Schweizer-Franken-Kredite: dann tickt die Bombe halt länger

Anzeige

Nach den Zeitungsmeldungen und der Diskussion der letzten Tage über die Auswirkungen, welche die Wechselkursfreigabe der Schweiz auf die laufenden Haushalte Hertens und anderer NRW-Städte hat, betonte man seitens der Stadt Herten immer, es gäbe keine Auswirkungen. Der Stärkungspakt sei nicht gefährdet, der aktuelle Haushalt nicht und der kommende Haushalt ebenso wenig.

Das wird manche Leser sicherlich gewundert haben, ist aber rein finanzmathematisch durchaus korrekt. Vorausgesetzt, man kommt nicht in die Situation, den Kredit zurückzahlen zu müssen. Diese unangenehme Erfahrung macht zur Zeit offenbar die Stadt Lünen (Haushalt Lünen - ist die Kuh vom Eis?). Herten steht da besser da. Warum? Weil man die Kredite einfach geschoben hat.

Der Aufwand, der durch den neuen Wechselkurs entsteht, wird im Jahresabschluß 2014 zu einem Aufwand (=Minus) führen. Da es aber ein nicht-zahlbarer Vorgang ist - also nur in der Bilanz gebucht wird, aber kein eches Geld dabei fließt - entsteht auch keine Belastung in haushalterischer Hinsicht. Liegt der Wechselkurs Ende 2015 immer noch zum Nachteil des Euro-Inhabers, wird die Stadt Herten einen höheren Rückstellungsbetrag in zweistelliger Millionenhöhe vornehmen müssen. ABER: auch das passiert wieder nur "auf dem Papier", also rein buchhalterisch, und wieder fließt kein echtes Geld.

Das klingt unlogisch, man kann es sich aber sehr einfach anschaulich machen. Stellen Sie sich vor, Sie haben einen Kredit aufgenommen. Im Gegensatz zu "normalen" Verbraucherkrediten, wo man die Kreditsumme in Form von Rückzahlung plus festem Zinssatz monatlich abstottert, bis der Betrag bei Null angekommen ist, ist dieser Kredit aber anders. Sie nehmen eine bestimmte Kreditsumme in einer ausländischen Währung auf und verpflichten sich, die Summe an einem bestimmten Stichtag plus Zinsen zurück zu zahlen. Der Zinssatz ist jedoch vom Wechselkurs abhängig - das macht den Kredit billig, wenn das Wechselkursverhältnis für Sie günstig bleibt. Kann aber auch zum Bumerang werden.

Da Sie erst zum Ablauf der Zeit das Geld zurückzahlen müssen, schauen Sie von Zeit zu Zeit auf ihre Abrechnung und sehen, welche Auswirkungen die Wechselkursbewegungen auf die zu erwartende Rückzahlung haben. Passieren tut aber nichts, da sich ja nur die Zahlen in der Bilanz ändern, während die Zeit verstreicht. Für Sie und ihr Portemonaie verändert sich - zunächst einmal - gar nichts.

Jetzt stellen Sie, als sich der Termin nähert, zu dem Sie den Kredit wieder zurückzahlen müssen, aber leider fest, dass Sie entweder nicht über die nötigen Geldmittel zur Rückzahlung verfügen oder aber wegen schlechter Wechselkursverhältnisse einen echten Verlust machen würden. Was machen Sie? In den sauren Apfel beißen? Vermutlich werden Sie eher zu ihrer Bank gehen und fragen, ob sie den Kreditvertrag nicht noch ein, zwei Jährchen verlängern können. Der Bank ist das natürlich recht - längere Laufzeit heißt für sie mehr Zinseinnahmen. Sie hingegen hoffen weiterhin darauf, in ein, zwei Jahren besser dazustehen.

Genau so verhält sich auch die Stadt Herten. Das Problem wird einfach geschoben - man dreht sozusagen, anstatt die Bombe zu entschärfen, einfach den Zeitzünder zurück.


So lange kein echtes Geld fließt, ist die ganze Angelegenheit einfach nur das Verschieben von Zahlen in einer Bilanz. Der Verlust, den die Stadt mit dem Schweizer-Franken-Deal macht, wird munter im Hintergrund verbucht, schlägt sich aber nicht im Haushalt nieder. Die ca. 32 Millionen Schweizer Franken liegen im Hintergrund, während der dazugehörige Kredit für weitere drei Jahre verlängert wurde. Damit verschiebt sich auch das Problem der Rückzahlung auf 2018 - und man hofft, dann nochmal verlängern zu können. Und nochmal. Und nochmal. Niemand sollte glauben, dass der Bumerang uns nicht irgendwann doch erreichen wird!

Und wenn die Stadt tatsächlich (woran wir ernsthafte Zweifel haben) nach 2021 einen aus eigener Kraft ausgeglichenen Haushalt hat und damit anfangen kann, ihre Schulden abzuzahlen, dann liegen da noch 400 Millionen Euro an Krediten herum, die man "loswerden" muß. Dann hofft man, sich auch des Schweizer Kredits entledigen zu können.

Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt - als erstes stirbt der Glaube.
0
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
3 Kommentare
1.200
Reiner W. Dzuba aus Lünen | 25.01.2015 | 13:16  
343
Sascha Köhle aus Herten | 25.01.2015 | 13:31  
1.200
Reiner W. Dzuba aus Lünen | 25.01.2015 | 14:42  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.