Gelis Geheimnis

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Gelis Geheimnis!
Gelis Reborn Babys sind die Besten, wer sie je gesehen hat, kann das bestätigen. Sie ist die heimliche Königin der Szene, leider meidet sie das Rampenlicht…. und das hat seinen Grund.

Als ich letztens bei ihr war, hatte sie neue Frühchen. Die Babys sehen nicht nur aus wie Babys, oh nein, sie riechen auch so und fühlen sich total echt an, kein Wunder, wie ich nun erfahren habe. Geli hat nur mit Babys zu tun, daher schafft sie es wohl ihre herrlichen Kinder so natürlich entstehen zu lassen, sie ist Hebamme. Leider mag sie es gar nicht, wenn man ihre Babys anfasst und Verkaufen mag sie sie erst recht nicht. Leider sag ich nur, denn damit könnte sie durchaus reich werden.

Als sie bei meinem letzten Besuch mal den Raum verließ, um zur Toilette zu gehen, konnte ich einfach nicht widerstehen - magisch zog mich die kleine Carina an, Geli hat sie nach Ihrer Tochter genannt. Geli würde schimpfen, aber ich konnte nicht anders, vorsichtig nahm ich das süße Mäuschen auf den Arm und erstarrte vor Ehrfurcht, dass war keine Puppe, das war ein Baby.


„Nein“, schrie es plötzlich hinter mir, „setz sie sofort wieder hin!“
„Geli, was hast du denn?“, wollte ich wissen. „Reg dich doch nicht so auf, das ist wirklich ein Meisterwerk, ich dachte immer, wenn ich sie in den Arm nehme, verliert sich die Illusion, aber sie wird noch perfekter, sag mal, welche Körper verwendest Du?“
Geli stürzte zu mir und riss mir das Baby aus dem Arm. Ich schmunzelte, manchmal übertrieb sie ein wenig. Sie war total blass.

„Setz dich erst einmal“, sagte ich erschrocken zu ihr. „Was hast du denn nur?“
„Ach nichts“, wiegelte sie ab, „Ich bin nur so erschrocken, ich hatte Angst, du lässt sie fallen.“
„Sag mal, übertreibst du nun nicht ein wenig..“ wollte ich wissen. „Die Puppen sind zwar wunderschön, aber doch aus Vinyl – gut und schön, es können Kratzer entstehen, aber wenn man dich hört, könnte man glauben, sie könnten sich die Knochen brechen.“ Ich war die einzige, die lachte. Da ich warum auch immer ein schlechtes Gewissen verspürte, verabschiedete ich mich bald.

Die Geschichte ging mir im Kopf herum. Daher war ich zu Hause den ganzen Abend über außergewöhnlich schweigsam. Mein Vater betrachtete mich eine Weile. „Es ist zwar ganz nett, wenn du mich mal nicht tot quasselst, aber gänzlich ungewohnt. Was ist los, mein Mäuschen, nun mal raus mit der Sprache“.

„Du kannst den Kommissar wohl nie auf der Arbeit zurücklassen, was“? frotzelte ich ihn an. Da mir die Geschichte nach wie vor im Kopfe herum ging, erzählte ich sie ihm. Er rauchte seine Pfeife und betrachtete mich nachdenklich.
„Na, schon einen Verdacht, Herr Kommissar?“ fragte ich nach.
Er schüttelte seinen Kopf. „Leider nicht, aber ungewöhnlich hört sich die Geschichte schon an, sie reagiert ja völlig über“.

Da hatte er Recht, aber ich wiegelte ab, ich kam mir nicht gut dabei vor, über meine Freundin geredet zu haben. Ach was soll es, tröstete ich mich, sie benahm sich eben merkwürdig, warum sollte ich mit meinem Vater nicht darüber reden können.

