Elfen Begegnung

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Elfen Begegnung!
Ihr glaubt nicht dass es Elfen gibt? Seht ihr, das ist das Problem, sie werden nicht völlig real, weil man nicht völlig an sie glaubt. Glaubt ihr denn mir? Denn ich habe sie gesehen und das war so:

Damals schrieb man das Jahr 1966 und ich, Gitte, war vierzehn Jahre alt, einige Jahre hatte ich bei meinen Großeltern gelebt, weil meine Eltern geschieden waren. Sie hatten zwar vor drei Jahren erneut geheiratet, aber meine Freunde wohnten in der Nähe meiner Großeltern und ich verbrachte weiterhin meine Freizeit mit Günther, Manfred und Marion. Heute nun war Marions Geburtstag, sie wurde fünfzehn Jahre alt. Deshalb durften wir auch noch in der Dämmerung hinaus, denn es war eine Schnitzeljagd geplant gewesen, irgendwie mussten wir uns ja von den Erwachsenen loseisen, jeder Jugendliche wird das verstehen.

Manfred hatte einen Vorsprung erhalten, um die Spur zu legen und wir folgten nun lachend und scherzend derselben hinauf über die Reste der alten Stadtmauer auf den Weinberg. Oben wartete Manfred auf uns und verteilte erst einmal Zigaretten, wie sich das für einen Teenager Geburtstag in den wilden 60gern gehörte. Herrlich, dieses Kribbeln etwas Verbotenes zu tun, dazu das Gefühl der Unbesiegbarkeit, gleichzeitig mit fürchterlichen Hemmungen, die in diesem Alter dazu gehören, wenn Jungen und Mädel aufeinander treffen. Zaghaft rückte Günther näher zu Marion und Manfred zu mir. Sieh mal einer an, die beiden hatten sich wohl abgesprochen? Gerade, als sein Mund sich dem Meinen bedrohlich näherte, rief ich erleichtert: „Sieh nur, ein Glühwürmchen.“ Manfred zuckte zusammen, aber auch Günther schaute äußerst irritiert und Marion gluckste. „Lass doch“, versuchte Manfred die Anfangssituation wieder herzustellen, aber das war sinnlos. „Was habt ihr nur? Diese Viecher sehen bei Licht aus wie ganz normale Käfer“, meinte er. Er fing eines und ließ uns in seine Hand schauen, tatsächlich, es sah nicht schön, oder geheimnisvoll aus. Marion und ich waren trotzdem entzückt von den leuchtenden Punkten, die nun vermehrt um uns herum schwirrten. Als ich meine Hand ausstreckte, flog eines darauf, ich zog es näher an mein Gesicht und sah………………ein kleines, winziges, entzückendes Elfchen. Als die anderen sich neugierig näherten flog es in Richtung meines Ohres und ich hörte ein zartes, kaum zu verstehendes Wispern: „Komm wieder, komm allein wieder.“ Weil ich meine Erregung verbergen wollte sah ich auf meine Uhr und erschrak, so spät war es schon? „Kinder es hilft nichts, ich muss heim, sonst bekomme ich Hausarrest und das war es dann. Kommt ihr mit“, fragend sah ich in die Runde. Günther und Manni sahen wohl ein, das Heute nichts mehr zu machen war und fügten sich murrend. Behutsam legte jeder der Gallane seinen Arm um die jeweils Auserwählte und wir gestatteten es lächelnd, so lange das dichte Buschwerk des Weinberges uns deckte. Danach befreiten wir uns von ihnen und gingen heim. Zuerst kamen wir bei meinen Großeltern vorbei. „Kommst du noch mit, ich muss dir was erzählen“, bat ich Marion. „Weiber“, die Jungs schüttelten die Köpfe und trollten sich. Nachdem Günther im Nachbarhaus verschwunden und Manni um die Ecke gebogen war zog ich Marion zurück. „Wo willst du hin“, fragte sie protestierend? „Das wirst du sehen, das musst du sehen, du würdest es sonst nicht glauben“, erwiderte ich atemlos vom schnellen Lauf. „Du spinnst, wir bekommen Ärger“, versuchte sie mich zu warnen. „Das ist es Wert“, verkündete ich ungerührt, außerdem hast du Geburtstag, das ist ein Ausnahme Zustand. Marion seufzte, aber sie fügte sich. Auf dem Weinberg angekommen sah sie sich um und zuckte die Schultern. „Und“, fragte sie, „wo ist deine Sensation?“ Gleichzeitig weiteten sich ihre Augen erstaunt. An ihren beiden Ohrläppchen hatte je eine Elfe Platz genommen und es funkelte wunderschön, da Marion so verblüfft staunte, nahm ich an das gerade das Gleiche bei mir geschah. Die Elfchen flogen wieder auf und bildeten neue Formationen, sie zeigten uns leuchtende Haarreifen, jede nahm in exaktem Abstand von dem anderen Platz und wir trugen funkelnde Diademe. Später besetzten sie unsere Kleider, die aussahen, wie mit Edelsteinen bestickt. Wir konnten kaum atmen vor Entzücken. Wieder streckte ich meine Hand aus und wieder nahm eines der Elfchen dort Platz. „Sieh nur“, sagte ich und zog sie näher an unsere Augen. Marion hatte es die Sprache verschlagen. Stumm und staunend betrachtete sie das winzige wunderschöne Wesen. Immer mehr kamen herbei, sie fassten sich an den Händen und tanzten und sangen und weil es so viele waren, konnten wir es auch verstehen. Sie sangen:

