Gudrun lädt zum Krimidinner

Anzeige
    Gudrun lädt zum Krimidinner!
Ein bisschen mulmig war es mir ja, als Gudrun einige unserer Schreiberlinge zum Krimidinner lud. Was würde passieren? Was war gemeint? Bekamen wir eine Aufgabe und mussten den Mörder finden? Oder............. und bei dem Gedanken stockte meine Herzschlag, sollte einer von uns etwa?
Na ja wie dem auch sei, ich bin Abenteuern nicht abgeneigt und würde mich entsprechend vorbereiten.

Zunächst rief ich meinen Onkel Gunnar an. „Hast du einige Diamantsplitter für mich“, bat ich ihn. Er seufzte. „Ich will gar nicht wissen was du planst. Hol dir das Zeug“, meinte er. Onkel Gunnar ist Edelsteinschleifer und wenn einer heute das Zeitliche segnen sollte, dann sicher nicht ich. Zufrieden machten wir uns auf den Weg zu Gudrun ins Nachbarliche Bochum. Elmar hatte schon abgesagt. Angeblich eine Radtour. Pühhhhh dem saß sicher das Herz inne Büx. Unterwegs, ganz in Gedanken versunken schrak ich plötzlich auf. „Halt mal“, bat ich meinen Mann. „Was willst du denn“, begehrte er zu wissen, aber ich hatte schon den Wagen verlassen und mit einem Tempotaschentuch die Dolde einer Goldregenblüte umfasst und abgestreift. Welch ein Glück, ich hatte zwei Eisen im Feuer. Solcherweise präpariert trafen wir bei unseren Gastgebern ein. Gudrun und ihr Mann Peter sind einfach reizend.

Als wir Platz genommen hatte meldete sich Gudruns Handy. Bruni sendete eine SMS. Bin noch in der Kirche zum Beten. Verflixt, das war gut, warum war mir diese Idee nicht gekommen. Himmlischer Beistand, das Mädel hatte es drauf. Die Begrüßungsweinschorle sah so appetitlich aus, aber durfte ich sie genießen? Ein fragender Blick zu Gudrun half mir auch nicht, Sie lächelte, aber wie? Freundlich, oder war da ein wölfisches Grinsen dabei? Egal, ich trank und genoss. Lecker.
Endlich kam auch Bruni und das Gelächter begann. Einige unbeschwerte Stunden unter Freunden. Unbeschwert? Da meldete sich mein Hirn. Krimidinner raunte es, vergiss das nicht. Egal, die Vorspeise sah einfach zu lecker aus und wenn es das Letzte war, egal. Eine Scheibe Baguette mit zwei köstlichen Dips gönnten wir uns alle. Danach, ich stöhnte, woher wusste Gudrun nur das ich Currywurst Fan war? Echt, ich habe noch niemals so einen leckere Currywurst genossen mit einer wirklich delikaten Soße und ich habe schon Legionen verputzt. Davon habe ich sogar zwei geschafft. Dazu einmalig leckeren Kartoffelsalat. Dennoch beobachtete ich nun. Hielt sich jemand den Magen? Ne, alles paletti, wir genossen Essen, Wein und Cocktails. Oh man, nun ging mir der Plan auf. Platzen sollten wir. Spätestens beim Dessert verriet sich Gudrun. Torte, Sahne, Obst und Eis. „Ich kann nicht mehr“, stöhnte ich, konnte aber dennoch meine Finger nicht von der Gabel lassen. Wahnsinn, ich würde den Rest der Woche nichts mehr essen können, aber egal.

