Das alte Haus

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Das alte Haus!
„Weißt du es schon? Das alte Haus, indem die Großeltern lebten ist verkauft worden.“ Betroffen hörte ich die Worte meiner Tante. „Es war preiswert, nur 50000 DM“, redete sie weiter. „Warum hast du mir nicht gesagt, dass es zum Verkauf stand? Ich habe das alte Haus geliebt“, fragte ich sie vorwurfsvoll. Tante Sophie lachte. „Den alten Kabachel, was wolltest du denn damit?“ „Gerade weil es so ein altes ungewöhnliches Haus mit unzähligen Anbauten ist, mochte ich es so, es hat so viel Potenzial, man hat so viele Gestaltungsmöglichkeiten“, dachte ich laut. „Vorbei ist vorbei“, sagte meine Tante und unser Gespräch wendete sich wieder anderen Dingen zu.

Einige Jahre waren vergangen und eines Tages sprach ich wieder mit Tante Sophie. „Ach ja, wir waren am Sonntag im Hespertal und haben uns das alte Haus angesehen, alle Achtung, du solltest mal sehen, was die neuen Besitzer daraus gemacht haben, wir waren echt beeindruckt.“ „Mal sehen, ich bin ja oft in der alten Heimat, bei einem der nächsten Besuche werde ich es mir ansehen“, versprach ich meiner Tante.

Missmutig stand Tinka vor diesem alten Haus und blickte auf die abblätternde Fassade. Oh du liebe Scheiße, ihre Eltern wollten sie doch wohl nicht hierher in diese Einöde verbannen? Ihre ganze Haltung verriet Ablehnung, wie sie da stand, die Schultern hochgezogen, die Hände zu Fäusten geballt in die Hosentaschen gebohrt, die Mundwinkel verächtlich herab gezogen und träge ihr Kaugummi kauend. Arno, ihr Vater legte den Arm um ihre Schultern. „So schlimm“, fragte er leise? Tinka nickte zögernd. „Kannst du dir nicht vorstellen, wie es aussehen KANN? Nach dem Renovieren? Ein neuer Anstrich, neue Fenster, ein neues Dach?“ Tinka seufzte. „Das ändert auch nichts, wir sind hier am Arsch der Welt. Abgeschnitten vom Leben. Wie soll ich denn von hier aus in die Disco kommen?“ Als sie aufblickte sah Arno Tränen in ihren Augen schimmern. Schnell drehte er sich um, um sein Lächeln zu verbergen. Diese Jugend, er erinnerte sich gut, Himmel hoch jauchzend, oder das heulende Elend. Seine Tochter hatte im Moment letzteres. Er bemühte sich um eine nichts sagende Miene. „Mit einem Mofa“, sagte er leichthin. Sofort hellte sich Tinkas Gesicht auf. Eifrig bemühte sie sich ihre Freude nicht zu sehr zu zeigen. „Wäre eine Möglichkeit“, räumte sie gnädig ein. „Na siehst du, es gibt immer einen Weg, nun lass uns das Haus ansehen“, bat Arno und drückte den Klingelknopf. Schlurfende Schritte näherten sich und ein mürrischer alter Mann öffnete die Türe. „Was wollen sie“, fragte er unwirsch. „Uns das Haus ansehen“, antwortete Arno freundlich und zog Tinka hinter sich her.