Das Elfenland, das Elfenland
das ist heute außer Rand und Band.
Denn nun ist es geschehen,
liebe Kinder können uns sehen.

Wir konnten gar nicht anders, wir fassten uns an den Händen und tanzten mit. Mittlerweile war es stockdunkel geworden und es half nichts, wir mussten heim. Traurig verabschiedeten wir uns, dankten ihnen, dass sie sich uns gezeigt hatten und versprachen alles zu versuchen am nächsten Tage wiederzukommen. Zu Hause erwartete uns zwar ein Donnerwetter, aber wie ich es geahnt hatte, Marion war mitgekommen und der Hinweis auf ihren Geburtstag bewirkte dass ich keine Strafe bekam.

Zum Glück waren Sommer Ferien und wir konnten uns gleich am nächsten Morgen treffen. Aufgeregt unterhielten wir uns über unser Abenteuer und waren uns schnell einig den Jungen davon nichts zu sagen. Nachdem sie sich zu uns gesellt hatten, aber ziemlich geistesabwesend und einsilbig waren verschwanden sie auch schnell wieder und wir konnten Pläne für den Abend schmieden. Wir verabredeten offiziell früh zu Bett zu gehen, mit dem Hinweis darauf, dass es am Vortage so spät geworden war. Dann würden wir warten, bis unsere Eltern und Großeltern zu Bett gegangen waren und uns dann davon schleichen. Wir hatten eigene Zimmer und es würde nicht auffallen. Das meinige war sogar eine Etage unter der Wohnung meiner Großeltern. Gegen 22.00Uhr wollten wir uns treffen.

