Das Camp

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Das Camp!
Es war der Sommer 2008. Nach dem verunglückten Versuch meiner ersten Ehe hatte ich einen neuen Partner kennen gelernt. Wir waren jung, und frisch verliebt. Es fehlte unserer Beziehung an nichts, ausgenommen am Geld vielleicht, aber wie das so ist, wenn man jung ist zählt das kaum. Einen Urlaub hätten wir brauchen können, allein unsere Scheidungen hatten viel gekostet und wir wollten uns ein neues Leben aufbauen, da war so ein Luxus nicht drin.

Als ich das kostenlose städtische Wochenblättchen nach Sonderangeboten durchforstete entdeckte ich diese Anzeige. Urlaub fast zum Nulltarif. Sind sie jung und lieben sie das Abenteuer, stand da geschrieben? Das konnte ich nur bejahen, neugierig las ich weiter. Dann ist dieser Urlaub absolut das Richtige für sie. Zurück zur Natur. Leben sie mit unserer bunten Gemeinschaft im Zelt und erleben sie herrliche Tage der Erholung ohne Fernseher und Tageszeitung. Nur für Individualisten. War ich denn einer, horchte ich in mich hinein? Die Anzeige hörte sich gut an, mal sehen was Jürgen dazu sagte, ich konnte es kaum erwarten bis er von der Arbeit heimkam. Endlich war es soweit und ich hörte die Wohnungstüre ins Schloss klinken, ich zähmte meine Ungeduld und wartete bis er gegessen hatte. Schmunzelnd betrachtete er mich. „Na was hat mein Engelchen denn auf dem Herzen“, wollte er wissen. Wie gut er mich schon kannte, ich wurde rot. Aufgeregt schob ich ihm die Zeitung hin, den Artikel hatte ich mit dem Kugelschreiber eingerahmt. Er las ihn und überlegte. „Was habe ich doch für ein umsichtiges Frauchen“, schmunzelte er und klopfte auf sein Bein. Schnell setzte ich mich auf seinen Schoß, schlang die Arme um seinen Hals und fragte schmeichelnd:“ Dann bist du einverstanden?“ „Aber sicher, gleich Morgen erkundige ich mich, ob ich Urlaub bekomme und dann melden wir uns an.“ Ich stieß einen Freudenschrei aus und gab ihm einen dicken Kuss. „Dann wollen wir mal für gutes Wetter beten“, meinte er, „denn so ein Camping Urlaub im Regen ist nicht so lustig.“ „Ach das wird schon“, sagte ich leichthin, „das kann gar nicht anders sein.“

Quälend langsam vergingen die Tage, doch endlich war es dann soweit. Ganz gegen meine Gewohnheit packte ich nur Zweckmäßiges ein, Hauptsächlich Jeans, Turnschuhe und Wetterfeste Sachen. Weit mussten wir nicht fahren, das Camp befand sich in den Wäldern bei Haltern. Wir gaben die angegebene Adresse in unser Navigationsgerät ein und es führte uns dorthin in die Wildnis. „Komm, wir schauen und das Ganze erst einmal an, die Sachen holen wir später aus dem Wagen“, schlug Jürgen vor und Hand in Hand liefen wir zu der Camp Leiterin. Sie war gerade mit einigen Leuten dabei ein Lagerfeuer anzufachen. Freundlich lächelnd kam sie auf uns zu und reichte uns die Hand. „Ich bin Franziska, bitte sagt Franzi zu mir.“ „Gerne“, antwortete ich und reichte ihr die Hand. Irgendwie hatte ich ein seltsames Gefühl unter ihren taxierenden Blicken, aber ich wollte es nicht wahrhaben. Franzi klatschte in die Hände. „Bitte alle mal herkommen, wir haben neue Gäste bekommen“, rief sie. Aus dem näheren Wald und aus den aufgebauten Zelten kamen die anderen Miturlauber und stellten sich in der Runde auf, um uns Willkommen zu heißen.