Wir wollten früh zu Bett gehen, da klingelte es Sturm. Als ich öffnete, stand Christel, unsere Nachbarin vor der Türe. Sie war zerzaust und ihr Gesicht war vor Schmerz verzerrt.
„Helft mir, ich habe die Wehen“, stammelte sie.
„Um Gottes Willen, dass ist ja viel zu früh“, erschraken wir.
Vater nahm Christels Tasche. „Hilf Du Deiner Freundin“, sagte er zu mir, wir fahren sie schnell in die Klinik, wer weiß, ob der Krankenwagen schnell genug hier ist“.

Im Eiltempo ging es nun zum Krankenhaus. Wir brachten Christel in die Gynäkologie.
„Wer hat heute Dienst?“ erkundigte ich mich bei der Schwester.
„Geli Kramer“, erwiderte diese.
Na prima, bei Geli war Christel in den besten Händen. Vater und ich setzten uns in das Wartezimmer.
„In welchem Monat war Christel denn“, wollte Vater wissen.
„So weit ich weiß, Ende des fünften“, gab ich zur Antwort.
„Wenn das nur gut geht“, sagte er.
Wir versanken in Schweigen. Wir waren die einzigen Besucher im Warteraum und so dösten wir einige Zeit im Halbschlaf, aus dem wir hochfuhren, als sich die Türe öffnete.
„Sie möchten bitte ins Arztzimmer kommen“, benachrichtigte uns die Schwester.
Dort saß Geli vor einer Tasse dampfenden Kaffee.
„Möchtet ihr auch eine“, wollte sie wissen. „Ihr seht aus, als könntet ihr ebenfalls eine brauchen“. „Ja gerne“, nahmen wir ihr Angebot an, immerhin war es fast Mitternacht.
„Was ist mit Christel, ist alles gut gegangen?“
„Leider nein, der Fötus war nicht lebensfähig“, berichtete Geli.
„Oh nein, das ist ja furchtbar“, rief ich „Die arme Christel!“
„Vielleicht ist es besser so, denk mal, Christel ist allein stehend. So ein Frühchen hängt immer hinter her, es hat alle möglichen Krankheiten, vom Leistenbruch angefangen, über Sehschwäche und und und, wer weiß, was ihr so erspart geblieben ist.“
Entsetzt sahen mein Vater und ich Geli an.
„Das ist nicht dein Ernst“, sagte ich fassungslos. „Christel hat sich so auf das Kind gefreut, sie hat schon Sachen gekauft und Pläne geschmiedet.“
„Sie ist noch so jung und kann wieder Kinder bekommen, vielleicht hat sie dann sogar einen Vater dazu“.
Ich sah Geli an, als sähe ich sie zum ersten Male, war das noch die Geli, die ich kannte? Die Mitgefühl hatte und über einen gequälten Hund weinen konnte? Wie letztens, als wir uns diese schrecklichen Bilder von den misshandelten Tieren in Bulgarien im Internet angesehen hatten? Auch mein Vater schaute sehr konsterniert.
„Ich glaube es ist besser wir gehen nun“, sagte er.
Schweigend fuhren wir nach Hause. Ich hörte sein Gehirn förmlich arbeiten.
„Sterben eigentlich viele Frühgeburten“, dachte er laut.
Entsetzt sah ich ihn an. „Was meinst du damit, was willst du damit sagen? Glaubst du Geli bringt sie um?“
„Zumindest hat mich ihre Reaktion sehr überrascht, du musst zugeben, so eine Ansicht ist für eine Hebamme sehr ungewöhnlich, um es mal milde auszudrücken.“
„Vielleicht hatte sie einen schlechten Tag, das kommt bei uns ja auch mal vor“, sagte ich.