Gesagt getan, pünktlich erschien Marion und wir machten uns auf den Weg. Keine zehn Pferde hätten uns ohne Grund auf den dämmerigen Weinberg gebracht, wenigstens nicht ohne die Begleitung der Jungen, aber die Aussicht diese herrlichen, lieblichen Geschöpfe wieder zusehen zog uns magisch vorwärts. Der Tanz war schon in vollem Gange, sie freuten sich wohl auch, denn sie bildeten einen leuchtenden Kreis um uns und tanzten Ringelrein. Wieder streckte ich meine Hand aus und wieder setzte sich eines der Wesen darauf. „Schade, dass du so klein bist, so etwas entzückendes würde ich gerne genau betrachten“, seufzte ich und siehe da, es wuchs. Reglos betrachteten wir die Elfe, die vor unseren Augen immer größer wurde, bis sie die Größe eines circa sechsjährigen Kindes erreicht hatte. Sie sah im wahrsten Sinne der Worte aus wie ein Wesen aus Milch und Honig. Eine wunderschöne Alabasterfarbene Haut und Haare von der Farbe klaren Honigs besaß sie. Das Kleid sah aus wie feinster Tüll und die Flügel wie aus Spinnweben gefertigt, aber schillernd wie ein Regenbogen. Lächelnd lies sie uns Zeit damit wir uns fassen konnten. Danach beschrieb sie mit ihrem Arm einmal einen Bogen und alle anderen Elfen wuchsen auch. Jede stellte sich an, um uns einmal in den Arm zu nehmen und einen Begrüßungskuss auf die Wange zu hauchen. Wir fühlten uns willkommen. Als wir wieder begannen uns im Rhythmus der gesummten Melodien zu wiegen, nahm die Elfenkönigin, die war es nämlich, die uns begrüßt hatte, ihren Flügel und schüttelte ihn gegen uns aus. Ein Regen kleiner regenbogenfarbener Partikel löste sich und setzte sich auf uns. Sogleich fühlten wir uns unglaublich leicht, unsere Kleider sahen genauso aus wie die der Elfen und auf unserem Rücken prangten auch diese herrlichen Flügel. Verzaubert, aber auch bestürzt betrachteten wir uns. Würden wir nun für immer Elfen bleiben müssen? So sehr es uns auch gefiel, die Erdenschwere abgelegt zu haben, eigentlich lebte ich gern und auch Marion schien ähnliche Gefühle zu hegen. Ireth, was soviel wie in unserer Sprache Marina heißt, hatte sie uns erläutert, schien zu sehen was wir dachten, denn sie beugte sich zu uns und flüsterte: „Keine Angst, es ist alles nur geliehen.“ Nun lachten wir und konnten uns erst jetzt in den Freudentaumel hinein fallen lassen und mit den anderen tanzen und lachen, fliegen und singen. Zuerst stellten wir uns ein wenig unbeholfen an, aber kurzerhand nahmen uns zwei Elfen in ihre Mitte und als wir erst einmal ein Gefühl für das Fliegen und Gleiten entwickelt hatten, machte es riesigen Spaß. Die Zeit flog nur so dahin und um Mitternacht hatten wir plötzlich unsere Gestalt und Kleidung wieder. Es zog uns fast zu Boden, denn wir hatten uns an diese herrliche Leichtigkeit schnell gewöhnt. Müde, aber glücklich liefen wir heim.