Langsam dunkelte es auf der Terrasse. Eine Stelle kam mir seltsam vor. Was stand denn da? Ich kniff die Augen zusammen und dann sah ich ihn. Er sah genau so aus wie man ihn sich ihn gemeinhin vorstellt. Lange braune Kapuzenkutte und darunter nur Schemen. Gudrun wurde aufmerksam. „Da ist ja unser Ehrengast, bitte setzen sie sich“, bat sie den finsteren Gesellen. Gott sei es gedankt, das neben mir kein Platz frei war. Gudrun besorgte ein frisches gefülltes Glas aus der Küche, mit dem sie zuerst zu mir kam. Auffordernd blickte sie mich an und dann kam der Geistesblitz. Nicht wir, ER war das Opfer. Wir sollten den Tod umbringen. Konnte so etwas funktionieren? Gudrun schien meine Gedanken zu lesen, sie nickte. „Ein Duell“, klärte sie uns auf. Seufzend holte ich meine Diamantsplitter ans Tageslicht und ließ sie in das Glas gleiten. Wortlos hielt Gudrun das Glas nun Bruni hin. Unser Sonnenschein lächelte und holte ein braunes Medizinfläschchen aus eine ihrer Taschen. Mit der Pipette im Deckel ließ die Tropfen in das Glas gleiten, überlegte es sich dann und kippte den gesamten Inhalt hinein. Der Tod beobachtete uns mit seinem blecken-den Grinsen. Langsam nahm er das Glas und goss die Flüssigkeit hinunter. Die Diamantsplitter prallten leise klingend an seinen Rippen ab. Ich seufzte. Na klar, wo kein Magen ist kann auch nichts zerstört werden. Genauso wirkungslos verpufften Brunis Tropfen. Ängstlich schauten wir uns an. Was würde geschehen, würde er uns alle vernichten? Da geschah es. Seine Armknochen begannen zu schwelen. Zuerst strich er scheinbar ärgerlich darüber.
Es wurde aber immer schlimmer. Schließlich rannte er auf den Rasen und tanzte dabei einen grausigen Todestanz, während immer dichtere Rauchwolken ihn einhüllten. Langsam verbrannte er zu Asche und der nun leere Kapuzenmantel sank schließlich zu Boden. Wir schauten Gudrun an. Die zuckte lässig die Schultern und meinte: „Wirklich gut, das neue Unkraut Vernichtungsmittel, nicht war?“ Dabei grinste sie harmlos. Eine Weile war es still, dann gackerte Bruni los. „Wir haben den Tod getötet“, brüllte sie. In meiner Kehle stieg langsam, aber unaufhaltsam ein Glucksen auf. „Tot“, kicherte ich, „verblichen, der Arme“, japste ich.
Kennt ihr das Lied: Der Hahn ist tot? Wir änderten es ab und sangen:
„Der Tod ist tot, der Tod ist tot.
Der Tod ist tot, der Tod ist tot,
er kann uns nichts mehr tun,
er kann uns nichts mehr tun,
möge er nun in Frieden ruhn.“
Wir waren ausgelassen wie die Kinder, schließlich besiegt man nicht jeden Tag den Tod.

Mittlerweile war ein bleicher Vollmond am Himmel erschienen. Wir gingen zu dem am Boden liegenden Mantel und umringten ihn. Peter holte wortlos die langen Grillhölzer und gab jedem von und einen. „Sicher ist sicher“, meinte er dazu und ließ die Schachtel herumgehen. Wir zündeten die Hölzer an und hielten sie an den Mantel. „Ruhe in Frieden“, bat ich. Dann loderte der Mantel auf und brannte lichterloh. Kein Wunder, wenn man bedenkt wie alt er war. Als nur noch kleine Rußpartikel umherflogen setzten wir uns wieder und Gudrun versorgte uns mit neuen Cocktails. Wir feierten ausgelassen.


Ihr denkt das war es? Mitnichten. Langsam, ganz langsam setzten sich die Moleküle des Mantels wieder zusammen und............... er entstand neu.