Der große Flur, den sie betraten war dunkel und es roch muffig. Der Alte betätigte den Lichtschalter. Arno und Tinka blickten sich um. Ein alter verschlissener Teppich bedeckte den Steinboden. Links führte eine Treppe nach oben, darunter eine Holzverschalung mit einer Türe, die sicher in den Keller führte, eine weitere Türe stand offen, sie führte wohl in die Behausung des Alten. Schweigend gingen sie hinter ihm her und ließen ihre Blicke schweifen. Allerdings aus anderen Blickwinkeln, während Arno die solide Bauweise und den schönen Details insgeheim bewunderte, wie das zwar abgestoßene, aber herrlich gedrechselte Treppengeländer sah Tinka nur den Verfall. Die Wohnung des Alten bestand aus einem lang gezogenen Schlauchartigem Zimmer, das im vorderen Bereich als Küche und Esszimmer und dahinter als Wohnzimmer diente. Eine Türe führte in ein dahinter liegendes Schlafzimmer. Im Obergeschoss befand sich auch eine große Diele, die allerdings hier durch ein großes Fenster erhellt wurde. Rechts führte eine Türe in einen mittelgroßen Raum. Geradeaus befanden sich drei Zimmer hinter einer Türe, von denen das linke erhöht lag. Vier Stufen führten hinauf. Ein weites Zimmer ging links von der Diele ab, ebenfalls über vier Stufen zu erreichen. „Den Speicher würde ich an ihrer Stelle nicht betreten“, warnte der Alte. „Da oben ist alles brüchig und morsch.“ „Wie das ganze Gemäuer“, seufzte Tinka. „Was ist, kaufen sie es“, wollte der Mann wissen? „Ich schaff das hier nicht mehr, wenn ich es los bin, ziehe ich in ein Altenheim, da habe ich es gemütlicher“, brummelte er. „Der Preis ist gut“, gab Arno zu. „Es muss sehr viel gemacht werden, aber ich denke es lohnt sich. Wenn es ihnen Recht ist, komme ich am Abend mit meiner Frau vorbei und wenn sie ihr Okay gibt, dann sind wir im Geschäft.“ „Da ist noch etwas, eine Kleinigkeit“, druckste der Alte herum. Er wand sich, man sah ihm an, dass es ihm peinlich war davon zu reden. Schweigend wartete Arno. „Oben spukt es, sagt man.“ Ziemlich leise und schnell, kaum verständlich hatte der Alte die Worte hervor gestoßen. Entgeistert blickte Arno ihn an. Dann verbiss er sich ein Lächeln. Tinka hingegen lachte laut, was ihr einen bösen Blick des Alten eintrug. „Wer sagt das“, wollte Arno schließlich wissen? „Die Leute, einige haben sich das Haus schon angesehen und sie meinten es spukt, im Obergeschoss, da lebten früher seltsame Leute.“ „Wir glauben nicht an Geister, stimmt es Tinka“, wendete Arno sich seiner Tochter zu, die immer noch lachend den Kopf schüttelte. „Dann ist es ja gut, ich wollte es nur erwähnt haben.“ Der Alte atmete auf. Arno und Tinka verabschiedeten sich und machten sich auf den Heimweg. „Ein seltsamer Vogel“, meinte Arno, „aber wer weiß, wie ich mal werde, wenn ich so alt bin.“ Tinka gab ihm einen Kuss auf die Wange. „Du bleibst ein lieber Papi“, schmeichelte sie, „wenn wir das Haus nehmen, bekomme ich aber ein Mofa“, fragend sah sie ihn an. „Ich rede mit Mama und versuche mein Bestes“, versprach Arno ihr.

Am Abend fuhr Arno noch einmal mit Erika seiner Frau zu dem Haus und man wurde sich schnell einig. So ein großes Haus und so herrlich gelegen, mitten im Wald für einen solchen Preis bekam man nicht alle Tage angeboten. Sie schlossen den Kaufvertrag ab, der alte Herr mietete sich in einem Altenheim ein und dann begannen die Umbauarbeiten. Die alte Holzverschalung in der Diele wurde abgeschliffen und das darunter liegende helle Kiefernholz nur mit Klarlack versiegelt. Auf den Steinboden kam warmes Laminat und die Wände eine freundliche Tapete. Unter der Decke wurden versteckte Lichtleisten angebracht, die alles in weiches Licht tauchten, kurzum, nach kurzer Zeit erkannte man das alte Haus nicht wieder. Die kleinen Sprossenfenster wurden durch große getauscht, das Haus von außen gestrichen und neu eingedeckt. Das herrliche alte Geländer ließ man, aber auch das wurde abgeschliffen und gestrichen, Die Aufgänge zu den höher gelegenen Zimmern wurden verbreitert und mit Teppich belegt, alles wirkte nun hell, anheimelnd und großzügig. Als Tinka das erste Mal zum Einzug wieder herkam konnte sie ihr Erstaunen kaum verbergen. Zeigen wollte sie es aber auch nicht, das wäre nicht cool. So quetschte sie ein: “Ganz nett geworden das Ganze“ heraus. Was Arno, der seine Tochter genau kannte und wusste was in ihr vorging grinsen ließ.