Selbstverständlich wiederholten wir unseren Ausflug am nächsten Tage. Wir waren förmlich süchtig nach den Elfen. Ihre Harmonie, ihre Leichtigkeit, ihr Friede, ihre Freude das alles wirkte auf uns Menschenkinder faszinierend. Heute wartete Ireth schon in der Kindergröße auf uns. Sie kam hinter einem Busch hervor uns fasste jede von uns bei der Hand. „Wo sind die anderen“, wollte ich wissen? „Wenn ihr mögt, zeige ich euch heute mein Reich“, antwortete sie. „Ob wir mögen? Was für eine Frage, natürlich möchten wir“, entgegnete ich begeistert und wunderte mich, warum Ireth traurig wirkte. Sicher hatte ich mir das nur eingebildet, denn schon lachte sie wieder. Sie führte uns zu einer Stelle, wo die Erde an der Seite etwa Mannshoch aufgeschüttet war, auf der Grasnarbe darüber ragte ein herrlicher Apfelbaum in die Höhe und hier unten nahm Ireth einen Diamanten und schnitt eine Türe in die Erde. Sie ließ sich problemlos öffnen und Ireth führte uns in das Innere. Hier begann der Diamant zu leuchten und sie steckte ihn auf einen Haarreifen, den sie aufsetzte. Aus der Tasche ihres Kleides holte sie zwei weitere, die sie ebenfalls mit Diamanten besteckte, die beleuchteten uns nun den Weg. Das Licht war nicht besonders hell, dennoch strahlte und gleißte es von Wänden und Decke, das wir blinzeln mussten. Erstaunt befühlte ich die Wand. Sie fühlte sich an wie Glas, aber konnte das so schimmern? Fragend blickte ich Ireth an. „Die besteht aus Diamanten, wir haben die Höhle mit Rohdiamanten ausgepolstert und sie angeschliffen, daher das Funkeln. Am Ende der Höhle mussten wir tatsächlich die Augen schließen, denn für einen solchen Glanz ist kein Menschenauge geschaffen. Ireth hatte indes vorgesorgt und reichte uns Sonnenbrillen. Mit denen konnten wir es ertragen, denn hier erhellten goldene Sterne die Decke, sie schimmerten und funkelten auf uns herab. „Das ist unsere Welt“, bemerkte Ireth schlicht und führte uns zu einer Tafel, auf der herrliche meist uns unbekannte Speisen standen. Eine kleine Gruppe von Elfen musizierte und zarte Weisen untermalten die wundervolle Atmosphäre. Ireth selbst reichte uns Speisen, von denen sie meinte, dass wir sie unbedingt probieren müssten. Die Namen habe ich nicht behalten, aber ich weiß dass ich solche Gaumenfreuden weder vorher noch nachher jemals wieder genossen habe. Marion ging es genauso, sie schloss bisweilen verzückt die Augen. Nachdem wir einen wundervollen Abend bei den Elfen verbracht haben, führte uns Ireth wieder an die Oberfläche. Zum Abschied nahm sie uns in die Arme und sprach: „Es war euch vergönnt uns kennen zu lernen, weil ihr an uns geglaubt habt, nun müsst ihr gehen und dürft nicht wiederkommen. Bitte seit nicht traurig, euch wurde zu Teil, was kaum ein Menschenkind erfahren darf. Zu weit dürfen wir uns nicht annähern, denn wir sind Halbwesen und ich habe gestern gesehen, dass ihr fürchtet zu werden wie wir und ihr hattet Recht damit. Lebt wohl und vergesst uns nicht ganz. Den Eingang dürft ihr nie wieder finden, darum nehmt das“ und mit diesen Worten blies sie uns ein Pulver ins Gesicht. Als ich sie ansah, bemerkte ich, dass sie weinte und auch uns liefen die Tränen über das Gesicht. „Liebe Ireth, vergiss uns nicht“, schluchzte Marion. „Ganz sicher nicht“, antwortete sie. Dann trat sie in die Höhle zurück und unsichtbar schloss sich diese. Wir konnten es nicht fassen und tasteten die Wand ab, aber wir fanden nichts. „Morgen, bei Tageslicht versuchen wir es erneut“, tröstete mich Marion, aber es blieb uns nur ein weißt du noch? Halt, nein das stimmt so nicht, am anderen Tage entdeckten wir in der Tasche unseres Kleides einen Diamanten und der begleitete uns ein Leben lang und bewies uns, dass wir nicht geträumt hatten.
© By Gitte
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5 Kommentare
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Bruni Rentzing aus Düsseldorf | 21.04.2017 | 08:19  
28.498
Gudrun Wirbitzky aus Bochum | 21.04.2017 | 10:41  
3.266
Renate Smirnow-Klaskala aus Essen-Nord | 21.04.2017 | 13:49  
6.316
Gitte Hedderich aus Herten | 21.04.2017 | 17:30  
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Gudrun Wirbitzky aus Bochum | 22.04.2017 | 03:30  
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