Wir waren wir paralysiert. Dann sprach er mit einer Stimme, die sich anfühlte als wenn ein feuchtes Spinnennetz im finsteren Keller unversehens die Haut streift: „Dachtet ihr, ihr habt gesiegt? Mitnichten, heute kommt ihr davon, aber ich komme wiiiiiiiiiiiiiiiiiieder, ich komme immer wieder“, dazu lachte er schaurig und verschwand. Nach einer Schrecksekunde verkündete Bruni, sich schüttelnd: „Aber nicht mehr Heute, Prost.“

Ich kann euch sagen, das war das schaurigste Krimidinner das man sich vorstellen kann.
© By Gitte
3
9 3
3
3
3
3 3
13 3
3 3
2 3
3
3
3
14 3
3
3
2 3
3 3
5 3
3
5 3
6
Diesen Mitgliedern gefällt das:
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Lesen Sie auch die Bildkommentare zum Beitrag
38 Kommentare
13.637
Christiane Bienemann aus Kleve | 06.06.2016 | 08:49  
4.997
Gitte Hedderich aus Herten | 06.06.2016 | 09:00  
18.986
Gudrun Wirbitzky aus Bochum | 06.06.2016 | 09:04  
18.986
Gudrun Wirbitzky aus Bochum | 06.06.2016 | 09:05  
9.232
Herbert Lödorf aus Gelsenkirchen | 06.06.2016 | 09:21  
50.483
Bruni Rentzing aus Düsseldorf | 06.06.2016 | 09:23  
18.986
Gudrun Wirbitzky aus Bochum | 06.06.2016 | 09:32  
50.483
Bruni Rentzing aus Düsseldorf | 06.06.2016 | 09:47  
18.986
Gudrun Wirbitzky aus Bochum | 06.06.2016 | 10:16  
4.997
Gitte Hedderich aus Herten | 06.06.2016 | 11:41  
18.986
Gudrun Wirbitzky aus Bochum | 06.06.2016 | 14:36  
18.986
Gudrun Wirbitzky aus Bochum | 06.06.2016 | 14:39  
4.997
Gitte Hedderich aus Herten | 06.06.2016 | 14:57  
18.986
Gudrun Wirbitzky aus Bochum | 06.06.2016 | 15:37  
18.986
Gudrun Wirbitzky aus Bochum | 06.06.2016 | 15:39  
24.644
Elmar Begerau aus Kamp-Lintfort | 07.06.2016 | 02:03  
4.997
Gitte Hedderich aus Herten | 07.06.2016 | 06:24  
18.986
Gudrun Wirbitzky aus Bochum | 07.06.2016 | 09:26  
18.986
Gudrun Wirbitzky aus Bochum | 07.06.2016 | 09:27  
50.483
Bruni Rentzing aus Düsseldorf | 07.06.2016 | 10:50  
18.986
Gudrun Wirbitzky aus Bochum | 07.06.2016 | 13:17  
18.986
Gudrun Wirbitzky aus Bochum | 07.06.2016 | 13:18  
24.644
Elmar Begerau aus Kamp-Lintfort | 07.06.2016 | 14:35  
18.986
Gudrun Wirbitzky aus Bochum | 07.06.2016 | 15:58  
18.986
Gudrun Wirbitzky aus Bochum | 07.06.2016 | 16:03  
4.997
Gitte Hedderich aus Herten | 07.06.2016 | 16:27  
4.997
Gitte Hedderich aus Herten | 07.06.2016 | 16:29  
18.986
Gudrun Wirbitzky aus Bochum | 07.06.2016 | 19:42  
24.644
Elmar Begerau aus Kamp-Lintfort | 07.06.2016 | 23:45  
4.997
Gitte Hedderich aus Herten | 08.06.2016 | 07:28  
18.986
Gudrun Wirbitzky aus Bochum | 08.06.2016 | 08:44  
18.986
Gudrun Wirbitzky aus Bochum | 08.06.2016 | 08:46  
24.644
Elmar Begerau aus Kamp-Lintfort | 08.06.2016 | 14:42  
18.986
Gudrun Wirbitzky aus Bochum | 08.06.2016 | 18:14  
4.997
Gitte Hedderich aus Herten | 08.06.2016 | 18:35  
18.986
Gudrun Wirbitzky aus Bochum | 08.06.2016 | 23:56  
24.644
Elmar Begerau aus Kamp-Lintfort | 09.06.2016 | 00:49  
50.483
Bruni Rentzing aus Düsseldorf | 19.06.2016 | 09:41  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.