Es war eine große Veränderung, für die ganze Familie. Hatte man bisher in der Stadt gewohnt, musste man sich nun total umstellen. In der ersten Nacht schliefen alle schlecht, nachdem die Arbeiter Feierabend gemacht hatten herrschte eine völlig ungewohnte Stille. Nur die Geräusche des Waldes hörte man, nachdem Tinka die Stereo Anlage ausgestellt hatte und auch der Fernseher schwieg. Langsam allerdings gewöhnte man sich ein. Auch wenn es beschwerlich war, zum Einkaufen musste man lange Anfahrwege bewältigen, so war man doch stolz auf das neue Heim, das von allen Besuchern ehrlich bewundert wurde.

Tinka war die erste, der plötzlich einige Merkwürdigkeiten auffielen. Wenn sie zum Beispiel ein Buch las, in dem Erotik vorkam, glitt es ihr aus der Hand, oder sie fand es an Orten wieder an die sie es ganz sicher nicht gelegt hatte, fast als verstecke es jemand. Tinka fragte Erika danach, aber die lachte nur. „So jung und schon so vergesslich“, meinte sie dazu. War die Stereo Anlage mal wieder voll aufgedreht und Tinka dröhnte sich zu, wurde sie plötzlich leise, als habe jemand den Regler betätigt. In immer kürzeren Abständen tauchte das Phänomen auf. Ganz schlimm wurde es, als Tinka Tim, ihren Freund mitbrachte. Saßen sie zusammen auf dem Sofa, passierte es schon mal, das sich ein Glas Cola auf seine Hose ergoss, legte er den Arm um Tinka um sie an sich zu ziehen, erhielt er leichte Knüffe. Versuchte er gar sie zu küssen kniff ihn jemand. So saß Tim nach einiger Zeit brav Abstand haltend, was Tinka überhaupt nicht gefiel. „Was ist los, habe ich die Pest“, wollte sie verärgert wissen? Tim druckste herum, als alles nicht mehr half, berichtet er Tinka von seinem Empfinden. „Das glaubst du doch wohl selbst nicht“, brauste sie auf. Wortlos hob Tim sein Shirt und zeigte die zahlreichen Verfärbungen die seine Rippen zierten. Tinka schaute erschrocken, dann nahm sie Tims Arm und zog ihn zu ihren Eltern. Sein Sträuben nicht beachtend zog sie dort sein Shirt hoch und zeigte seine Blessuren. „Seht euch das an, es kann nicht anders sein, der alte Mann hatte Recht, hier spukt es.“ Arno und Erika sahen sich an und grinsten. „Da gibt es nichts zu lachen“, brauste Tinka auf, ich merke es schon lange, Bücher verschwinden, meine Stereo Anlage setzt aus und nun das. Morgen gehe ich den alten Mann besuchen und frage ihn. Tim verabschiedete sich ziemlich früh, man merkte ihm an, dass er sich nicht wohl fühlte in seiner Haut. Geister pöh, Geister gab es nicht, aber woher kamen die blauen Flecke dann?

Wütend saß Tinka in ihrem Zimmer. „Wo steckst du, du blöder verklemmter Geist? Glaub nur nicht dass du hier das Sagen hast, ich werde dich vertreiben.“ Pfui, was stank denn da auf einmal so? Schnüffelnd ging Tinka durch den Raum. Der Geruch konzentrierte sich hinten in der Ecke. Das stank ja als wenn jemand dort sein Geschäft erledigt hätte. Empört holte Tinka ihre Mutter. „Rieche mal“, forderte sie diese auf. Erika wollte lachend protestieren, doch dann drang der Gestank in ihre Nase. Sie zog Tinka aus dem Zimmer. „Hier kannst du auf keinen Fall schlafen“, meinte sie, ich richte dir das Gästezimmer für die Nacht.

