Goldener Orient

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Goldener Orient!
Nach unserem letzten Ausflug war nun eine lange Zeit vergangen, Gelis Bein war geheilt und uns packte wieder einmal das Verlangen zu einem Stadtbummel. Schnell verging die Zeit, es war ein Uhr vorbei, unsere Mägen meldeten sich und wir begannen nach einem Restaurant Ausschau zu halten.

Genau vor unserer Nase trug ein dunkelhäutiger Kellner ein Standschild heraus. Heute jedes Menü 6€ stand da. Man konnte zwischen drei Menüs wählen. Wir schauten uns an und nickten. Das hörte sich verlockend an. „Ein China Restaurant“, bemerkte Geli und wies auf die großen gelben Letter mit den chinesischen Buchstaben. „Ich mag chinesisch.“ „Oh ja ich auch“, nickte ich begeistert, „also los.“ Entschlossen betraten wir das Gebäude und bemerkten, dass wir eine Treppe hinauf steigen mussten. Hinter der Bar standen ein Mann und eine Frau, deren Nationalität wir nicht so einfach feststellen konnten. Sie begrüßten uns und baten uns Platz zu nehmen. Unsere Füße versanken fast in dem flauschigen Teppich. Erstaunt blickten wir uns um. Gediegene Pracht umgab uns. Tische und Stühle schienen aus Kirschholz zu bestehen, Kristallleuchter funkelten an der Decke. Es war ein großes Restaurant und es war leer. Keiner außer uns hielt sich hier auf. Wir wählten Gewohnheitsmäßig einen Ecktisch. „Was ist das hier, wo sind wir da hineingeraten“, flüsterte Geli. „Sicher kommt gleich jemand und fordert uns zum Tanz auf.“ Wieder kicherten wir, aber leise und verhalten. Ein Kellner kam und brachte uns die Karte. „Die Menüs stehen auf der letzten Seite“, klärte er uns auf. Geli wählte Putenbrust in Pflaumensoße, mit Kroketten und gemischtem Salat und ich Frikadelle mit Stampfkartoffeln und ebenfalls Mischsalat, dazu eine Cola. Der Kellner dienerte und zog sich zurück. An den Fenstern hingen Batist streifen in zartem Lila und Orange, ich wühlte mich hindurch, um einen Blick auf die Einkaufsstraße zu werfen. Warum waren außer uns keine Gäste hier, bei so einem tollen Angebot? Um Geli nicht noch mehr zu beunruhigen machte ich wieder Faxen, hielt mir einen der Streifen vors Gesicht und ulkte: „Sehe ich nicht wie eine Haremsdame aus?“ Pflichtbewusst lachte Geli, aber ich merkte ihr war es mulmig zu Mute, wie mir langsam auch. Als der Kellner mit den wirklich beeindruckend aussehenden Speisen kam, fragte ich ihn: „Ist das ein China Restaurant?“ Er verneinte, gab aber weiter keine Auskunft. Unser Unbehagen stieg, aber der Hunger siegte und wir machten uns über die Speisen her. Der Kellner polierte Gläser hinter der Bar, aber irgendwie hatte ich das Gefühl, das er uns beobachtete. Auf was wartet der Kerl, dachte ich? Durstig griff ich nach meinem Glas und trank es halb leer und Geli folgte meinem Beispiel. Dann machten wir uns über das wirklich köstliche Essen her, wir wollten schnell wieder fort hier von diesem unheimlichen Ort. „Geli was ist mit dir“, rief ich erschrocken, als ich meine Freundin betrachtete, ihre Bewegungen wirkten plötzlich wie in Zeitlupe und ihre Augen wurden glasig. „Ich….“, begann sie und sackte plötzlich vornüber. Erschrocken wollte ich aufspringen und meiner Freundin zu Hilfe eilen, aber meine Beine fühlten sich an wie Gummi und gaben einfach nach, ich folgte meiner Freundin ins Reich der Träume.

