Abenteuer unter der Erde

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Abenteuer unter der Erde!
Dieses Mal wurde freute ich mich ganz besonders auf unseren Urlaub am schönen Edersee. Meine Freundin Jule und ihr Mann Gregor kamen uns gleich am ersten Wochenende aus dem nicht allzu weit entfernten Thüringen, besuchen. Wir hatten allerlei geplant und Jule würde schon mit ihrer Schlagfertigkeit und ihrem Humor dafür sorgen, das es alles andere als langweilig zuging, wie spannend es aber werden würde, ahnte ich noch nicht im Entferntesten.

Nach einigen entspannten Tagen kam nun das ersehnte Wochenende heran. Am Freitag schneiten die Beiden zur Kaffeezeit herein. Der Nachmittag verrann mit Geplauder und Gelächter und am Abend machten wir es uns vor dem prasselnden Kaminfeuer bequem, wir tranken dabei heißen Tee und Glühwein. Nun war es schon November und während draußen der Regen rauschte und der Wind brauste wurde es drinnen doppelt behaglich.

Nachdem wir am anderen Tage lecker gefrühstückt hatten, machten Jule, Gregor und ich uns auf den Weg, nach Bergfreiheit. Dort steht das Schneewittchen Haus. Man sagt, diese sei die Tochter des Grafen von Bad Wildungen gewesen und habe Margaretha geheißen. Sie war fünfzehn Jahre alt, als ihr Vater nach langjähriger Witwernschaft wieder heiratete. Margaretha war nicht einverstanden mit ihrer Stiefmutter und riss von zu Hause aus. In dem fünfzehn Kilometer entfernten Bergfreiheit fand sie bei kleinwüchsigen Menschen, die verkrüppelt waren von ihrer Arbeit in den Edelsteinstollen, eine Unterkunft. So entstand das Märchen von Schneewittchen und den sieben Zwergen.

Dort gibt es auch eine wunderbare Edelstein Schleiferei, der wir immer, wenn wir in dieser Gegend Urlaub machen einen Besuch abstatten. Wir hofften einige schöne und preiswerte Schmuckstücke dort zu finden. Vielleicht würden wir bis zum Nachmittag bleiben und auch das Bergwerk besuchen. Gut gelaunt machten wir uns schließlich auf den Weg. Hinter Bad Wildungen wurde es schwierig, denn die Beschilderung war schlecht. Schließlich fuhr Gregor an den Straßenrand und dort schauten wir in die Karte.