Am anderen Morgen nach dem Frühstück machte Tinka sich auf den Weg. Was konnte sie einem älteren Herrn wohl mitbringen. Ihr erstes Treffen hatte ihn sicher nicht sehr für sie eingenommen und schließlich wollte sie ja heute etwas von ihm. Tinka entschied sich für etwas Gebäck. Als sie das Altenheim betreten hatte war ihr schon ein wenig mulmig zu Mute. Beklommen klopfte sie an der Zimmertüre, die ihr die freundliche Schwester genannt hatte. „Herein“, ertönte es leise von innen. Tinka atmete einmal tief durch und betrat dann das Zimmer. „Guten Tag, erkennen sie mich noch“, wollte sie wissen? Erstaunt betrachtete sie der alte Herr, den Tinka selbst fast nicht wieder erkannt hätte. Beim letzten Mal hatte er war er nachlässig gekleidet gewesen, nun saß er adrett in einem Sessel und las in einer Zeitung, die er nun zusammen faltete. „Das ist aber eine Überraschung, das kleine Fräulein, das in das Waldhaus gezogen ist, wenn auch nicht ganz freiwillig“, schmunzelte er. Tinka merkte wie sie rot wurde. „Sie haben damals so etwas angedeutet.“ Tinka blickte den alten Mann erwartungsvoll an. Der schaute ihr ruhig in die Augen. Tinka schämte sich und schlug die Augen nieder. „Das es dort spukt meinst du? Davon wolltest du doch nichts wissen.“ „Hören sie, es fällt mir schwer genug das zu akzeptieren, können sie mit etwas darüber berichten“, wollte Tinka nun ungewöhnlich ernst wissen? „Wer ist es, wen drangsaliert sie, deinen Vater stimmts?“ Tinka schüttelte den Kopf. „Mich und vor allem meinen Freund, sie kneift ihn.“ „Alle Achtung, dann muss er sie sehr ärgern.“ „Sie? Von wem reden sie, was wissen sie? Bitte sagen sie es mir, ich habe Angst verrückt zu werden.“ Der alte Mann besann sich eine Weile, dann berichtete er: „Sie heißt Maria. Man nannte sie die heilige Maria. Sie stammt aus einer sehr christlichen Familie, eine ihrer Schwestern war eine Nonne. Als junge Frau verliebte sie sich in Anton, einen richtigen Hallodri. Seine Frauengeschichten waren legendär. Es war tragisch. Sie verfolgte ihn förmlich und weil sie sehr hübsch war mochte auch Anton sie sehr. Aber heiraten? Nein das war nichts für ihn, er flüchtete in die Fremdenlegion.“ Aufgeregt hatte Tinka zugehört, das war ja spannend. „Und deshalb hasst sie nun Männer? Hat sie sich umgebracht?“ Der Alte betrachtete schmunzelnd das aufgeregte junge Mädchen, das da mit geröteten Wangen vor ihm saß. „Nein, sie hat sich nicht umgebracht, sie hat geheiratet und einen Sohn bekommen, als die Luft rein war kam Anton wieder. Dann starb Marias Mann und sie war wieder frei. Anton der nun wusste wie schlimm es in der Fremdenlegion ist wählte das wie ihm schien kleinere Übel, er ehelichte Maria nun doch. Sie bekamen fünf Kinder miteinander.“ „Also ein Happy End“, freute sich Tinka. „Weshalb ist sie denn dann immer noch böse auf Männer?“ „Weil die beiden wie Feuer und Wasser waren. Maria drangsalierte ihre Familie mit ihrer Frömmigkeit und Anton machte was er wollte, er hatte Verhältnisse, bekam uneheliche Kinder und als er wegen Steinstaub in Frührente war wilderte er den ganzen Tag.“ Tinka schaute nachdenklich. „Es muss furchtbar für sie gewesen sein“, sagte sie schließlich. Der Alte nickte. „Es gibt da ein altes Sprichwort weißt du, es heißt: „Es gibt kein größer Leid, als was der Mensch sich selbst andeiht.“ Tinka nickte. Dann straffte sie sich. „Trotzdem, so geht es nicht weiter, was kann ich machen, können sie mir raten?“ „Es gibt Verwandte“, sagte er schließlich. „Ihre Enkelin wohnt hier in Werden, versuch sie zu finden. Vielleicht kann sie dir helfen, sie kennt sie besser als ich.“ Der alte Mann nannte Tinka den Namen und sie verabschiedete sich herzlich von ihm, nicht ohne ihm das Versprechen gegeben zu haben ihn wieder einmal zu besuchen und ihm zu berichten, wie die Sache ausgegangen war.