Neben mir vernahm ich ein leises gequältes Stöhnen, als ich unter Mühe meinen Kopf zur Seite drehte sah ich Geli, die sich mit schmerzverzerrter Mine an ihren Kopf griff. Auch meiner fühlte sich an, als habe sich Hornissenschwärme dort einquartiert. Langsam und vorsichtig blickten wir uns verblüfft um, wir lagen auf einem riesigem Bett und das Zimmer war ganz in rot und Gold eingerichtet. Die Fenster waren mit schweren Samtvorhängen zugehängt und auch das Bett besaß einen Überwurf aus weinrotem Samt. Alles wurde von zwei goldenen Nachttischlampen sanft erhellt. „Augen zu“, flüsterte ich, denn ich hatte gehört, das sich Stimmen näherten. Vielleicht war es besser, wenn sie annahmen wir schliefen noch. Mein Herz pochte wie ein Hammer, ich war versucht zu blinzeln, ließ es dann aus Angst aber doch. Leise Schritte näherten sich, die Türe musste sich also geräuschlos geöffnet haben. „Neue Ware“, sagte einer. „Macht 1000.“ Darauf folgte schallendes Gelächter. „Du willst mich auf den Arm nehmen, oder? Die eine ist nahe am Verfallsdatum, die andere deutlich drüber.“ Ja was fiel dem Kerl denn ein? Mit einem Wutschrei riss ich die Augen auf und sah……………ach du grüne Neune. Der eine Mann war der Kellner des Lokals, wie ich schon vermutet hatte, der andere war ein riesiger kahlköpfiger Orientale wie aus dem Bilderbuch. Er verbeugte sich ironisch vor uns. „Gestatten, Omar“, mein Name. Schnell sprang ich auf die Beine, verbeugte mich ebenfalls und antwortete mich des orientalischen Brauches der blumigen Sprache erinnernd: „Gitte, nach deinen Aussagen jenseits des Verfallsdatums, du räudiger Sohns eines Schakals und einer Hyäne, da du eh keine Verwendung für uns hast möchten wir nun gehen.“ Der sich selbst als Omar bezeichnete Mann blickte erst verblüfft, dann lachte er, das sein Burnus bebte, sein großer Ohrring schaukelte und die beiden Krummsäbel an seinen Seite selbst bei diesem diffusen Licht Angst einflößend blinkten. „Na auf den Mund gefallen bist du ja nicht, das wird meinen Herrn aufmuntern.“ Sich an den Kellner wendend hielt er ihm einige Scheine hin und bemerkte: „Hier 800 für die Beiden, das reicht.“ Damit wendeten sich die Beiden zum Gehen. In der Türe verbeugte sich Omar und schloss sie dann zu. „Was jetzt“, wollte Geli wissen. „Na was schon, lass und schauen, ob wir hier weg kommen“, antwortete ich ihr. Mitten in der Bewegung erstarrte ich, denn meine Augen hatten den Tisch und die Stühle wahrgenommen, an dem wir gespeist hatten, wie kam der denn hier her? Aufgeregt stieß ich Geli an. Schau dir das an, ich zeigte auf die Konstruktion, der Tisch stand auf einer Platte, die an allen Ecken an Stahlseilen hing. Offenbar konnte man ihn so mitsamt den daran sitzenden Gästen in den Keller fahren und eine neue Platte mit neuem Tisch an seine Stelle platzieren. Das ganze schien wie ein Paternoster zu funktionieren. Wenn man sich solche Mühe gab, musste es sich wohl um ein äußerst lukratives Geschäft handeln. Systematisch begannen wir den Raum abzusuchen, mussten aber bald feststellen, dass es scheinbar kein Entrinnen gab. Die Fenster waren mit einer undurchsichtigen Folie bezogen, die massive Türe abgeschlossen. Erschöpft ließen wir uns wieder auf unser Lager fallen und harrten der Dinge die da kommen sollten. „Jürgen wird uns sicher finden“, meinte Geli zaghaft. „Das glaube ich eher nicht“, machte ich ihre Hoffnung zunichte. „Wo soll er denn suchen? Wuppertal ist groß.“ „Du hast doch im Restaurant noch mit ihm telefoniert“, erinnerte Geli mich. „Schon, aber einen Namen habe ich ihm nicht genannte“, seufzte ich. Resigniert beschlossen wir abzuwarten was nun geschah. An Luxus fehlte es in dieser Bleibe jedenfalls nicht, wir fanden einen CD Player mit einer großen Auswahl an CD´s in jeder Geschmacks Richtung und ein Fernsehgerät mit einem großen Flach Bildschirm. Um uns abzulenken schauten wir ein wenig und dösten vor uns hin, das Betäubungsmittel wirkte scheinbar nach. Es mussten wohl einige Stunden vergangen sein, als man uns holte. „Bitte folgen sie uns meine Damen und kommen sie nicht auf dumme Gedanken, wenn sie versuchen zu flüchten müssen wir sie fesseln und knebeln, das ist für sie nicht angenehm und für uns auch nicht, denn der Fürst liebt keine roten Handgelenke.“ Unsicher schaute Geli zu mir und ich nickte, es blieb uns keine andere Wahl als uns zu fügen, gegen diesen Hünen Omar hatten wir eh keine Chance.