Gerade hatten wir sie ausgebreitet und wollten uns darin vertiefen, als es einen leichten Ruck gab. Verdutzt sahen wir, wie das Vorderteil des Wagens sich immer mehr zur Erde neigte und im Zeitlupen Tempo darin verschwand. Der Wagen erreichte eine Schräglage und rutschte langsam, aber sicher unter die Erde. Vor Schreck waren wir wie erstarrt. Nachdem wir den Boden durchbrochen hatten, landeten wir in einer Art Stollen. Er war breit genug, das sich die Türen des Fahrzeuges öffnen ließen. Nur raus hier und zurück ans Tageslicht. Als wir heraus gekrabbelt waren, schauten wir uns erst einmal um, um uns zu orientieren. Zuerst musste der Staub sich legen. „Was ist passiert“, hörten wir plötzlich eine Stimme, die uns schaudern ließ? Unheimlich ist das, wenn jemand spricht den man nicht sieht. Als sich unsere Augen etwas an die Dunkelheit gewöhnt hatten, bemerkten wir ein schaukelndes Licht das auf uns zukam. Gleichzeitig sahen wir es an den Wänden funkeln und gleißen. Schemenhaft schälte sich eine kleine Gestalt aus der Dämmerung. Wir hielten den Atem an, das war ja ein Zwerg, konnte so etwas möglich sein? Dann erkannten wir, dass er statt einer roten Zipfelmütze einen Helm trug und wir atmeten auf. Das machte alles schon ein wenig realer. „Du liebe Zeit, wie ist denn das passiert“, wollte der kleine Mann, der sich uns gleich darauf als Herr Steiner vorstellte wissen. Gregor berichtete ihm, das wir eine kurze Rast eingelegt hatten, um uns zu orientieren und das dann der Boden unter unserem Wagen nachgegeben hatte. Herr Steiner schüttelte den Kopf. „Tageseinbrüche hat es immer schon gegeben, aber ein Auto ist noch nie hier gelandet“, schmunzelte er. „Kommt mit, ich bringe euch wieder hinauf“, bot er uns an. „Können wir nicht einfach zurück, dort wo wir eingebrochen sind“, wollte Gregor wissen? „Oh nein, der Einbruch ist verschüttet und wenn ihr dort grabt rutscht immer mehr nach, das ist zu gefährlich“, klärte uns Herr Steiner auf. Nun erwachte in Jule und mir die Abenteuerlust. „Sagen sie mal, was haben sie da für eine Lampe, ist das Karbid“, wollte ich wissen? Herr Steiner lachte herzhaft. „Um Gottes Willen, das wäre viel zu gefährlich, es handelt sich bei diesen Lampen um Tranfunzeln.“ „Eine Tranfunzel?“ Jule wollte sich schier totlachen, seit wann leuchtest du liebe Gitte, leuchtest du uns nun heim?“ „Schaut euch mal um, wenn ihr schon hier gelandet seid“, machte Herr Steiner uns aufmerksam, als er die Wände anleuchtete, strahlte und blitzte es dort. „Das sind Moosalgen“, berichtete er uns. Im Gänsemarsch marschierten wir los. Hin und wieder machte Herr Steiner uns auf Edelstein Vorkommen aufmerksam. „Es gibt hier den Kellerwald Achat, den roten Jaspis und Hämatit, außerdem Kupfer- und Eisenerz“, erfuhren wir von ihm. „Hier in den kleinen Stollen wird noch mit der Spitzhacke gearbeitet, wie zu Schneewittchens Zeiten, aber es gibt heute auch schon große Stollen, in denen Maschinell abgebaut wird“, erfuhren wir. Ich hätte hier keinen Edelstein gefunden, erst mit dem Schliff bekommen sie ihre Farbe und ihren zauberhaften Glanz, hier wo sie wachsen, sehen sie recht unscheinbar aus. Mit der Zeit verlor das Abenteuer seinen Reiz. „Ist es noch weit, ich bekomme Hunger“ fragte ich unlustig. Jule kicherte wieder. „Warst du nicht auf Diät meine Liebe“, wollte sie wissen? Ich streckte ihr die Zunge heraus. Damit die Zeit schneller verging, begann ich ein Lied zu singen. „Wir wandern, wir wandern, von einem Stollen zum aaaaandern“, begann ich. „Hilfe“, schrie Jule, „Folter und das wo wir nicht weglaufen können, bist du wohl stille.“ „Du bist ja soooooooooo gemein“, konterte ich ärgerlich. „Pst“, machte Herr Steiner, „ihr wollt wohl, dass bei dem Lärm hier alles einstürzt was?“ Betroffen sahen wir uns an und schwiegen nun wieder. Nach einer Weile bemerkte ich, dass das Schuhband an meinem Turnschuh aufgegangen war, ich hockte mich hin. „Geht ruhig, ich binde eben meinen Schuh zu und komme dann hinterher“, forderte ich die kleine Gesellschaft auf. Langsam ließ ich mich nieder, die anderen gingen weiter und gleichzeitig wurde es dunkler. „Halt, halt“, schrie ich ängstlich. Jule lachte wieder herzhaft. „Keine Minute hältst du es ohne uns aus, ich wusste es doch“, frotzelte sie mich. Als ich sie atemlos erreichte versetze ich ihr einen Schubs. Jule hatte nicht damit gerechnet, sie prallte gegen einen Stützpfeiler und dann ging alles rasend schnell. Der Pfeiler knickte ein, gleichzeitig kam die Decke runter. Wir schrien alle vor Schreck.


