelassen. Ich fand Herten einfach schrecklich!“
Das änderte sich durch die menschlichen Kontakte: „Ich bekam unsere erste Tochter. Auf dem Spielplatz lernte ich andere junge Mütter kennen - und Herten lieben. Die Menschen hier sind offen. Das gefällt mir.“
Das deutsch-griechische Paar gehört zu den bekanntesten Persönlichkeiten der Stadt, beide engagieren sich sozial (Rumänienhilfe, um nur ein Beispiel zu nennen) und sind auch politisch aktiv, SPD-Mitglieder.
Wie lebt es sich in einer binationalen Familie? „Ich habe mich in die deutsche Kultur integriert, Petra in die griechische“, sagt Charalambas. Das bedeutete: Er lernte so schnell und so gut wie möglich deutsch, spielte selbst Fußball. Durch und durch ein Schalke-Fan, auch dem Löw-Team ist er wohlgesonnen. „Nur wenn Griechenland gegen Deutschland spielt, drücke ich dem griechischen Team die Daumen. Und wenn der BVB Dortmund gegen einen griechischen Verein antritt, bin ich für die griechische Mannschaft.“

Gastfreundschaft und Direktheit


Petra berichtet: „Ich habe mich bewusst griechisch-orthodox taufen lassen. Mein griechischer Taufname ist ,Lydia‘, nach der ersten Christin in Griechenland.“ Griechenland betrachtet sie als ihre zweite Heimat. „Wenn wir dahin fahren und ich aus dem Auto steige, hole ich Luft und fühle mich zuhause. Meine Schwiegereltern sind herzensgut.“
Zwei Töchter hat das Paar, Marciana (33) und Jota (26). Die Mädels machen die Familie immer bunter: Jotas Ehemann Raphael stammt aus einer deutsch-spanischen Familie. Petra: „Unser zweiter Schwiegersohn ist Grieche, der Mann von Marciana, und heißt Angelos. Unsere Enkelin, Aliki, geht hier auch in die griechische Schule.“
Gefragt, was ihn an Deutschen manchmal nervt, antwortet Charalambas: „Sie sind wenig gastfreundlich, Griechen sind es immer. Ich komme ja beruflich in viele Haushalte. Auch Polen, Türken oder Asiaten fragen immer sofort, ob ich etwas trinken möchte. Für Deutsche ist das nicht selbstverständlich.“
Petra auf die Frage, was sie zuweilen an Griechen stört: „Sie sind nicht direkt und offen, äußern ihre Meinung eher hinten herum.“
Herten ist für beide Heimat und Zuhause. Heimat ist eine Frage des Herzens.

Hintergrund:

Der Bundesverband Deutscher Anzeigenblätter (BVDA), dem der Stadtspiegel Herten angehört, setzt sich für ein besseres Miteinander ein. Stichwort: "Heimat - Das geht uns alle an!"
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Sabine Hegemann aus Essen-Steele | 08.10.2015 | 12:28  
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