Er führte uns zu einer wartenden Limousine, die ebenfalls getönte Scheiben besaß. Mittlerweile war es dunkel geworden. Wir nahmen im Fond Platz und Omar setzte sich uns gegenüber. „Wo bringen sie uns hin“, wollte ich wissen? „Der Sohn eines Schakals und einer Hyäne wird euch die Schönheit des Orients zeigen“, antwortete er sarkastisch und beschämt nuschelte ich ein Verzeihung, dann blickte ich aus dem Fenster. „Orient“, hauchte Geli derweil fassungslos? „Was sollen wir denn da?“ Dann versank auch sie in brütendes Schweigen. „Durst“, wollte Omar nach einiger Zeit wissen? Und öffnete eine Mini Bar. Verlangend nickte ich im ersten Impuls, doch dann schüttelte ich den Kopf, eingedenk was bei dem letzten Genuss eines Getränks geschehen war. „Keine Sorge“ lächelte Omar, „ihr seid ja nun in unserem Gewahrsam, ihr könnt diese Drinks unbesorgt genießen.“ Scheinbar hatte er meine Gedanken gelesen, wie ich errötend feststellte, was wiederum ihm ein Lächeln entlockte. Dankbar nahm jede von uns ein Glas Sodawasser entgegen und wir tranken durstig. Wir glaubten unendlich lange gefahren zu sein, als die Limousine endlich hielt. Omar stieg aus und hielt uns die Türe auf. Wir standen auf einem Flughafen. Bevor wir jedoch auch nur einen Gedanken an eine Flucht verschwenden konnten, führte er uns zu einem mittelgroßen Privat Jet und hieß uns einsteigen. Jede von uns bekam einen Diwan zugewiesen und Omar erklärte: „Ihr könnt ein wenig ruhen, der Flug dauert einige Stunden.“ Besorgt horchte ich in mich hinein, wo war meine Angst geblieben? Sie war einer Spannung auf dieses unerwartete Abenteuer gewichen. Langsam wich die Schwärze draußen der Morgen Dämmerung. Endlich gab der Pilot die Anweisung uns anzuschnallen und setzte zum Landeanflug an. Als wir die Maschine verließen trieb uns der Schwall feuchtwarmer Luft die uns entgegenschlug den Schweiß aus sämtlichen Poren und verschlug uns gleichzeitig den Atem. „Ihr werdet euch bald an dieses Klima gewöhnt habe“, versuchte Omar uns zu trösten und wieder führte er uns zu einer wartenden Limousine. Dieses Mal dauerte die Fahrt nicht lange und als wir ausstiegen sahen wir uns im Innenhof eines Märchenschlosses, das direkt aus einem alten Bilderbuch hätte stammen können.

Sogar ich war einen Augenblick sprachlos, was Omar wieder lächeln ließ. Der Bursche musste eine gute Menschen Kenntnis besitzen. Er winkte und ein kleiner dicker Mann eilte herbei, der sich vor ihm verbeugte. „Was befielt mein Gebieter“, fragte er mit hoher Fistelstimme, die Angelika genau wie mir ein Lachen entlockte. Ein trauriger Blick traf uns, der uns sogleich verstummen ließ. Betreten schauten wir zu Boden. Was konnte der arme Kerl dazu sein Leben als Eunuch verbringen zu müssen?