Da ich am Schluss gestanden hatte, trennte uns die herabfallende Decke. Schützend hielt ich den Arm über die Augen und ging langsam tastend rückwärts. Staub nahm mir den Atem. Dann wurde es still und dunkel um mich. Mein Herz hämmerte wie verrückt und mein Kopf fühlte sich an, als wollte er platzen, ich ließ mich zu Boden sinken und versuchte erst einmal mich zu beruhigen, so würde ich keinen klaren Gedanke fassen können. Langsam kroch die Angst in mir hoch, Verzweiflung erfasste mich und wollte mich mutlos machen. Nach einer Weile fiel mir der Spruch meines Vaters ein:
Dumm darfst du sein, aber du musst dir zu helfen wissen. Unwillkürlich lächelte ich. Mal sehen, ich nahm mir meinen Rucksack vor. Wie oft hatte Jürgen, mein lieber Gatte mich verspottet, wegen meinen Vorräten für alle Eventualitäten. Gar nicht so einfach, im Dunkeln etwas zu finden. Unwillkürlich atmete ich auf, ich hatte es doch gewusst, außer den üblichen Notwendigkeiten einer Frau, wie Taschentücher, Erfrischungstücher, Lippenstift, Parfum ect. fand ich eine Taschenlampe, wie gut, dass ich sie wegen der fortgeschrittenen Jahreszeit, wenn wir mit Wölfchen am Abend Gassi gingen nun bei mir hatte. Bitte, lieber Gott, lass die Batterie nicht leer sein, schickte ich ein Stoßgebet zum Himmel. Als ich den Schalter betätigte, hielt ich den Atem an. Puh, ein Lichtstrahl blendete auf. Gott sei Dank. Was ich nun allerdings sah, entzückte mich weniger, vor mir stand ein riesiger Geröllberg, bis ich den abgetragen hatte war ich verhungert, ich konnte nur auf Hilfe von außen warten. Herr Steiner wusste ja, wo ich steckte. Was aber war, wenn sie auch verschüttet waren, wollte mich gleich wieder die Mutlosigkeit erfassen. Oh nein, rief ich mich nun selbst zur Ordnung, nicht den Mut verlieren, optimistisch denken, befahl ich mir selbst, ich würde mich ein wenig ausruhen und dann erst einmal die kleine Höhle erkunden in die ich gestürzt war. Die Taschenlampe schaltete ich aus um Energie zu sparen, es war zwar unheimlich hier in der Dunkelheit, aber immer noch tröstlich zu wissen das ich Licht hatte wenn ich ein seltsames Geräusch hören sollte.

