Dumm gelaufen

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Dumm gelaufen!
Mittwochs werden alle drei Wochen in unserem Krankenhaus die Medikamente ausgegeben, ich arbeite als Stationshilfe einmal in der Woche einige Stunden dort und was mir da passiert ist, ist fast nicht zu glauben. Der Tag hatte es in sich. Am Morgen hatte ich einen Massage Termin und ich traf noch beim Hinausgehen unsere nette Praktikantin Denise. Morgen fahre ich mit einer Freundin nach Kettwig, erzählte ich ihr, bitte wünsche mir schönes Wetter. „Du hast es gut“, meinte sie und wir verabschiedeten uns, denn ich hatte noch jede Menge Termine. Am Nachmittag ab 13.00 Uhr fand nun die Medikamentenausgabe statt. Schnell nach Hause befahl ich mir danach und flitzte zum Aufzug. Auf dem Weg zum Ausgang passierte es dann. Auf dem glatten Linoleum glitt ich aus, ich konnte mich zwar gerade noch fangen, aber ich war umgeknickt und mein Knöchel schmerzte höllisch. „Was machst du nur“, fragte Leni, meine Kollegin die ich gerade getroffen hatte und die nun in vernünftigem Tempo hinter mir hergekommen war. „Das sollten wir Röntgen lassen“, entschied sie. „Keine Zeit“, ächzte ich und wollte nach Hause humpeln, als ich jedoch den verletzten Fuß aufsetzen wollte entfuhr mir ein Schmerzensschrei. „Siehst du“, sagte Leni, packte meinen Arm und zog mich ohne auf meine Protest Einwürfe zu beachten Richtung Röntgenraum. Dort drückte sie mich energisch auf einen Stuhl und bat darum, dass man sich meinen Fuß genauer ansah.

„Kommen sie nur“, bat man mich „wir beißen nicht.“ „Viel Glück“, wünschte Leni verabschiedend und ließ mich allein. „Es geht mir schon viel besser“, flunkerte ich. „Na dann laufen sie doch mal zur Liege“, grinste man mich an, ich biss die Zähne zusammen, aber es schmerzte gemein und der Schweiß brach mir aus. „Na schön“, erbarmte man sich meiner und stützte mich, was ich dankbar annahm. Bei der Liege angekommen hechtete ich Jugendlich hinauf, leider mit zu viel Schwung, denn ich rutschte auf dem glatten Leder ab und sauste auf der anderen Seite wieder hinunter. Die Damen der Röntgen Abteilung verfolgten meinen Stunt mit staunenden Gesichtern, danach brachen sie in schallendes Gelächter aus, trotz der Weh laute die sich meinem Munde entrangen, nun hatte es das andere Bein auch noch erwischt. Sich das Lachen verkneifend halfen mir sie mir glucksend wieder auf die Liege.
Nach dem Röntgen stand fest, gebrochen war nichts, eine üble Stauchung mit einer Bänderdehnung, nicht gefährlich, aber sehr schmerzhaft. Man verpasste mir für die Bänderdehnung einen leichten Gipsverband und für die Stauchung einen Stützverband. „Einen Tag müssen sie hier bleiben, zur Beobachtung“, bekam ich mitgeteilt. Ein Seufzer entrang sich meinem Mund, nichts mit Kettwig. „Auf welche Station komme ich“, wollte ich wissen? „Rat einmal“, tönte es lustig von der Türe her. Dort stand Denise mit einem Rollstuhl und klopfte auffordernd auf dessen Sitz. Ach je, auch das noch. Aber was sollte ich machen, Stöhnend quälte ich mich in den Stuhl und rasant beförderte Denise mich in den Aufzug. „Nicht so schnell“, bat ich. „Für Heute ist mir genug geschehen.“ Denise lachte nur und kaum hielt der Aufzug, sauste sie in einem Affentempo los. „Hach das ich das erleben darf, du hier als Patientin“, tönte sie und flitzte begeistert um die Ecke.

„Nein“, konnte ich gerade noch schreien, als ich einen großen schwarzen Gegenstand auf mich zurasen sah, Dann kollidierte ich damit und war ausgeknockt. Als ich zu mir kam, lag ich auf einem Bett und Denise stand daneben, während Peter, unser stellvertretender Stationsleiter mich verarztete. „Man sollte sich nicht mit Putzwagen anlegen“, meinte er, „die sind größer und stärker als du.“ Denise kicherte schon wieder, was ihr einen bösen Blick von mir einbrachte. Mein Schädel brummte und missmutig blickte ich auf Peters Wohl gerundetes Bäuchlein. „Bei dir wäre es glimpflicher abgegangen“, moserte ich. „Nur kein Neid“, erwiderte er lachend. „So, ich hab dir einen Druckverband gelegt, und nun ab zum Röntgen.“ „Oh nein, bitte nicht, die lachen sich doch scheckig“, versuchte ich meinem Schicksal zu entgehen. „Keine Widerrede.“ Er ließ sich nicht erweichen. „Ich fahre dich auch“, versuchte Denise mich aufzumuntern. „Soll mich das beruhigen“, fragte ich verzweifelt. Sie hob drei Finger, „Ich fahre so was von vorsichtig, du wirst denken du gleitest“, versprach sie mir. Die Reaktion, als ich das zweite Mal an diesem Tag in der Röntgen Abteilung erschien, spare ich mir. Scheinbar war es nur eine leichte Platzwunde, ich war noch einmal gut davon gekommen. Im Schneckentempo fuhr Denise mich auf die Station zurück. „Ich habe solchen Durst“, stöhnte ich und Denise von ihrem schlechten Gewissen geplagt, flitzte los um mir Wasser und Glas zu besorgen.