Es schellte, ausgerechnet. Gerade waren wir wieder in meine Heimatstadt gezogen, wo es mich immer wieder hinzog. Der Umzug war bewältigt und eigentlich hatte ich mich in einen der bequemen Sessel sinken lassen wollen und mein neues Heim in Ruhe genießen. Seufzend ging ich zur Türe, wer das wohl war? Erstaunt betrachtete ich das mir völlig fremde Mädchen. „Sind sie eine geborene Winter“, wollte sie von mir wissen? Erstaunt nickte ich. „Ich habe ihre Adresse vom Einwohner Meldeamt, ich muss sie dringend sprechen, in einer…………ja doch, man könnte sagen in einer Familien Angelegenheit.“ „Bitte kommen sie doch rein“, bat ich. „Darf ich ihnen etwas anbieten, einen Kaffee vielleicht“, erkundigte ich mich. „Das wäre sehr nett, ich weiß gar nicht wie ich anfangen soll, sicher halten sie mich für komplett durchgeknallt“, merkte das fremde Mädchen nun an. „Bitte erzählen sie einfach was geschehen ist“, bat ich sie und setzte mich zu ihr. Sie berichtete mir nun die ganze schier unglaubliche Geschichte. Oma Maria, lange hatte ich schon nicht mehr an sie gedacht und nun war sie plötzlich wieder da. Ängstlich betrachtete Tinka mich. „Bitte verzeihen sie, sie haben Recht, das ist meine Oma wie sie leibte und lebte und sie glauben ich kann ihnen helfen?“ „Sie kennen sie, vielleicht hört sie auf sie.“ Nun musste ich doch lachen. „Meine Oma? Die hörte nie auf jemanden und auf einen Evangelischen schon gar nicht, aber ich werde es trotzdem versuchen, wenn sie mögen.“ „Oh ja bitte machen sie das“, bat Tinka und so zog ich Mantel und Schuhe an, klemmte ich mir mein Witch Board unter den Arm und hakte mich bei Tinka ein. „Auf in den Kampf“, meinte ich optimistisch. „Was haben sie denn da unterm Arm“, wollte Tinka wissen. „Das ist ein Hexenbrett“, klärte ich sie auf, ich habe es bisher noch nicht benutzt, vielleicht hilft es uns. So gerüstet machten wir uns auf den Weg.