Nach einer Weile begann ich meine Umgebung zu untersuchen, im Licht der Taschenlampe hatte ich einen kleinen Gang schräg hinter mir bemerkt, in den tastete ich mich nun hinein. Das Licht würde ich mir aufsparen für Notsituationen, vielleicht konnte ich ja einen zweiten Ausgang finden, wer weiß wann Herr Steiner mit den Helfern zurückkam. Langsam bewegte ich mich vorwärts, wobei ich immer wieder die Panik niederkämpfen musste die mich anfiel. Was, wenn auch dieser Gang einstürzte? Wer nicht wagt der nicht gewinnt, machte ich mir selber Mut, alles war besser als untätig herum sitzen und ergeben sein Schicksal abzuwarten. Der Atem wurde mir eng, mein Asthma das sich bei Angst meldete zog mir die Kehle zu und die hohe ungewöhnliche Luft Feuchtigkeit tat ein Übriges. Zwei Sprays hatte ich immer mit, eines griffbereit in der Hosentasche, das andere als Reserve im Rucksack. Die würden sicher reichen. Weiter, einfach weiter, nicht aufgeben. Mein Überlebens Wille trieb mich vorwärts. Gedankenfetzen flogen mich an, würde der Sauerstoff knapp werden? Wie merke ich das, merkt man es überhaupt, oder gleitet man sanft in den Schlaf, in die Ohnmacht und erwacht nicht mehr. Wieder ein Stück Wissen das mir fehlte, aber würde es mir wirklich helfen? Es würde nur neue Panik verursachen, denn dann würde ich akribisch genau auf diese Anzeichen achten und meine Angst nur noch verstärken. Manchmal ist es sicher besser nicht zu viel zu wissen. In der Dunkelheit verlor ich jedes Zeitgefühl, wie lange mochte ich schon unterwegs sein? Nur langsam kam ich vorwärts und ich wollte nicht durch häufiges Einschalten der Lampe die Batterien unnötig verbrauchen. Was nützt es schon zu wissen ob eine viertel Stunde vergangen war, oder eine volle. Erschöpft hielt ich inne. Dieser Gang würde nicht bestehen, wenn er nicht irgendwo hinführt, sagte ich mir. Was ist, wenn er abrupt endet, weil man hier keine Steine gefunden hatte, meldete sich die Gegenstimme. Ach was, entgegnete ich mir selbst, einen toten Gang hätte man sicher nicht so weit in die Erde getrieben, versuchte ich mir selber Mut zu machen. Plötzlich klang in meine Gedanken ein Geräusch. Ein Geräusch? Hier unten? Ich hielt den Atem an, ohne Zweifel, es hörte sich an als weine jemand leise. Das konnte doch nicht sein, oder doch? Langsam tastete ich mich weiter. Nun verbreiterte sich der Gang, hatte ich bisher mit ausgestreckten Händen beide Wände fühlen können, ging das nun nicht mehr. Plötzlich fanden ich keinen Halt mehr und fiel. Instinktiv schützte ich die Lampe in meiner rechten Hand und fing mich daher mit der linken schmerzhaft ab, als ich auf den Boden prallte. Dabei hatte ich aufgeschrien, was zur Folge hatte das das Weinen verstummte. Nun war es an der Zeit die Lampe zu benutzen. In ihrem Schein sah ich nun warum ich gestürzt war, der Gang aus dem ich gekommen war endete hier in einem größeren Stollen. Erleichtert atmete ich auf. Die Größe des Stollens ließ auf eine große Benutzbarkeit schließen. Gleichzeitig erblickte ich schräg gegenüber eine Holztüre.

War dort das Weinen her gekommen? Zuerst löschte ich die Lampe wieder, dann tastete ich mich zu der Türe, langsam bekam ich eine gewisse Übung darin, mich im Dunkeln fort zu bewegen. Als ich die Türe gefunden hatte pochte ich leise daran, am liebsten hätte ich geschrien, aber dann hätte ich den, oder die Weinende sicher zu Tode erschreckt, wer vermutet hier unten schon einen anderen Menschen? „Hallo, Hallo“, flüsterte ich und wartete. Nichts. Sicher hielt hinter dieser Türe jemand genau wie ich den Atem an und traute sich nicht zu antworten. Also begann ich etwas lauter zu reden. „Hallo, wer immer sie auch sind, ich bin verschüttet worden und brauche Hilfe, bitte sagen sie doch etwas.“ Wieder wartete ich auf Antwort. Schon wollte ich erneut versuchen, mein unsichtbares Gegenüber zu einer Antwort zu bewegen, da hörte ich eine weibliche Stimme fragen: „Wer bist du?“ Einen Moment war ich zu keiner Antwort fähig, so groß war die Erleichterung, nach Stunden in dunkler Isolation eine menschliche Stimme zu hören. „Mein Name ist Gitte, meine Freunde und ich sind mit dem Auto eingebrochen, ein Herr Steiner hat uns gefunden und wollte uns heraus bringen, aber dann stieß meine Freundin gegen einen Pfeiler und alles stürzte ein“, sprudelte es aus mir heraus. „Wer bist du denn“, fragte ich nun nach. „Mein Name ist Grete“, hörte ich nun. „Rolf hält mich hier gefangen.“ „Wer bitteschön ist Rolf“, wollte ich wissen? „Rolf ist der Dorf Casanova, er hatte ein Auge auf mich, aber ich wollte ihn nicht, da hat er mich eines Nachts entführt, er ist bei mir eingestiegen, als ich in der Nacht das Fenster offen hatte und dann hat er mich hierher verschleppt“, erzählte Grete. „Na das ist ja ein Herzchen“, entgegnete ich. „Vor mir ist schon einmal ein Mädel verschwunden das er abgewiesen hatte, die Kathi, das ist die Tochter des Herrn Steiner den du schon kennen gelernt hast. In seiner Freizeit sucht er die Stollen ab, in der Hoffnung sie zu finden, deswegen ist er wohl auch auf euch gestoßen, vielleicht hält er sie auch hier gefangen. Wir müssen vorsichtig sein, es ist kurz vor ein Uhr, er bringt gleich mein Essen“ erklärte Grete mir. Richtig, leise noch von Ferne ertönte ein melodisches Pfeifen, das langsam aber stetig näher kam.