Omar gab ihm Anweisungen. „Führe die Damen in den Harem, versorge sie gut, am Nachmittag werden sie dem Herrscher vorgestellt.“ Der Kleine verbeugte sich erneut und gab uns ein Zeichen voran zu gehen, er vermied es nun zu sprechen. Er führte uns durch einen zauberhaften Garten zu einem vergoldeten Haus, das in der Sonne glänzte und funkelte. Geli und ich wusste nicht, wohin wir unsere Augen zu erst wenden sollten, zu dem kleine Teich mit den goldenen Seerosen und den prachtvollen Pfauen, die graziös ihren Kopf hin eintauchten und tranken, oder zu dem kleine Badebecken an dem wir vorbei kamen, das eine Rand aus geschliffenen Edelsteinen zu haben schien, die uns so blendeten, das wir gezwungen waren zu blinzeln. Dann gab es einen Baum, der mit Edelstein Früchten geschmückt war und vor dem Eingang zum Harem standen zwei, die man mit goldenen Rosen bestückt hatte. Solch ein Luxus verschlug uns die Sprache. Die Eingangshalle bestand aus zartrosa Marmor und eine Horde wild durcheinander schnatternder, junger wunderschöner Frauen umringte uns. Unser Begleiter klatschte in seine Hände, zeigte auf eine etwas ältere Frau, die bei uns stehen blieb, die anderen verscheuchte er mit einer Geste seiner Hände. Er verbeugte sich vor uns, wies auf sich und sagte mit einer Stimme, der man anhörte wie sehr er sich bemühte einen tieferen Tonfall zu treffen: „Jussuf.“ Ein Lächeln verbergend verbeugte ich mich gleichfalls und antwortete: „Gitte.“ Geli tat es mir nach, Jussuf wies uns an der Dame zu folgen und die führte uns in ein wunderschönes Bad. Peinlich berührt sahen wir uns an, als die Dame uns mit Gesten zu verstehen gab unsere Kleider abzulegen. Sträuben würde wenig Sinn haben und so blickte ich zu Boden und entkleidete mich, danach stieg ich in das warme, wunderbar parfümierte Wasser und schloss wohlig die Augen. Erschrocken zuckte ich zusammen, als ich zarte Hände bemerkte, die mich berührten und gewahrte unsere Begleiterin, die sich anschickte mich einzuseifen, ich fing Gelis verstörten Blick auf und lächelte tapfer, dann entspannte sie sich und überließ sich, nachdem ich in ein flauschiges Tuch gehüllt am Rande des Beckens ruhte ebenfalls den geschickten Händen der Dienerin. „Bilde dir einfach ein, es sei eine Wellness Farm“, flüsterte ich ihr zu und danach genossen wir es einmal so richtig verwöhnt zu werden. Man cremte manükierte und frisierte uns. Später hüllte man uns in Duftwolken und steckte uns glitzernde Kämme und Spangen ins Haar. Danach wurden wir angewiesen auf einem herrlich weichen Diwan zu ruhen, aber keine zehn Pferde würden mich dazu bringen mich nieder zu legen und diese herrliche Frisur zu zerstören. Es folgten unzählige Frauen, die uns neugierig betrachteten, eine brachte verschiedene Getränke, eine andere Gebäck, die nächste Obst. Wir naschten hier und dort und begannen uns zu entspannen und wohl zu fühlen. „Eigentlich gar nicht so schlecht hier“, bemerkte Geli. „Verfallsdatum, schon vergessen“, knurrte ich? Erschrocken starrte sie mich an und ich schämte mich. „Verzeih, eine Weile lässt es sich hier sicher aushalten und dann wird sich schon ein Weg zurück finden“, versuchte ich sie zu beruhigen. Nachdem wir eine Weile Ruhe gehabt hatten, kam eine Frau mit Stoffmustern, sie hielt sie uns der Reihe nach an und entschied sich dann zu einem Türkis für mich, das sicher zu meinen kastanienbraunen Haaren gut kontrastierte und zu einem Goldton für Geli zu ihrem dunkelblonden Haar. Es mussten wohl Gewänder in den entsprechenden Farben bereitliegen, denn schon nach kurzer Zeit erschien sie wieder mit herrlichen hauchzarten Gewändern in den entsprechenden Farben. Sie half uns beim Ankleiden und fassungslos betrachteten wir einander nach dieser Prozedur. Eine andere Frau erschien und schminkte uns schnell und gekonnt. Zum Schluss überzog sie mit einem Pinsel Arme und Dekolletee mit einem leichten Gold Puder. Stolz und steif standen wir herum und wieder eilten kichernde Frauen herbei, umrundeten uns, zupften hier und zupften da und dann ertönte ein leises Klingelzeichen. Alle stürzten davon, die große Flügeltüre öffnete sich und Omar erschien mit mehreren Männern im Gefolge. Wie hatte er sich verändert. Er trug einen goldenen Anzug, der ihn noch größer und imposanter wirken ließ. Er stolzierte um uns herum und betrachtete uns gründlich. „Wollen sie auch mein Gebiss sehen“, fragte ich aufmüpfig? „Was ist das hier, ein Pferdemarkt?“ „Sei froh, das dich keiner verstanden hat, sonst wärst du schon einen Kopf kürzer, ich rate dir dringend dein Mundwerk im Zaum zu halten“, zischte er mir zu. Ich biss mir auf die Lippen, er hatte ja Recht, ich war nicht in der Position große Töne zu spucken. Demütig senkte ich den Kopf und nahm mir vor mich nicht mehr so schnell aus der Reserve locken zu lassen. Omar klatschte in seine Hände, wohl zu Zeichen das er zufrieden war und wir wurden in den Palast geleitet.

