Ein Vampir hat auch so seine Probleme!

Anzeige
Ein Vampir hat auch so seine Probleme!
Uaaaaaahhhhhhhhhhhh hab ich gut geschlafen. Emilio von Streunhausen reckte seine starren Glieder, so gut es der Sarg zuließ. Zugleich traf ihn ein bestialischer Geruch. Oh Mann, es roch wie in einem Pumakäfig. Er musste wohl sehr lange geschlafen haben. Irgendetwas hatte ihn aufgeweckt. Er lag still und lauschte. Dieses Geräusch kannte er nicht. Swutsch, Swum, was war denn das? Zudem erschütterte eine stete Vibration seinen Sarg. Einige Male klapperte er mit seinen Liedern, alles wie eingerostet. Neugierig erhob er sich und schaufelte die Erde beiseite. Viel Arbeit machte das nicht, er war seinerzeit 1813 so müde gewesen das er sich im Keller seiner Hütte einfach hineingelegt hatte ohne sich um ein richtiges Versteck zu bemühen. Langsam merkte er seine 512 Jahre die er auf dem Buckel hatte.

Gähnend verließ er seine Schlafstätte und reckte sich. Über ihm schimmerten die Sterne. Swum sauste etwas an ihm vorbei und der Fahrtwind riss ihn fast um. Seine Augen wurden groß und rund, was war denn das? Ein Tornado? Hier? Ängstlich bückte er sich und nahm Embryostellung an. Langsam zog er sich an einer sehr langen Stange hoch hinter der diese Monster vorbei flogen. Staunend betrachtete er die glänzenden Dinger die auf dem steinernen Weg dahin sausten. Seine Augen begannen zu glänzen. Eiserne Pferde? Das musste ein tolles Zeitalter sein in dem er aufgewacht war. Emilio klopfte seinen Frack und seinen Umhang aus, machte einige Kniebeugen und nahm die Startposition ein. Mal sehen wohin diese Monster flogen. Als das nächste Auto vorbei zischte gab Emilio Gas und rauschte hinterher. Kurz gelang es ihm hineinzusehen und er erblickte ein blasses Gesicht, dann schoss das Gefährt davon und ließ eine stinkende Wolke zurück die ihn einhüllte. Emilio keuchte und hustete. Das war unfair, niemals hätte er so unfein einen Kollegen abgehangen indem er seine Winde losließ.

Verwirrt flog Emilio zu seiner Schlafstätte zurück, das schien eine seltsame Zeit zu sein. Plötzlich hielt er inne, laut und vernehmbar knurrte sein Magen. Richtig, er hatte lange nichts gegessen. Aber so sehr er sich auch umsah, weit und breit keine Menschenseele. Resigniert setzte er sich auf dem Rand seines Schlafplatzes. Er zuckte schmerzhaft zusammen, schon wieder so ein Geräusch Tatüüüüüüüüüü, Tataaaaaaaaaaa und es wurde immer lauter. Erschrocken ergriff der verängstigte Emilio die Flucht. Er rannte und rannte ohne sich umzusehen. Erst nach einer Weile funktionierte sein Gehirn wieder soweit, das er sich erinnerte auch fliegen zu können. Tat das gut nach dem langen Liegen. Emilio genoss es durch die Lüfte zu segeln. Er drehte einige Pirouetten in der Luft vor lauter Übermut. Vielleicht war diese Zeit doch nicht so schlimm wenn er sich erst einmal eingewöhnt hatte?

Ahhhhhhhhh endlich, ein Haus. Auch dort klang Lärm heraus. Laute Musik schallte in die Luft. Was für grässliches Gedudel, kein leises Spinett, sondern wildes Getöse. Was erblickte er denn da? Entzücken ergriff ihn. Ein Mensch, ein wirklicher lebender, atmender Mensch. Wie köstlich er duftete. Blut war ein herrliches Gesöff. Aber da war noch etwas anderes, ein Aroma das er nicht kannte. Das Menschlein lief ein wenig eigenartig, er schaukelte hin und her, vielleicht ein Seemann? Egal, Emilio hatte grausamen Hunger und so stieß er aus der Luft hinab wie ein Habicht und biss zu. Er hatte Übung, keinen Laut gab seine Mahlzeit von sich, während er ihn mit glasigen Augen anblickte. Schon? Der gab aber schnell auf. Köstlich sprudelte das Blut in Emilios Körper und noch etwas das er in diesem Maße nicht kannte. Er fühlte sich gut, sehr gut sogar, ausgezeichnet, so gut das er zu kichern begann. Hicks, ein Schluckauf? Er hatte keinen Schluckauf mehr gehabt seit er sein Menschliches Dasein aufgegeben hatte. Oh weh, in seinem Kopf drehte sich alles. Das Haus verschwamm, es dehnte und verdoppelte sich. Sicher war der Mensch krank gewesen und Emilio hatte sich den Magen verdorben. Das waren seine letzten Gedanken ehe er einschlief. Sein lautes Schnarchen lockte die Feiernden aus dem Haus herbei.