Ein ziemlich großer Mann erschien nun im Kreis eines Lichtkegels, den eine dieser Tranfunzeln verbreitete, die ich schon bei Herrn Steiner gesehen hatte. Er trug ein Tablett vor sich her, das er dann neben der Türe abgestellte. „Das Essen kommt mein Liebling“, kündigte er an. Dann zog er ein großes Schlüsselbund aus seiner Tasche und schloss die dicke Holztüre auf. Er nahm das Tablett hoch und trug es in den Raum. Da er sich scheinbar völlig sicher war das Grete nicht flüchten konnte, versetzte er der Türe nur einen Fußtritt um sie zu schließen. Das gab mir nun die Chance mich hinter ihm in den Raum zu schleichen. „Hast du es dir überlegt, wirst du die Meine“, wollte er von Grete wissen? „Nie“, schrie Grete wütend „und wenn du der letzte Mensch auf Erden wärst.“ Verblüfft betrachtete Rolf seine Gefangene, dann lachte er höhnisch. „Holla, du bist ja wieder Kratzbürstigkeit, ich mag temperamentvolle Frauen“, lachte er. „Als dann guten Appetit wünsche ich.“ Mit diesen Worten stellte er das Tablett, auf dem sich ein zugedeckter Teller, eine Vase mit einer Rose und ein Stein befanden, um welchen es sich handelte konnte ich aus dieser Entfernung nicht erkennen, auf den Tisch. Nun beging Grete einen Fehler, sie lächelte mir zu und das warnte Rolf. Er fuhr blitzschnell herum und als er mich sah, stieß er einen bösen Fluch aus. Nun konnte ich auch sein Gesicht erkennen. Er war ein hübscher Mensch mit kohlschwarzen Augen und wenn die nun nicht so böse und tückisch gefunkelt hätten, wäre er wirklich ein anziehender Mann gewesen. Wütend versuchte er mich zu fassen, aber ich war kleiner und wendiger und duckte mich unter ihm weg. Er schien Bärenkräfte zu haben, wenn er mich erwischte würde er uns beiden einsperren. Gerade, als ich dachte nun hat er dich, stöhnte er auf, fasste sich an den Kopf, verdrehte die Augen und brach in die Knie. Grete stand hinter ihm und hielt sein Geschenk den Stein in der Hand. Es war eine Amethystdruse, die selbst hier im schwachen Licht wundervoll funkelte, die Rückseite war nun allerdings blutverschmiert. Gretes Augen flackerten, sie sah aus als sei auch sie kurz davor den Verstand zu verlieren. Höchste Zeit dass wir hier heraus kamen. „Komm schon“, bat ich sie und zog an ihrem Ärmel. „Die Steine, er hat sie mir geschenkt, ich will sie mitnehmen“, sagte sie und begann einige herrliche Edelsteine, die auf einem Regal lagen in ihren Taschen zu verstauen. „Grete, wir müssen hier heraus, komm schon“, bat und zog ich sie. „Wenn er wieder zu sich kommt, geht es uns schlecht, willst du das riskieren?“ Endlich drang ich zu ihr durch. Angst trat in ihre Augen und nun lief sie zur Türe, während ich mir die Tranfunzel schnappte. Der Schlüssel steckte noch von außen und erst, als wir ihn herum gedreht hatten und das Scheusal eingesperrt war, atmete ich auf.