Völlig schüchtern schritt Geli neben mir und tröstend drückte ich ihre Hand. Durch einige Gänge und Türen gelangten wir in immer prächtigere Gemächer, wäre ich nicht in solch einer misslichen Lage gewesen, ich hätte Schreie des Entzückens ausgestoßen. Die Prozession endete in einer Art Thronsaal, ein riesiger Raum, ganz aus weißem Marmor bestand und mit goldenen Accessoires versehen war. Auf dem Thron, der erhöht auf einigen Marmorstufen stand saß ein imposanter Mann, mit nachtschwarzem Haar und ebensolchen Augen. Eine Weile war es mucksmäuschenstill, dann erhob er sich und Omar trat vor. Er verkündete: „Scheich Izmir Abdul, Karim, Großmächtiger Herrscher über das Sultanat Karbon im mittleren Osten, Iben Karatschi Ben Emir. Geli wirkte bezaubernd, mit ihren glühenden Wangen und ihrem verlegenen mädchenhaften Lächeln, ich sah die Gier in den Augen des Scheichs und mein Beschützer Instinkt ging mit mir durch. Mit einem Schritt trat ich neben sie und verkündete so laut, das alle Anwesenden zusammen fuhren: „Brigitte, genannt Gitte, Beiname Auguste, geborene Wientjes, verheiratete Hedderich, Geschiedene Schröder, Herrscherin über den Haushalt Katasterweg 24. Geli konnte sich nicht mehr beherrschen und lachte schallend, Omars Augen sprühten vor Zorn. Alle anderen Begleiter waren vor Schreck erstarrt. Verblüfft schaute der Scheich mich an, dann Geli, dann Omar und brach schließlich ebenfalls in Gelächter aus, das er dann angesichts seiner Würde mit einem aus der Tasche gezogenen Tuch erstickte. „Was nun geschieht hast du dir selbst zuzuschreiben“, zischte Omar mich an und winkte seine Schergen herbei. Mein Herz rutschte in die Hose, was hatte ich getan? Geli blickte mich entsetzt an und ihre Augen füllten sich mit Tränen. Verzweifelt klammerte sie sich an meine Hand. Der Sultan hob den Arm und befahl Einhalt. Er Räusperte sich und ordnete an: „Die Frau bleibt“, was ihm einen dankbaren Blick von Geli eintrug, den er lächelnd zur Kenntnis nahm. Omar wirkte, als platze er gleich, ich war sicher eine Zumutung für ihn, den würdevollen Orientalen und um Verzeihung bittend blickte ich ihn an. Der Scheich immer noch um Fassung und Würde bemüht gab einen Wink uns in den Harem zurück zu geleiten. Die erste Audienz war beendet.

In unseren Gemächern ließ man uns allein. „Was glaubst du geschieht mit uns“, wollte Geli wissen? „Du hast ihm sehr gut gefallen“, sagte ich und blickte sie versonnen an. Wieder errötete sie. „Was ist, gefällt er dir“, drang ich in sie. Verlegen senkte sie ihre Augen. „Schon“, gab sie zu, „aber teilen will ich ihn nicht, was mache ich nur?“ Unglücklich sah sie mich an. „Sag ihm das, genauso“, riet ich ihr. Sie seufzte. „Du könntest das“, sagte sie überzeugt, „aber ich?“ Sie seufzte. „Weißt du“, sagte ich nach einer Zeit des Überlegens, „das ist genau deine Stärke. Der Scheich ist es gewohnt alles zu bekommen, wonach ihm der Sinn steht. „Ja und?“ Geli sah mich an und wartete auf eine Erklärung. „Verstehst du denn nicht? Männer sind doch ziemlich einfach gestrickt, es reizt sie am meisten, das zu besitzen was sie nicht bekommen. Er wird dir aus der Hand fressen. Das musst du ausnutzen.“ „Wie halte ich ihn mir vom Leibe“, wollte Geli wissen. Ich grinste, „Zuerst kannst du behaupten du seist unpässlich.“ Der restliche Tag gehörte uns, als wir in dem Edelsteinbesetzen Becken schwimmen durften, kam mir eine Idee. „Mein Nagel ist eingerissen jammerte ich und schon eilte die Dame, die man zu unserer Bedienung abgestellt hatte ins Haus und besorgte eine Feile. Damit bearbeitete ich meinen Nagel, dem nichts fehlte. Verwundert betrachtete Geli mein Gebaren, sagte aber nichts. Sobald unsere Bewacherin sich wieder in ihr Buch vertieft hatte, begann ich einen der Edelsteine zu bearbeiten. Immer wieder fuhr ich mit der Feile um den Rand und lockerte die Einfassung. Endlich hatte ich es geschafft und hielt den walnussgroßen Rubin in meiner Hand. Schnell ließ ich ihn im Oberteil meines Badeanzuges verschwinden. „Unsere Rückfahrkarte“, raunte ich Geli zu. In unserem Gemach verbarg ich ihn unter meiner Matratze.

