Johannas Fluch

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Johannas Fluch!
Johanna hasste ihre Eltern. Schon im Kindergarten war sie wegen ihres altmodischen Namens gehänselt worden. Es hieß zwar immer, dass solche Namen nun modern waren, dennoch liebte sie es nicht aufzufallen und das war mit einem solchen Namen nicht so leicht. Dazu kam noch das ihre Eltern tief religiös waren. Sonntags würden feine Kleider angezogen und dann ging man zur Kirche. Johanna war ein stilles, unglückliches Mädchen. Mit dem ganzen Kirchenkram konnte sie nichts anfangen und der Weihrauchgeruch verursachte ihr starke Übelkeit. Ihre Schwestern Cecilie und Wilhelmine waren da ganz anders. Sie trugen stolz ihren Sonntagsstaat, liefen brav und gesittet an der Hand der Eltern, während Johanna mit missmutigem Gesicht, die Hände bockig auf dem Rücken gefaltet hinterher trottete. Wenn ihnen der Pfarrer zum Abschied über den Kopf strich duckte sie sich und er lächelte. Warte nur, dachte sie, eines Tages……….


Die Jahre vergingen und Johanna wuchs heran. Sie kam in die Pubertät und dann schließlich lernte sie einige junge Leute kennen unter denen sie sich wohl fühlte. Nach und nach verließ sie die Scheu und sie klagte der Clique ihr Leid. Oh wie sie sie verstanden, hatten sie doch alle ähnliches erlebt. Nun hatten sie sich gefunden und trafen sich regelmäßig in einer alten Scheune. Alle trugen schwarz, waren weiß geschminkt und sahen ziemlich abenteuerlich aus. Weihnachten stand vor der Türe und ihnen allen grauste es schon davor. Man würde wieder wie jedes Jahr einen auf Familie machen, dabei gingen alle seit Jahren eigenen Wege. Bei Johanna sah das so aus, dass sich ihre Mutter in ihrem Job als Religionslehrerin verwirklichte, ihr Vater war froh am Abend seine Nase in die Zeitung stecken zu können. Ihre Schwestern engagierten sich in kirchlichen Vereinen und Johanna, nun die brütete in ihrem Zimmer, oder traf sich mit ihren neuen Freunden. Nur am Sonntag lief alles wie gehabt, da machte man in Familie und zu Weihnachten natürlich erst Recht.

Johannas Freunde hatten ähnlich gelagerte Probleme und man diskutierte wie man Abhilfe schaffen konnte. Justus war es der die zündende Idee hatte. „Diesmal werde ich sie so was von verarschen“, verkündete er den aufmerksam Lauschenden. Er zog einen Rosenkranz aus seiner Tasche. Ein Stöhnen ging durch die Gruppe. Doch Julius hob beschwörend seine Hand. Das ist ein ganz besonderer Rosenkranz erklärte er den nun aufmerksam Lauschenden. Er reichte ihn herum. Keinem fiel etwas auf. Julius lächelte. „Wunderbar“, sagte er zufrieden. Dann begann er zu erläutern. Der Jesus am Kreuz ist sehr klein, daher fällt es auch auf den ersten Blick nicht auf, das er verkehrt herum hängt und das Banner trägt nicht das berühmte INRI, sondern die Satanszahl 666. Der Rosenkranz ist dem Teufel geweiht und ich bin gespannt wen von meiner Mischpoke er sich zuerst holt.“ Dabei lächelte er satanisch und ließ seine schönen weißen Zähne blitzen. Es herrschte Stille, aber dann jubelten alle los. „Wo hast du ihn her, wo bekommen wir auch so einen“, tönte es durcheinander. Julius genoss es im Mittelpunkt zu stehen und versprach dann so viele Rosenkränze wie benötigt zu besorgen. Dabei sah er Johanna tief in die Augen.

Den Rosenkranz brachte er ihr nach einigen Tagen persönlich nach Hause. Johannas Schwester Wilhelmine die die Türe öffnete erschrak und führte den unheimlichen Besucher schnell zum Zimmer ihrer Schwester. Julius grinste und nachdem Wilhelmine sich zurückgezogen hatte reichte er Johanna einen kleinen Schmuckbeutel in dem der bestellte Rosenkranz funkelte. Beide grinsten sich böse an. „Was bin ich dir schuldig“, wollte Johanna wissen? Julius zog sie in seine Arme. „Wilden Sex“, forderte er. Johanna lief ein Schauer über ihren Rücken. Bereitwillig schmiegte sie sich an ihn. Das war die Sache wert.


