"Ich hatte jeden Tag Angst zur Schule zu gehen!"

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Sylvia Hamacher mit ihrem Buch "Tatort Schule"
  Die Ferienzeit sind für fast alle Schüler, die schönsten Wochen des Jahres. Ausschlafen, verreisen und Freunde treffen, stehen nun auf dem Tagesplan. Für viele junge Menschen bedeuten die Sommerferien aber auch eine Auszeit von den Demütigungen ihrer Mitschüler, denn mittlerweile wird jedes dritte Kind in der Schule gemobbt. Das hat eine Studie herausgefunden. Eines der unzähligen Mobbing-Opfer ist Sylvia Hamacher (19) aus Herten.

Sie hat bereits ein Buch über ihr Schicksal verfasst und arbeitet nun an ihrem zweiten Werk. Sylvias Geschichte klingt erschreckend grausam. Über Jahre hinweg wurde sie auf einer weiterführenden Schule in Recklinghausen gemobbt, systematisch ausgegrenzt, beleidigt und sogar körperlich angeriffen. „Zum Schluss war es sogar so schlimm, dass ich ins Krankenhaus musste“, erinnert sich Sylvia. Im Sportunterricht trat oder schlug ihr eine Mitschülerin in den Rücken. „Der behandelnde Arzt sagte zu mir, meine Verletzung sei der schlimmste Fall von Gewalt unter Mädchen, die er je gesehen hat.“

Dabei war Sylvia erst sehr beliebt. Doch weil sie nicht alle Mädchen ihrer Klasse zu ihrem Geburtstag einlud, wendete sich das Blatt. Sogar ihre besten Freundinnen zeigten ihr die kalte Schultern. „Jeden Tag hatte ich Angst zur Schule zu gehen“, erinnert sie sich. Sylvia traute sich ihren Eltern an. „Die ganze Familie, meine Eltern und meine kleine Schwester, haben und der Situation gelitten.“ Sylvia war so verzweifelt, dass sie sogar daran dachte, sich selbst zu töten um ihrem Leid ein Ende zu setzen.

Nach der Attacke im Sportunterricht musste sie die Schule wechseln und besuchte eine Weiterführendeschule im Kreis Recklinghausen. An der neuen Schule ist Sylvia offen mit ihrer Vergangenheit umgegangen. Eine Zeit lang lief es bestens für die brünette Schülerin, doch dann ging das Drama von vorne los. „Ich wurde noch schlimmer gemobbt als vorher“, erzählt sie.

Auslöser war das Erscheinen ihres Buches „Tatort Schule“. Sylvias traurige Geschichte weckte das Interesse der Medien. Es wurden Artikel über die hübsche Schülerin in überregionalen Zeitschriften gedruckt und Sylvia war Gast in Fernsehsendungen wie „Hart aber Fair“ oder Stern-TV. Sie traf die Moderatoren Frank Plasberg oder auch Thomas Gottschalk. Während sie bei den Medien Gehör fand und auch Vorträge und Lesungen hielt, um auf das Thema Mobbing aufmerksam zu machen, eskalierte die Sitation in der Schule erneut. „Die Mädchen aus meiner Stufe haben nachgespielt, was in meinem Buch stand“, sagt sie und ergänzt: „Ich habe die Pausen in meinem Auto verbracht und meinen eigenen Abiball habe ich nicht besucht.“

Trotz der schrecklichen Erfahrungen schaut Sylvia Hamacher voller Zuversicht in die Zukunft. Nun hat sie das Abi in der Tasche, beginnt eine Ausbildung und möchte danach studieren. „Ich freue mich auf die Ausbildung und die Uni, ich hätte gerne einfach mal eine schöne Zeit.“ Die kann man Sylvia Hamacher nur von Herzen wünschen.

Infos:
In Sylvias neuen Buch möchte sie nicht nur Opfern, sondern auch Tätern eine Plattform bieten. Wer etwas dazu zu erzählen hat, kann sich bei Sylvia unter tatortschule@sylvia-hamacher.de melden. Der Betreff lautet: Licht ins Dunkel bringen.
Sylvia arbeitet mit öffentliche Einrichtungen zusammen und kann weitere Unterstützung bestens gebrauchen.
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