Nun, da wir Licht besaßen kamen wir wesentlich schneller vorwärts. Nachdem wir eine Weile gelaufen waren, erblickten wir wieder eine Holztüre, identisch mit der hinter der Grete eingesperrt gewesen war. Entsetzt blickten wir uns an. Wurde hier Kathi gefangen gehalten? Leise klopften und riefen wir um sie nicht zu sehr zu erschrecken. „Kathi,“,rief Grete und klopfte erneut. Überlegend blickte ich auf den Schlüssel in meinen Händen, ob er passte? „Versuch macht klug“, flüsterte ich vor mich hin. „Was sagst du“, wollte Grete wissen? „Ach nichts, ich glaube ich habe ein Idee“, entgegnete ich ihr. Vorsichtig steckte ich den Schlüssel in das Loch und drehte ihn. Tatsächlich, es knackte und die Türe ließ sich öffnen. Noch bevor wir in den Raum geleuchtet hatten, bemerkte ich den Geruch, ich wollte Grete hinaus ziehen, aber es war schon zu spät. Sie hatte die Lampe aus meiner Hand genommen und ging damit hinein. Dann begann sie zu schreien. Wer schon einmal Schreie unter der Erde gehört hat, weiß wie grauenvoll sie klingen, dazu kommt noch das Grete die Schreie in höchstem Entsetzen ausstieß. Sie konnte nicht mehr aufhören, erst als ich sie von Kathis Leiche fortgezogen hatte, die sich schon im beginnenden Zustand der Verwesung befand, gingen ihre furchtbaren Schreie in ein verzweifeltes Weinen über. Ich nahm sie in den Arm, konnte aber ihre Verzweiflung nicht lindern, sie hatte in die wächsernen Züge ihrer Freundin geschaut und wusste nun wie sie geendet wäre wenn ich sie nicht gefunden hätte. „Komm schon“, bat ich sie sanft. „Denk daran, wie deine Eltern und Freunde sich freuen werden, dich wieder zu haben.“ „Kathis Eltern werde ich in Verzweiflung stürzen“, meinte sie. „Stimmt aber nur zuerst, dann wirst du ihnen auch Ruhe schenken, die sie bei dieser Ungewissheit um das Schicksal ihrer Tochter nie gefunden hätten“, gab ich ihr zu bedenken. Grete seufzte und wir machten uns auf den Weg.

Als wir einige abseits gelegene Stollen durchwandert hatten kamen wir in sehr große, beleuchtete und kurze Zeit später lief uns einer der Angestellten über den Weg. Er brachte uns zum Ausgang der Mine, wo meine Freunde auf mich warteten. Jule machte große Augen. „Allein bleibst du da und doppelt kommst du wieder, wie soll ich das nur aushalten“, witzelte sie wieder drauf los. Als Grete dann berichtete staunten alle und waren sprachlos. Die Polizei wurde verständigt, sie würde sich um Rolf kümmern, er würde seine Strafe bekommen und bei Entführung und Mord würde die sicher nicht gering ausfallen. Der arme Herr Steiner stürzte los, um seine geliebte und vermisste Tochter ein letztes Mal zu sehen. Wenigstens Grete war gerettet worden. Von Bergwerken haben Jule und ich nun aber die Nase voll.


© By Gitte
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11 Kommentare
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Herbert Lödorf aus Gelsenkirchen | 17.03.2017 | 12:01  
33.000
Gudrun Wirbitzky aus Bochum | 17.03.2017 | 12:02  
7.128
Gitte Hedderich aus Herten | 17.03.2017 | 16:14  
15.623
Christiane Bienemann aus Kleve | 17.03.2017 | 16:27  
7.128
Gitte Hedderich aus Herten | 17.03.2017 | 20:05  
10.868
Bernfried Obst aus Herne | 17.03.2017 | 23:35  
7.128
Gitte Hedderich aus Herten | 18.03.2017 | 07:50  
62.204
Bruni Rentzing aus Düsseldorf | 18.03.2017 | 20:49  
7.128
Gitte Hedderich aus Herten | 19.03.2017 | 07:39  
62.204
Bruni Rentzing aus Düsseldorf | 19.03.2017 | 09:29  
7.128
Gitte Hedderich aus Herten | 19.03.2017 | 17:56  
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