Nach einigen Tagen verließ Christel die Klinik, sie war tieftraurig und weinte sehr viel.
„Ich habe mich so auf das Baby gefreut“, meinte sie. „Meine Mutter hätte es tagsüber betreut und ich wäre nie mehr allein gewesen.“
Ich erzählte ihr von den vielen Krankheiten, über die Geli uns berichtet hatte, aber wirklich trösten konnte ich Christel nicht. Immer wieder sprach sie über ihr Kind.
„Wenn du es nur gesehen hättest“, sagte sie „Es war so wunderschön, das hat auch die Hebamme gesagt, es hatte tiefschwarze Haare und einen braunen Teint, es war ja ein Mischling, dass sind mitunter wunderschöne Menschen, so eines hätte ich gehabt.“ Sie weinte wieder.

Es verging eine Zeit, ich hatte mich ein wenig von Geli distanziert, ihre Worte waren mir nicht mehr aus dem Kopf gegangen und wenn ich nun Christels Leid miterlebte erschienen sie mir um so verwerflicher. Nach einer Weile jedoch rief sie mich an und lud mich ein. Als ich sie besuchte, führte sie mich zum Wohnzimmer.
„Schließe die Augen“, bat sie mich, „Ich habe eine Überraschung.“ Sie brachte mich ins Wohnzimmer.
„Augen auf“, forderte sie.
Als ich die Augen öffnete, erstarrte ich. Vor mir saß auf dem Sofa Gelis neuestes Machwerk. Wie sollte ich es nennen? Puppe? Entsetzt starrte ich sie an. Es war ein Mischlings Mädchen, sie war wunderschön, schwarzes, dichtes Haar und einen schokoladenbrauner Teint. Geli beobachtete mich genau.
„Na, was sagst du, gelungen, nicht wahr?“ fragte sie mit seltsam farbloser Stimme.
„Geli, was hast du getan“, schrie ich.
Sie sah mich ausdruckslos an
„Du hast es geahnt, nicht wahr, deshalb wolltest du sie immer anfassen.“
„Oh Gott, nein“, sagte ich entsetzt „Wie konntest du das tun?“
„Setz dich, ich erzähle es dir, es dauert auch nicht lang, dann kannst du deinen Vater holen, ich bin so froh, dass alles vorbei ist.“

Geli berichtete nun, von ihrer lieblosen Kindheit, in der sie jedem im Wege war, von dem Mann, den sie kennen gelernt hatte und von dem sie sich Liebe und Geborgenheit erhofft hatte, der sie in der Schwangerschaft hatte sitzen lassen, so dass sie das Kind abgetrieben hatte, denn wer hätte ihr helfen können, ihre Mutter, die schon für sie nichts übrig hatte? So hatte ihre Seele sich die Liebe bei den Geschöpfen geholt, die ihr zur Verfügung standen, bei den Frühchen, die sie sterben ließ, um ihnen ein Leben wie das ihre zu ersparen, die sie aber durch Präparation unsterblich machte.
Ich rief meinen Vater an und bat ihn zu kommen. Dann nahm ich Geli in den Arm und weinte mit ihr.
„Nun darfst du sie nehmen meine Babys“, sagte Geli.
Ich erschauderte. „Nein, danke, nun mag ich nicht mehr.“

Geli bekam mildernde Umstände und auch der Richter war betroffen von ihrer Geschichte.
In der psychiatrischen Klinik setzte sie selbst in einem unbeobachteten Augenblick ihrem Leben ein Ende.

© By Gitte
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8 Kommentare
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Gudrun Wirbitzky aus Bochum | 19.05.2017 | 08:01  
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Herbert Lödorf aus Gelsenkirchen | 19.05.2017 | 08:05  
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Hanni Borzel aus Arnsberg | 19.05.2017 | 08:58  
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Bruni Rentzing aus Düsseldorf | 19.05.2017 | 09:39  
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Gitte Hedderich aus Herten | 19.05.2017 | 11:50  
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Bruni Rentzing aus Düsseldorf | 22.05.2017 | 14:21  
6.441
Gitte Hedderich aus Herten | 25.05.2017 | 17:55  
58.356
Bruni Rentzing aus Düsseldorf | 26.05.2017 | 13:33  
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