Neugierig blickte ich mich um und staunte, einige Meter hinter mir stand mein Onkel. Er sah völlig verändert aus, irgendwie viel jünger, gesünder und kräftiger. Joseph war etwa so alt wie meine Mutter, also Mitte vierzig, er wirkte Energie geladen und kraftvoll. Sein nackter Oberkörper war gebräunt und glänzte und sein Haar war ausgebleicht und lockig. Er wirkte wie ein Naturmensch, irgendwie indianisch. Stimmt, er trug eine weiche Lederhose, Mokassins und ein Stirnband. Begeistert lief ich zu ihm und begrüßte ihn. „Mensch Onkel Jupp, was machst du denn hier?“ Er machte ein Gesicht, als sie es ihm peinlich. Komisch, wir hatten uns immer gut verstanden. Was hatte er nur. „Tut mir leid, ich habe jetzt keine Zeit, ich muss zu meinem Seminar“, teilte er mir mit und ließ mich stehen. Was hatte das zu bedeuten? Wo Onkel Jupp war, konnte seine Frau, meine Tante Sophie nicht weit sein. Suchend blickte ich mich um und entdeckte sie sogleich. Auch sie sah irgendwie anders aus, wie ihr Mann, jünger und vitaler als ich sie kannte. Sie legte den Finger auf die Lippen und bedeutete mir zu schweigen. Verwirrt hielt ich inne und beobachtete wie sie ihren Foto Apparat nahm und im Begriff war ein Foto zu machen. Mein Blick folgte der Linse des Gerätes und dann kniff ich die Augen zusammen, denn ich konnte nicht glauben was ich da sah. Ein bleicher Mann, uns Vis a Vis zeigte beim Lächeln zwei lange Reißzähne, eindeutig ein Vampir. Ein Vampir, was dachte ich denn da, Vampire gab es nicht und doch, er hatte solche Zähne. Verwirrt blickte ich zu Jürgen, der sah auch aus, als fühle er sich nicht recht wohl in seiner Haut. Nun wollte ich es aber genau wissen. Entschlossen ging ich zu Tante Sophie, die den Kopf über ihren Apparat gesenkt hatte. Was war denn das? Sie trug ihr dunkles Haar kürzer und lockiger als sonst und auf ihrem Kopf sah ich zwei bleiche Erhebungen, sie hatte Hörner, was waren das hier denn für Leute? Magisch wurde ich von meiner seltsamen Beobachtung angezogen. Als ich vor ihr stand, streckte ich die Hand aus und berührte einen der weißen Höcker, es fühlte sich an wie Knochen. Ihr Kopf fuhr in die Höhe und sie stieß ein heiseres Knurren aus. Entsetzt sprang ich einen Schritt zurück und flüchtete mich zitternd in Jürgens Arme. „Was um Himmels Willen sind das hier für Leute“, fragte ich ihn flüsternd und blickte nun verhalten um mich, dabei entdeckte manche Merkwürdigkeit. Bei einem war die Hose ein wenig hoch gerutscht und ich sah ein behaartes Bein, sehr behaart um genau zu sein, es hatte Fell wie ein Tierbein. Dann wanderte mein geschockter Blick zu einem sehr hageren Mann. Der grinste mich wie aus einem mit Pergament überzogenen Totenschädel an und kratzte sich heraus fordernd mit seiner skelettierten Hand an der Nase.

Unwillkürlich trat ich einen Schritt zurück und zupfte Jürgen am Ärmel. „Das ist glaube ich nicht das Richtige hier für uns“, flüsterte ich in sein Ohr. Entschlossen nahm er meine Hand und zog mich zu der Camp Leiterin. „Meine Frau ist scheinbar doch nicht so Naturverbunden wie sie dachte, wir fahren wieder heim. Nichts für Ungut“, sagte er zu ihr. Drohend blickte sie uns an. Dann lächelte sie gezwungen. „Ich hoffe wir haben sie nicht erschreckt“, meinte sie lauernd. „Nein natürlich nicht“, log Jürgen unverfroren, „Wir hatten nur Holzhäuser erwartet.“ „Das tut mir sehr leid, ich schrieb ja, wir sind Naturfreunde und lieben es sehr einfach.“ Mutig reichte er ihr die Hand, um sich zu verabschieden und er verzog keine Miene, als sie schleimig in seiner landete. Sie beobachtete seine Reaktion sehr genau. Dann lächelte sie, „Auf Wiedersehen, gute Heimreise“, wünsche sie uns. Jürgen fasste nach meiner Hand und zwang mich ruhigen Schrittes neben ihm herzugehen. Ich spürte ihre Blicke wie mit tausend Nadeln in meinem Rücken. Wie froh war ich das schützende Auto zu erreichen. Etwas gezwungen winkte ich zurück und schaute in finster blickende Augen. „Was war jetzt das“, fragte ich, als wir uns auf der Autobahn in Sicherheit befanden? „Am besten du vergisst ganz schnell was wir erlebt haben“, riet mir Jürgen, „ich bin sicher das dein Onkel und deine Tante uns beobachten werden.“ Nun konnte ich wieder lachen. „Wenn wir schon mal eine Reise planen“, flaxte ich.
©By Gitte
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7 Kommentare
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Herbert Lödorf aus Gelsenkirchen | 16.09.2016 | 07:37  
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Gudrun Wirbitzky aus Bochum | 16.09.2016 | 09:37  
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Bruni Rentzing aus Düsseldorf | 16.09.2016 | 10:51  
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Gudrun Wirbitzky aus Bochum | 16.09.2016 | 11:48  
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Gitte Hedderich aus Herten | 16.09.2016 | 14:18  
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Eckhard Schlaup aus Gladbeck | 19.09.2016 | 16:41  
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Gitte Hedderich aus Herten | 19.09.2016 | 20:16  
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