Meine Freundin Julia war zu Besuch, wie ich mich freute, wenn das kein Grund zum Feiern war. Wir ließen den Oldie Sender laufen und tanzten zur Musik der 60er Jahre. Als ich die Fenster schließen wollte, bemerkte ich unseren Nachbarn, man hatte der einen geladen. Betrunken torkelte er umher. Na ja es war nicht das erste Mal. Eine Weile später hatten sich die Räume wieder aufgeheizt und ich öffnete das Fenster erneut. Dieses Mal drangen laute Schnarch Geräusche an mein Ohr. „Komm einmal her“, bat ich Julia grinsend. Kichernd hörten wir das Sägegeräusch. „Komm wir verstecken seine Schuhe“, schlug Julia vor. Wir schlichen hinaus und standen ratlos vor einer gar seltsamen Person. Julia prustete los. „Der hat einen Kostüm Verleih geplündert, schau dir das an. „Vielleicht fehlt ihm etwas“, gab ich zu bedenken. „Na sicher, ein Bier und ein Korn“, grinste Julia. „Wir können ihn aber nicht hilflos hier liegen lassen“, entschied ich. „Komm wir schaffen ihn ins Haus.“ Sachte schlug Ich ihm auf die Wangen. Mich schauderte, wie kalt und hart die waren. „Hallo sie, aufwachen.“ Benommen blinzelte er. Seltsame Augen die sich allerdings sofort wieder schlossen. Sicher der Lichteinfall dachte ich und gemeinsam schnappten wir ihn uns und hievten ihn ins Haus. Dort legten wir ihn im Gästezimmer auf das Sofa und er konnte seinen Rausch ausschlafen.

„Autsch“, Emilio fasste nach seinem Kopf. Nie hatte er solche Schmerzen darin gehabt. Und wo war er hier? Sein Instinkt sagte ihm das der Morgen nicht mehr fern war, also schnellstens zu seiner Ruhestätte ehe die Sonne aufging. Er verließ das Haus durch das Fenster und kehrte so schnell wie möglich zu seinem Sarg zurück, als er sich behaglich hinein gekuschelt hatte schloss er den Deckel und atmete auf, welch eine Nacht. Er hatte sich die Ruhe redlich verdient. Tief und fest schlief er nach dieser Aufregung und so merkte er nicht was derweil vor sich ging.

Die Polizei hatte derweil die Autobahn abgesucht, nach dem alarmierenden Anruf eines Autofahrers, der sich verfolgt fühlte. „Sicher hat der zu tief ins Glas geschaut“, war die Meinung des Beamten. Aber Dienst ist Dienst und so hatten sie mit Suchscheinwerfern die Autobahn abgesucht und waren schließlich auf den Sarg gestoßen. „Sachen gibt es“, staunte der Beamte und veranlasste, dass der Sarg auf dem dörflichen Friedhof bestattet wurde.

Kaum stand der Mond am Himmel, als Emilio erwachte. Gestern war es weniger Erde, die den Sarg bedeckt hatte, was war nur geschehen. Fast zwei Meter musste er sich hinaus arbeiten. Staunend blickte er sich um. Das war ein Friedhof. Ein wohliges Heimatgefühl durchfuhr ihn. Plötzlich vernahm er ein Seufzen. Auf einem der Grabsteine saß eine Frau. Sie hatte ihn nicht bemerkt und Emilio suchte nervös das Weite. Zuerst musste er sich in dieser sonderbaren Welt zurecht finden, ehe er sich eine Gefährtin nehmen konnte.

Er wickelte sich in seinen Umhang und war so gut wie unsichtbar, dann begab er sich auf die Suche nach der nächsten Mahlzeit. Er würde vorsichtiger sein müssen. Wieder reiste er durch die Lüfte und nach einer Weile entdeckte er etwas, dass er kannte. Das war zweifellos eine Schänke. Kurzentschlossen landete er und trat ein. Totenstille trat ein, dann begannen einige Leute zu winken und zu rufen, er möge sich zu ihnen gesellen. Wie gerne tat er das. Wegen seiner ungewöhnlichen Kleidung wurde er bestaunt und bewundert. Von Hand zu Hand ging eine Zigarette die eine seltsame Form hatte. Auch die Handhabung war ihm nicht geläufig, aber Emilio lernte schnell und als er an die Reihe kam nahm er einen langen Zug. Oh je und wieder wurde ihm so blümerant zu Mute. Eigentlich hatte er ja auf eine Mahlzeit gehofft, aber das erschien ihm zu heikel, so verabschiedete er sich unter Protest der Anwesenden ziemlich schnell und entschuldigte sich mit einem wichtigen Termin.