Erstaunt betrachtete ich das alte Haus, es war nicht wieder zu erkennen. Tinka stellte mich ihren Eltern vor und wir setzten uns in die Küche. Mein Hexenbrett packte ich aus und legte es vor uns auf den Tisch. Plötzlich begann ein mörderisches Geschepper. Wir fuhren alle zusammen. „Das ist der alte Ofen staunte ich, er stand genau in dieser Ecke neben der Türe, aus der das Gerappel nun kommt. Scheinbar lebt Oma in einer Ebene in dem alten Haus, wie es damals war. Es war ein alter Ofen mit mehreren Eisenringen, mit denen man das Ofenloch je nach Bedarf verkleinern, oder vergrößern konnte. Lassen sie mich raten, der Gestank, den sie bemerkten, das da rechts ist ihr Zimmer auf der höheren Ebene stimmt es und der Gestank kam aus der rechten Ecke, nicht wahr? Tinka und ihre Eltern staunten. „Das stimmt genau, woher wissen sie das?“ „Dort war das Schlafzimmer meiner Großeltern und in der besagten Ecke befand sich ein Plumpsklo.“ Tinka und ihre Eltern schauderten. „Oma was willst du von den Leuten“, begann ich zu fragen und hielt den Zeiger des Hexenbrettes locker in meiner Hand. K E I N E M O R A L las ich. „Aber Oma, du bist nicht da um die Leute zu erziehen, das hat schon bei uns nicht geklappt, du bist tot und gehörst in die Ewigkeit.“ Gespannt warteten wir auf Antwort. H I E R B I N I C H U N D H I E R B L E I B E I C H lasen wir. “Aber Oma, du bist doch so fromm und nun hat der Herr dich gerufen und du folgst nicht, das ist nicht christlich“, sprach ich zu ihr. W O I S T T H E O? Las ich nun. Theo war mein Vater. „Er ist schon einige Jahre tot und wartet auch in der Ewigkeit auf dich“, klärte ich sie auf. „Aber das kannst du ja auch nicht wissen, wenn du dich hier vergräbst, es sind viele die dort auf dich warten“, sagte ich zu ihr. Eine Weile tat sich nichts. Hatte ich sie beleidigt? Hatte sie sich nun zurückgezogen und antwortete nicht mehr? Plötzlich ruckte der Stein in meiner Hand wieder. L I E B S T D U M I C H, las ich nun. Ach je, was sollte ich sagen? „Oma ich wollte dich lieben, aber du hast mir nie einen Chance gegeben dir näher zu kommen. Aber du bist meine Oma und ich achte dich als solche und ich bitte dich noch einmal, mach den Menschen hier das Leben nicht schwer, füge dich in dein Schicksal und geh hinüber, auch Anton wartet dort auf dich, vielleicht werdet ihr dort glücklich, aber du musst es versuchen. Plötzlich wurde meine Hand eiskalt, ich erschrak, sie hatte mich angefasst, was geschah nun. Ein heller Wasserfleck schimmerte auf meiner Hand. Was war das? Eine Träne, weinen Geister? Wir hörten so etwas wie ein Seufzen und dann war Ruhe und ich ging heim.

Einige Tage später schellte es erneut bei mir. Vor der Türe stand Tinka mit einem netten jungen Mann und einem großen Blumenstrauß. „Danke“, sagte sie. „Nun ist Ruhe, Maria hat sich nicht mehr gemeldet. Ich hoffe sie hat nun ihre Ruhe gefunden.
©By Gitte
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12 Kommentare
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Herbert Lödorf aus Gelsenkirchen | 19.08.2016 | 08:42  
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Luzie Schröter aus Fröndenberg/Ruhr | 19.08.2016 | 10:06  
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Renate Smirnow-Klaskala aus Essen-Nord | 19.08.2016 | 10:38  
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Gitte Hedderich aus Herten | 19.08.2016 | 13:45  
18.757
Gudrun Wirbitzky aus Bochum | 19.08.2016 | 14:56  
4.951
Gitte Hedderich aus Herten | 19.08.2016 | 16:23  
2.393
Renate Smirnow-Klaskala aus Essen-Nord | 20.08.2016 | 18:39  
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Gitte Hedderich aus Herten | 20.08.2016 | 19:03  
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Renate Smirnow-Klaskala aus Essen-Nord | 20.08.2016 | 19:51  
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Gitte Hedderich aus Herten | 21.08.2016 | 08:06  
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Renate Smirnow-Klaskala aus Essen-Nord | 21.08.2016 | 10:14  
4.951
Gitte Hedderich aus Herten | 21.08.2016 | 14:41  
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