Unverschuldet in Not: Rebecca S.

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Rebecca S. geht selbst auf Arbeitssuche - bisher vergebens.
Mit Anfang 20 hat man noch das ganze Leben vor sich. Aber Rebecca S. ist verzweifelt, möchte leben statt nur überleben. Seit Ostern steht sie ohne einen Cent da. In ihrer Verzweiflung hat sie sich an den Stadtspiegel gewandt.

Ohne ihren Vater, zu dem die junge Frau in Herten gezogen ist, könne sie buchstäblich nicht überleben, so die junge Frau. Klartext: „Ich hätte nichts zu essen und keine Wohnung.“
Rebeccas Schicksal macht betroffen: Sie musste ihre Ausbildung zur Masseurin abbrechen. Drei schwere Unterleibsoperationen hatte die 23-Jährige seit 2010 zu verkraften. Schwerbeschädigung: 60 Prozent.
Trotzdem mangelt es Rebecca keineswegs an Selbstbewusstsein und sie kann auch von guten beruflichen Erfahrungen berichten: „Ich habe zuletzt bei einer Zeitarbeitsfirma gearbeitet. Das hat mir richtig gut gefallen, denn ich habe von den Firmen, bei denen ich beschäftigt war, immer nur positives Feedback bekommen.“

Job verloren, schwere OP, keine Unterstützung

Damit war aber leider nach ihrer letzten schweren Operation Schluss: „Ich bin seit Ostern arbeitslos.“ Im Kreis Recklinghausen wird doch für Menschen in Not gesorgt - es gibt die Jobcenter, und es gibt Hilfe zum Lebensunterhalt. Das soziale Netz müsste einen so verzweifelten Menschen wie Rebecca doch auffangen.

Sollte man meinen. Dem ist nicht so, wie Rebecca Schneider berichtet. „Ich bekomme schlecht Kontakt zum zuständigen Sachbearbeiter beim Jobcenter. Er ruft nicht zurück, und er hält sich nicht an Termine.“
Dem widerspricht der Kreis Recklinghausen auf unsere Nachfrage. Es habe Verzögerungen gegeben, weil Rebeccas Unterlagen nicht vollständig seien und sie auch häufig nicht telefonisch erreichbar war. (Was Rebecca genau anders herum darstellt.) Zudem gebe es neben dem Sachbarbeiter noch zwei weitere Mitarbeiterinnen des Jobcenters, an die sich die junge Hertenerin wenden könne.

Rebecca sucht. Sie sucht verzweifelt einen Arbeitsplatz und macht sich jeden Tag schick, geht selbst in Geschäfte und Firmen und fragt nach. Ihre Erfahrungen sind sehr unterschiedlich, oft sogar entmutigend: "Ich wurde schon regelrecht angeblafft, was ich denn überhaupt wolle." Arbeit, betont die junge Hertenerin: "Ich würde alles machen!"

Rebeccas Schicksal ruft hilfsbereite Menschen auf den Plan

Auf den Bericht im Stadtspiegel gab es viele Reaktionen, oft Tipps für die junge Frau, so sie sich bewerben könnte. Konkret bot Peter Coers aus Herten seine Hilfe an, und das nicht nur ihr. Er schreibt: "Zu dem Beitrag ,Unverschuldet in Not': „Ich selber war eine Zeitlang im ALG I und danach auch im ALG II. Als Gewerkschaftsmitglied war es für mich einfach, sich der ,Merkwürdigkeiten‘ des Arbeitsamtes (jetzt Agentur für Arbeit oder Jobcenter) zu erwehren.
(...)

Recht auf Begleitperson

Ich weise dankbar auf das Ökumenische Arbeitslosenzentrum (OLAZ, Sauerbruchstraße 7, 45663 Recklinghausen, 02361/ 99 65 07) hin. Hier gibt es eine Geschäftsführung, die sich bemüht, den Arbeitslosen zu helfen. Man kann hier persönliche Gespräche vereinbaren, sich austauschen, den hauseigenen Computer für Bewerbungen nutzen und im Internet surfen, ein Gespräch mit einem Rechtsanwalt führen und sich absprechen, ob eine Begleitung ins Amt erforderlich ist.

Nach § 13, Abs. 4 SGB hat der Arbeitslose das Recht auf eine Begleitperson. Ich selbst war, in Verbindung mit dem ÖLAZ, schon oft als Begleitperson im Amt. Ich höre zu, mache mir Notizen und schreibe hinterher meistens ein Protokoll. Meine Telefonnummer 02366/ 36965 darf offen gemacht werden."
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Uwe Fischer aus Marl | 26.10.2013 | 15:26  
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