Geduld ist nicht so mein Ding und so hebelte ich mich schon einmal ins Bett. Im Sitzen versuchte ich den Rollstuhl zusammen zu klappen und als ich es endlich geschafft hatte schnappte er so schnell ein, das ich meine Finger nicht schnell genug zurückziehen konnte. Gerade als ich mein Weh geheul losließ kam unglücklicher Weise Denise zurück. Schnell klemmte ich die verletzten Finger hinter den Rücken. „Was ist los“, wollte sie wissen. „Ach nichts, die Aufregung war wohl ein bisschen viel“, stöhnte ich. „Komm ich helfe dir dich hinzulegen“, bot Denise an und fasste zu. Leider erwischte sie meinen lädierten Finger was mich erneut losheulen ließ. Erschrocken ließ sie los. „Was war jetzt das“, fragte sie verwundert? Meine Bettnachbarin, die bis dahin geschwiegen hatte erzählte ihr die Geschichte und Denise holte Peter. Er musste sich umdrehen, so schüttelte ihn das unterdrückte Lachen. „Ab zum Röntgen“, befahl er, „den Weg kennt ihr ja.“ Dann verließ er das Zimmer unter brüllendem Gelächter. „Leg mir ein Tuch über den Kopf, das überstehe ich nicht“, bat ich Denise. „Da musst du jetzt durch, Kopf hoch“, erklärte sie ohne Mitleid. In der Röntgenabteilung hob ich zaghaft den Kopf. Ein wieherndes Lachen folgte. „Mal sehen“, sagte die Assistentin, beide Beine haben wir, den Kopf auch und nun die Finger, viel bleibt nicht mehr. Auf dem Rückweg zur Station traf mich so mancher mitleidige Blick. Einen Gips am Fuß, am anderen ein Verband, einer um den Kopf und einer um den Finger, bald war ich bewegungslos.

Im Zimmer wartete mein lieber Mann. Entsetzt betrachtete er mich. Dass man im Krankenhaus noch kränker wird habe ich ja schon gehört, aber was ist denn mit dir geschehen? Man rief mich an, du wärst ausgerutscht und hättest deinen Fuß verstaucht. Völlig erschöpft ließ ich mir ins Bett helfen und atmete erleichtert auf. „Warte ich fahre deinen Kopfteil hoch, dann hast du es bequemer“, bot Denise an. „Bleib wo du bist“, bat ich sie. Zu spät, sie hatte den Hebel gezogen und leider lag ich in einem jener Betten, die nicht nach oben fuhren, sondern schlagartig hinabsausten. Alle hielten die Luft an. „Ist dir etwas passiert“, fragte Denise ängstlich?

Da riss es mich fort, ich lachte und lachte und konnte nicht mehr aufhören und alle im Zimmer lachten mit. Plötzlich knackte es in meinem Nacken und mir kamen die Tränen. „Bitte“, flüsterte ich und versuchte mich nicht zu bewegen, „ich habe mir was ausgerenkt, ich kann mich nicht mehr bewegen und ich fahre nicht zum Röntgen, ich kralle mich hier im Bett fest.“ Peter, den man holte ließ sich erweichen und beorderte einen Orthopäden an mein Lager, der mich erst einrenkte und mir dann eine Kopfstütze anlegte, ich bot einen Anblick des Grauens.
Was lehrt uns diese Geschichte? Eile mit Weile, Ungeduld tut niemals gut. Wie gut das es sich um reine Fantasie handelt

©By Gitte
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16 Kommentare
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Bruni Rentzing aus Düsseldorf | 20.01.2017 | 07:42  
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Bruni Rentzing aus Düsseldorf | 20.01.2017 | 07:43  
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Herbert Lödorf aus Gelsenkirchen | 20.01.2017 | 08:41  
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Bernfried Obst aus Herne | 20.01.2017 | 09:43  
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Lutz Heinemann aus Recklinghausen | 20.01.2017 | 09:57  
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Gudrun Wirbitzky aus Bochum | 20.01.2017 | 10:12  
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Gitte Hedderich aus Herten | 20.01.2017 | 17:02  
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Luzie Schröter aus Fröndenberg/Ruhr | 20.01.2017 | 17:44  
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Gitte Hedderich aus Herten | 20.01.2017 | 20:02  
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Renate Smirnow-Klaskala aus Essen-Nord | 21.01.2017 | 18:14  
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Gitte Hedderich aus Herten | 21.01.2017 | 19:03  
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Melanie Busche aus Menden (Sauerland) | 23.01.2017 | 07:34  
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Gitte Hedderich aus Herten | 23.01.2017 | 16:31  
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Melanie Busche aus Menden (Sauerland) | 25.01.2017 | 17:41  
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Gitte Hedderich aus Herten | 25.01.2017 | 20:05  
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Melanie Busche aus Menden (Sauerland) | 26.01.2017 | 06:55  
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