Weihnachten kam heran und unterm Tannenbaum programmierte sich Johanna auf Freude. Keiner durfte misstrauisch werden. Zum ersten Mal hatte ihre Eltern ihren Wünschen Rechnung getragen und sie bekam die gewünschten schwarzen Sachen. „Ich war mit Mutti in so einem Gruftiladen“, berichtete Cecilie schaudernd. „Hast es ja überlebt“, funkelte Johanna, riss sich aber sofort zusammen. Cecilie zuckte nur mit den Schultern und wendete sich wieder ihren Geschenken zu. Bisher hatte Johann nie ein Geschenk besorgt und so staunte ihre Mutter sehr als sie ihr verlegen das Schmuckbeutelchen in die Hand drückte. Sie öffnete es und ließ den zierlichen Rosenkranz in ihre geöffnete Hand gleiten. Dann stieß sie einen Entzückensschrei aus. „Das ist ja zauberhaft Johanna“, lächelte sie und drückte nach langer Zeit ihr Kind mal wieder an ihr Herz. Ihre ehrliche Freude weckte das schlechte Gewissen in Johanna, aber sie lächelte nur.

Am ersten Weihnachtstag fuhr man traditionell zu den Großeltern. Johanna täuschte eine Magenverstimmung vor und begab sich mit Zwieback und Kamillentee in ihr Zimmer. An der Türe drehte ihre Mutter sich noch einmal herum. Sie lief zu ihrem Schmuckkästchen und entnahm ihm den neuen Rosenkranz. „Der muss mit“, verkündete sie lächelnd. Johanna wollte etwas sagen, aber ihr fiel nichts ein und so lächelte sie auch ein starres, unechtes Lächeln. Noch einmal nahm ihr Mutter sie in die Arme und sagte leise: „Du hast mir eine große Freude damit gemacht mein Kind.“ Dann küsste sie Johanna und lief zum Auto wo sie den Rosenkranz am Rückspiegel befestigte wie Johanna beklommen vom Fenster aus beobachtete. Dann gab der Vater Gas. Johanna sah die winkende Hand ihrer Mutter und dann war sie allein.

Nervös lief Johann in ihrem Zimmer auf und ab, was wohl geschehen würde? Als es nach ungefähr einer Stunde an der Haustüre schellte zuckte sie zusammen. Langsam lief sie hin um zu öffnen. Zwei Polizeibeamte standen mit ernsten Gesichtern vor der Türe. „Es tut uns leid“, begannen sie, da sackte Johanna zusammen. Sie hatte es zwar gewollt, aber hören wollte sie es nicht. Frei, dröhnte es in ihrem Hirn. Du bist frei. Die alles überwältigende Freude allerdings, sie sie erwartet hatte stellte sich nicht ein. „Kommen sie zurecht“, wollten die Beamten wissen? Johanna nickte geistesabwesend. Sie hörte nicht wie der eine Beamte zu dem Anderen auf dem Rückweg zum Streifenwagen sagte: „Das arme Mädchen, die ganze Familie tot und das zu Weihnachten. Ich konnte ihr einfach nicht sagen das sie letzten Worte ihrer Mutter waren sie habe den Teufel gesehen.“

Johanna blieb in ihrem Zimmer, einen Besuch der Großeltern lehnte sie ab. Nachdem die Feiertage vorüber waren schellte es erneut. Ein Beamter übergab ihr ein Päckchen mit den Worten: „Das sind die Sachen ihrer Eltern.“ Zuerst wollte sie es zur Seite stellen, aber es zog sie magisch an. Als sie es öffnete lag obenauf der Rosenkranz. Wie in Trance nahm Johanna ihn und verließ das Haus. Träumend lief sie über die Strasse. Den Autofahrer der heranraste, den sah sie nicht. Sie hatte keine Chance. Plötzlich aus dem Nichts tauchte eine Satansfratze vor ihrem geistigen Auge auf. Er lachte schallend. Ein Rosenkranz flog durch die Luft. Ein Bettler bückte sich danach und steckte ihn schnell ein. Heute war wohl sein Glückstag?!
©By Gitte
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Melanie Busche aus Menden (Sauerland) | 04.11.2016 | 06:26  
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Gitte Hedderich aus Herten | 04.11.2016 | 07:11  
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Bruni Rentzing aus Düsseldorf | 04.11.2016 | 07:24  
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Gitte Hedderich aus Herten | 06.11.2016 | 10:19  
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