Ziellos durchstreifte er die Stadt und schaute in manches Fenster. Endlich hatte er gefunden was er gesucht hatte, eine Frau saß allein in einem Sessel am Fenster und las. Leise öffnete er das altmodische Schloss und drang in die Wohnung ein. Auf Zehenspitzen wollte er zu der Frau schleichen, so war der Plan. Leider erwies sich das als nicht so einfach. Unmengen Gerümpel lagen herum und mühsam musste er sich eine Weg bahnen. Er war ja nun nicht der Ordentlichste, aber so etwas hatte er in seinem wirklich langen Leben noch nicht gesehen. Endlich hatte er die Frau erreicht, sie hatte sich von den Geräuschen nicht stören lassen, Mäuse und Ratten raschelten auch ständig, das hörte sie schon nicht mehr. Als sich Emilio von hinten über ihren weißen Hals beugte...............Moment mal, weißer Hals? Nein, der starrte vor Dreck. Angeekelt zuckte er zurück. Igitt so etwas setzt man nicht mal einem Vampir vor. Schnell öffnete er das Fenster und vor der erstaunten Frau suchte er schleunigst das Weite.

Wieder eine Nacht ohne Nahrung, in dieser Zeit würde er noch verhungern. Frustriert begab es sich zu seinem Grab, wenigstens eine ordentliche Wohnung hatte er nun. Morgen würde er sich zu dem ersten Haus begeben das er in dieser Zeit aufgesucht hatte. Die mitleidige Seele die ihm ein Lager verschafft hatte wollte er heimsuchen. Vielleicht würde er sie zu einem Vampir machen und ihr das ewige Leben schenken. Mit diesem Vorsatz schlief er ein.

Julia und ich hatten uns sehr gewundert unseren volltrunkenen Gast am anderen Tag nicht mehr vorzufinden, aber vielleicht schämte er sich und hatte daher das Weite gesucht. Nun am Abend klopfte es am Fenster. Als ich nachsehen ging stand dort der seltsame Gast. „Ich wollte mich bedanken“, flüsterte er. Ich bat ihn herein. Wegen seiner seltsamen Aufmachung mussten wir uns das Lachen verbeißen. Höflich bat ich ihn Platz zu nehmen und bot ein Getränk an. Er ließ sich ein Glas Wein bringen und trank bedächtig zudem roch er ein wenig streng, was sicher an seiner Kleidung liegen mochte. Nach einer Weile merkte ich wie er mich beobachtete. „Stimmt etwas nicht“, fragte ich ihn. Vorsichtig fuhr sein Finger über meine Wange, dann betrachtete er ihn. Ein wenig Make up klebte daran. „Bist du eine von uns“, wollte er wissen. Verständnislos blickte ich ihn an. „Na weil du dich färbst“, flüsterte er aufgeregt. „Ach so, das ist nur Make up“, klärte ich ihn auf. Make up? Offensichtlich kannte das nicht, so holte ich den Tiegel und reichte ihn ihm. Verzückt öffnete er ihn und tippte hinein. Dann tupfte er es auf sein Gesicht. „So“, wollte er wissen und strahlte mich an. Scheinbar hatte er eine Gebissanomalie. Seine Eckzähne waren sehr lang und spitz, aber er freute sich. Ich verrieb das Make up und reichte ihm einen Spiegel. Den ignorierte er aber, dennoch war er völlig aus dem Häuschen. „Was für eine Zeit.“ „Sie dürfen es behalten, wenn es sie so freut“, schenkte ich es ihm. Dann verabschiedete er sich schnell und ging heim. „Komischer Kauz“, sagte ich zu meiner Freundin und eine Weile amüsierten wir uns, wer er wohl gewesen war.
©By Gitte
3
Diesen Mitgliedern gefällt das:
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
3 Kommentare
64.899
Angelika Maier aus Moers | 16.01.2016 | 09:42  
94.039
Peter Gerber aus Menden (Sauerland) | 16.01.2016 | 10:33  
4.991
Gitte Hedderich aus Herten | 16.01.2016 | 12:25  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.