Letzte Schicht im Palast: 150 Ex-Bergleute in der Heizzentrale

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Auf Einladung von RevuePalast-Prinzipal Christian Stratmann trafen sich 150 ehemalige Bergleute aus dem Kreis Recklinghausen Anfang Juli zur „letzten Schicht“ vor der Sommerpause in der ausverkauften Heizzentrale der Zeche Ewald.

Es war eine Nacht der 1.000 Lichter: Auf Einladung von RevuePalast-Prinzipal Christian Stratmann trafen sich 150 ehemalige Bergleute aus dem Kreis Recklinghausen Anfang Juli zur „letzten Schicht“ vor der Sommerpause in der ausverkauften Heizzentrale der Zeche Ewald.

Der Funke sprang schnell über, als Stratmanns Königinnen und Könige der Nacht heiße Liebesglut entfachten. „Toll, dass es Stratmanns Theater auf Zeche gibt. Das bringt Leben in die Bude“, freute sich Herbert Lütz, stellvertretender DGB-Vorsitzender im Ortsverband Herten: „Ich war 2009 bei der Premiere dabei und habe in den sieben Jahren keine Show im Palast verpasst!“
Schnell wurden Erinnerungen wach. „Einige Kumpel haben sich 15 Jahre nach Stilllegung der Zeche bei der Show erstmals wiedergesehen“, sagt Norbert Jahn, der Ortsgruppenvorsitzende Herten Ewald der Industriegewerkschaft Bergbau – Chemie – Energie (IGBCE). Jahn selbst arbeitete 35 Jahre auf Zeche Ewald, auch sein Vater und sein Sohn fuhren hier an.
„Der Abend im RevuePalast war rundum gelungen“, sagt der Gewerkschafter: „Unsere Leute waren total begeistert. Viele wussten gar nicht, was heute in der Heizzentrale los ist. Eins steht fest: Die kommen wieder.“ Die Freude war beiderseitig. Strukturwandel durch Kunst und Unterhaltung: Eindrucksvoller hätte der Kontrast nicht sein können, als das RevuePalast-Ensemble mit einem besonderen „Steigerlied“ den Abend eröffnete. 130 Jahre lang wurde auf Zeche Ewald Kohle gefördert, 2000 war Schluss. Die Kumpel im Publikum - eingeladen zur „letzten Schicht“ - wissen genau, wie es sich anfühlt, wenn die Räder plötzlich stillstehen.

Künstler sollenunter Tage


Sie blickten an diesem Abend ohne Groll zurück und ließen sich von der Lebensfreude im Palast nur zu gerne anstecken. Bis in die Morgenstunden feierten sie ihr Wiedersehen. Christian Stratmann: „Ohne die Arbeit der Bergleute hätte es das deutsche ‚Wirtschaftswunder‘ nicht gegeben. Ohne den Bergbau würde es auch das Industrieland Nordrhein-Westfalen in seiner heutigen Form nicht geben. Wir haben den Menschen, die Kohle abgebaut haben und noch heute abbauen, viel zu verdanken.“

Ein kostbares Geschenk



Wenn es nach der Gewerkschaft geht, sollen bald auch die Künstler des RevuePalasts Ruhr erfahren, was es heißt, unter Tage zu sein. Obwohl mit dem Bergwerk Auguste Victoria kürzlich auch die vorletzte Zeche im Revier ihre Tore schloss, lud IGBCE-Chef Norbert Maus alle zu einer Grubenfahrt ein – ein kostbares Geschenk. Viel Zeit sollte sich das Ensemble nicht lassen, denn es erwartet eine der letzten Grubenfahrten, die im Ruhrgebiet möglich sind. Dass Norbert Maus dieses Kunststück wahr werden lässt, darüber haben seine Gewerkschaftskollegen keinen Zweifel: „Wenn ein Norbert Maus sagt, es wird eine Grubenfahrt geben, dann ist das auch so.“ So ist das eben – unter Bergleuten.
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