Straßenstrich - Sperrbezirke sind keine Lösung

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"Sperrbezirke stellen keine Lösung dar, sondern lediglich das Eingeständnis der Hilf- und Ideenlosigkeit der Verantwortlichen in Politik und Verwaltung. Sie sind ein Ausdruck reiner Verbotspolitik, bei der letztlich die Interessen einer Gruppe (zumeist: der potentiellen Wähler) vor die Interessen einer anderen, zumeist schwächeren Gruppe (hier: die Sexarbeiterinnen) gestellt werden."

Diesen Standpunt vertritt die Piratenpartei in Herten auf ihrer Webpräsenz unter Statement der Hertener Piraten zum Sperrbezirk und begründet diese Auffassung sehr ausführlich, vor allem unter rechtlichen Aspekten.

Wie bereits im Vorfeld zur aktuellen Berichterstattung der Hertener Allgemeinen zu erfahren war, ist es nun wohl wahrscheinlich, dass die Bezirksregierung in Münster dem Antrag zur Sperrbezirksregelung in Herten zustimmen wird. Damit wird ab dem 1.1.2015 die Straßenprostitution nur noch am derzeitigen Schwerpunktort Gelsenkirchener Straße erlaubt sein - und dort auch nur noch zu Abend-/Nachtzeit.

Neutral betrachtet ist Prostitution an sich in Deutschland nicht illegal. Zudem gilt innerhalb der EU die Dienstleistungsfreiheit - somit steht es einer bulgarischen Prostituierten genauso frei, ihren Arbeitsort innerhalb der EU frei zu wählen, wie einer deutschen Freiberuflerin. Ein Sperrbezirk ist somit durchaus kein juristisches Leichtgewicht und es sollte nicht vergessen werden, dass z.B. in Dortmund schon erfolgreich gegen solche Regelungen geklagt wurde.

Was die Begleiterscheinungen angeht, die das Gewerbe entlang der Gelsenkirchener Straße mit sich bringt, muß man aber auch die Interessen der Anwohner und Passanten mit in Betracht ziehen - und die von dort geschilderten Belästigungen und Einschränkungen sind ernst zu nehmen.

Anstatt jedoch eine für alle Beteiligten befriedigende Lösung zu schaffen, wird nun mit der kommenden Sperrbezirksregelung für die Betroffenen nichts besser werden. Im Gegenteil: der Prostitutionsbetrieb wird sich auf die Abend- und Nachtstunden konzentrieren, die damit verbundenen Erscheinungen werden sich eher noch verstärken. Für die betroffenen Anwohner ist dahingehend keine Verbesserung der Lage in Sicht.
Für die betroffenen Prostituierten verschlechtern sich sowohl die Arbeits-, als auch die Sicherheitsbedingungen.

Lediglich die Verwaltung kann nun behaupten "etwas getan zu haben". Nur leider nicht das Richtige - nämlich einen passenden Standort für den Strich zu finden und die Straßenprostitution in Herten und Gelsenkirchen in geordnete Bahnen zu überführen. Das Pferd wurde im wahrsten Sinn des Wortes von Hinten aufgezäumt. Diejenigen, die vorab nach einem Sperrbezirk gerufen haben, werden in den kommenden Monaten noch feststellen müssen, dass sich dadurch nichts zum Besseren wenden wird.

Die Beteiligten werden de facto weiter mit allen Nachteilen der derzeitigen, wie der künftigen Situation alleine gelassen, während die Stadtverwaltung nun in aller Ruhe nach einer Alternative suchen - oder sich im Schatten der Regelungen bequem ausruhen - kann. Es steht zu hoffen, dass der zusammengestellte "runde Tisch" hier für den nötigen Druck sorgen kann, damit die Verwaltung sich mit ihren Bemühungen auch wirklich beeilt.
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