Die Tage rannen dahin. Täglich wurde Geli zum Scheich gerufen und seitdem schaute er keine seiner anderen Frauen mehr an, ich kann ihn verstehen, sie ist auch etwas ganz Besonderes. Mittlerweile hatte ich fünf Edelsteine aus ihrem Gehäuse gepult und ich überlegte ob es wagen konnte sie Omar anzubieten, als Preis für meine Freiheit, ich saß in dem herrlichen Garten und betrachtete wehmütig die Bilder meines Mannes und meines wunderschönen Schäferhundes, als mir jemand seine Hand auf die Schulter legte. Erschrocken zuckte ich zusammen, ich hatte niemanden kommen hören. Schuldbewusst versuchte ich die Bilder in meinem Ausschnitt zu verbergen, aber der Scheich, denn kein anderer war es der sich mir unbemerkt genähert hatte hielt meine Hand fest und betrachtete sie. „Dein Mann“, fragte er? Seine ruhigen Worte trieben mir die Tränen in die Augen. Stumm nickte ich. „Du vermisst ihn sehr“, bohrte er weiter? Wieder nickte ich stumm. Er gab mir die Bilder wieder und ließ mich allein. Am Abend besuchte Omar uns in unseren Gemächern. Er brachte eine blutrote Rose mit, die er Geli reichte, mit den Worten: „Der Scheich bittet darum, das du seine Frau wirst, eine Abfuhr könnte er nicht ertragen und darum schickt er mich, wie entscheidest du dich?“ „Sag ihm, ich nehme seinen Antrag an, denn ich habe ihn schätzen und lieben gelernt“, bat Geli. „Dir lässt er ausrichten, wenn du willst darfst du heim“, wendete er sich danach an mich. Alle Contenance vergessend fiel ich Omar um seinen breiten Hals. „Danke“, antwortete ich und gab ihm einen Kuss auf seine glatte Wange. „Nicht doch“, wehrte er verlegen ab und wurde rot worüber Geli und ich endlich wieder einmal lachen konnten. „Du bleibst aber bis zu meiner Hochzeit“, bat Geli. „Bitte versteh, ich muss unbedingt heim, aber ich komme gerne wieder zu eurer Hochzeit und auf Besuch“, versprach ich ihr. Aus dem Versteck unter der Matratze fischte ich die Edelsteine, drückte sie dem verdutzen Omar in die Hand, mit den Worten die brauche ich nun nicht mehr. Er gab sie mir wieder und ein Beuteelchen Gold dazu. „Das soll ich dir für die Unannehmlichkeiten aushändigen, bat mich mein Herr.

Noch am gleichen Tag nahm, ich Abschied und flog zurück zu meinem Mann, aber bald bin ich wieder im Emirat Karbon und feiere mit meiner Freundin Geli und ihrem Mann Izmir Hochzeit. Mein Mann darf mich begleiten, der wird staunen, wenn er diese Pracht mit eigenen Augen sehen kann.


© By Gitte und Geli
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9 Kommentare
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Herbert Lödorf aus Gelsenkirchen | 08.07.2016 | 07:59  
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Gitte Hedderich aus Herten | 08.07.2016 | 10:36  
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Luzie Schröter aus Fröndenberg/Ruhr | 08.07.2016 | 12:14  
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Gitte Hedderich aus Herten | 08.07.2016 | 15:11  
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Renate Smirnow-Klaskala aus Essen-Nord | 08.07.2016 | 15:48  
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Gudrun Wirbitzky aus Bochum | 08.07.2016 | 16:16  
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Gitte Hedderich aus Herten | 08.07.2016 | 16:20  
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Melanie Busche aus Menden (Sauerland) | 08.07.2016 | 17:38  
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Gitte Hedderich aus Herten | 09.07.2016 | 07:58  
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