Matthias Müller berät Männer mit Gewaltproblem: Angebot im Kreis Recklinghausen

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Diplom-Sozialarbeiter Matthias Müller (57) leitet seit 1998 den Caritasverband Herten. Seit zwei Jahren bietet er eine vertrauliche Sprechstunde für Männer aus dem Kreis Recklinghausen an, die ein Gewaltproblem haben. Hertener kennen ihn auch vom Stadtkabarett "Jetz ma ehrlich".
Matthias Müller kennt sie alle: Männer, die bei kleinstem Anlass ausrasten und zuschlagen. Männer, die ihre Frau oder Freundin so schwer verletzt haben, dass sie ins Gefängnis mussten. Vor allem kennt er gewalttätige Männer im Kreis Recklinghausen, die sich für ihr Verhalten zutiefst schämen, die ihre Partnerin nicht verlieren möchten und darum ihre Gewalttätigkeit bekämpfen wollen.

Herr Müller, wer kommt zu Ihnen in die Sprechstunde?
Matthias Müller: Alle möglichen Männer. Vom Rentner bis zum Studenten, vom Maurer bis zum Akademiker. HARTZ-IV-Empfänger und gut verdienende Männer. Deutsche und Männer mit Migrationshintergrund. Es ist ein Querschnitt durch die gesamte Bevölkerung.

Was haben diese Männer gemeinsam?
Sie verspüren einen gewisssen Druck und wollen sich ändern. Sobald sie in die Beratung kommen, ist schon ein erster, wichtiger Schritt getan: Sie haben erkannt, dass sie mit Gewalt ein Problem haben und geben es zu.

Verantwortung fürs eigene Handeln übernehmen


Kommen diese Männer alleine zu Ihnen oder mit ihren Partnerinnen?
Einige erscheinen zu Beginn mit ihrer Frau oder Freundin. Zu Beginn ist das auch in Ordnung. Aber bei den Gesprächen bin ich mit dem Mann alleine. Es ist keine Paartherapie, sondern eine Einzelberatung über Wochen und Monate.

Wann wissen Sie, dass Sie zu Ihrem Gesprächspartner durchgedrungen sind?
Wenn ein Mann die Verantwortung für sein Handeln übernommen hat. Wenn er einsieht, falsch gehandelt zu haben. Wenn er die Schuld nicht seiner Partnerin gibt und die Situation verharmlost. Wenn er lernt, seine Gefühle zu erkennen und richtig zu deuten. Das ist ein Lernprozess.

Wie meinen Sie das genau?
Viele Männer schätzen ihre Gefühle falsch ein. Ein Beispiel: Sie glauben, sie haben aus Wut zugeschlagen, beim Streit. Weil das Essen angebrannt ist. Tatsächlich haben sie aber Angst. Sie haben Angst davor, dass ihre Frau sie verlässt. Oder sie fühlen sich ihr unterlegen, weil sie den Job verloren haben. Sie müssen auch lernen zu erkennen, was ihre - richtig gedeuteten - Gefühle ausgelöst hat.

Können Sie konkret helfen?
Ja, denn ich erlebe bei vielen eine positive Entwicklung. Es gibt einige, die weiterhin regelmäßig kommen, obwohl sie sich besser im Griff haben. Denn sie möchten nicht wieder in das alte Verhaltensmuster verfallen. Für sie ist das wie eine Art Werkstattbesuch.

Sie haben viele Jahre lang Kabarett gemacht. Hilft Ihnen Humor bei Ihrer Arbeit?
Ja, denn ich nehme kein Blatt vor den Mund. Dass wir auch zusammen lachen können, stärkt das Vertrauensverhältnis.

Wie gut wird das seit zwei Jahren bestehende Angebot angenommen?
Es kommen immer mehr Männer, aus dem ganzen Kreis. 2014 waren es 39 Männer, jetzt sind es 42, und das Jahr ist noch gar nicht vorüber.

Kontakt:
Krisen-und Gewaltberatung für Männer: 0151/ 253 43 444
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