Mitternachtsparty

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Mitternachtsparty!
Oh Mann war das wieder spät geworden. Eigentlich hatte ich spätestens gegen 22.00Uhr bei meiner Freundin aufbrechen wollen, aber wie das so ist, als ich auf die Uhr schaute war es 23.45Uhr. Schnell verabschiedete ich mich, nun aber ab nach Hause, mein nächster Tag begann in sechs Stunden wieder, ich legte einen Zahn zu. Plötzlich stand ich vor dem Friedhof. Was nun? Sollte ich es riskieren die Abkürzung zu nehmen? Nervös sah ich auf meine Uhr. Kurz vor Mitternacht. Eigentlich war ich kein ängstlicher Typ und das Bild meines Bettes stand einladend vor meinem geistigen Auge, warm und weich. Außerdem was sollte schön passieren? Hatte man je gehört das Tote jemandem etwas zu leide taten? Nein eher vor den Lebenden musste man sich fürchten.

Komm schon, sei kein Hasenfuß machte ich mir Mut und betrat den stockfinsteren Friedhof. Dann endlich schoben sich die Wolken beiseite und silbernes Mondlicht erhellte den Weg. Kaum hatte ich die erste Gabelung erreicht, da schrie etwas, eine Eule? Oder gar ein Käuzchen um alle Klischees zu erfüllen? Ich lächelte. Die Fantasie einer Schriftstellerin ist eher nicht zuträglich bei solchen nächtlichen Unternehmungen. Gong, Gong, Gong, oh nein auch das noch Mitternacht, nun ist aber genug dachte ich und schritt schneller aus. Kaum war der letzte Glockenschlag verklungen, als ich die Gestalt hinter mit bemerkte. Das war zu viel. Eine Gänsehaut überzog meine Arme. Meine Beine verwandelten sich in Blei und in meinem Bauch raste eine Kugel vom Magen hinunter die aus Steinen zu bestehen schien.

Nun rannte ich beinahe, aber der Abstand blieb konstant. Aus den Augenwinkeln sah ich eine schmale Gestalt, die zu schweben schien, man vernahm nicht das kleinste Geräusch. Sie war links hinter mir. Links? Sagte ich links? Rechts. Verwirrt drehte ich den Kopf. Links und rechts hatte ich plötzlich Begleiter. Sie sind dir überlegen raunte es in meinem Kopf, nun hilft nur die Flucht nach vorn. Abrupt blieb ich stehen und wendete mich um. „Was wollen sie“, sprach ich die Gestalten an. Mein Herz setzte aus. Skelette, es waren Skelette und wie es aussah gesellten sich immer mehr hinzu.

„Na hören sie mal junge Dame, sie besuchen uns doch wie mir scheint und nun fragen sie was wir von ihnen wollen? Das hier ist unser zu Hause, ich zum Beispiel wohne dort hinten unter dem großen Ahornbaum, Gruft Nummer 137a. Aber Verzeihung, ich habe mich nicht einmal vorgestellt. Hubert Krahwinkel mein Name, Doktor Hubert Krahwinkel.“ Verwirrung hatte mich ergriffen. „Und warum sind sie nicht……..was machen sie denn“, stammelte ich verwirrt. Ein sonores Lachen ertönte. „Schulze“, verneigte sich ein anderes Skelett. „Was wir hier machen? Wir lustwandeln. Es ist schon ziemlich langweilig das Leben hier. Sehen sie nur, das ist Jacob, der hat ein Hemd gefunden.“ Er zeigte auf einen Gefährten der ein kariertes Arbeiterhemd trug. Stolz kam er damit zu mir, es schlotterte um seine Gestalt. „Nur ein kleiner Riss und der Mann hat es weggeworfen“, teilte er mir mit. „Dabei frieren wir hier oft so sehr.“ Er schlotterte mit den Knochen. „Ach je, kann ich helfen? Soll ich einige Pullis bringen“, bot ich an? Einige klatschten in die Hände. „Oh ja bitte.“ Der Doktor verneigte sich wieder und versuchte meine Hand zu küssen. „Wenn sie das könnten das wäre einfach wunderbar, sie dürfen dann an unserer Party teilnehmen. „Party“, fragte ich nach? „Ja hier in der Friedhofskapelle, kommst du Morgen um Mitternacht wieder?“ „Na wenn ich so charmant eingeladen werde“, entgegnete ich, aber nun muss ich heim schlafen. Angewidert schüttelte sich mein Begleiter. „Schlafen müssen wir immerzu, nur von Mitternacht bis ein Uhr sind wir frei. Ich begleite sie zum Tor, man weiß ja nie wer sich hier im Dunkeln herumtreibt“, kicherte er und bot mir galant seinen Armknochen. Unsicher und vorsichtig ergriff ich ihn. „Bis Morgen“, verabschiedete ich mich in die Runde. Am Tor wurde ich noch einmal gefragt ob ich auch ganz sicher wieder komme. Das bejahrte ich und lief heim.

Am anderen Tage fragte ich mich ernsthaft ob ich das nicht geträumt habe. Aber das ließ sich ja leicht feststellen. Ich packte einiges zusammen, von dem ich annahm, dass es Skelette erfreuen würde. Einige Pullis, einen Schal, eine Taschenlampe und ein Buch gegen die Langeweile. Außerdem Konfetti, Luftschlangen und Seifenblasen. Kaum konnte ich es erwarten und der Zeiger rückte so langsam vor. Endlich machte ich mich kurz vor Mitternacht mit meinem prallen Rucksack auf den Weg. Vor dem Tor hielt ich inne. Was machte ich eigentlich hier? Wenn mich jemand sehen würde, die würden mich in die Klapse einweisen. Da ertönte die Glocke. Punkt auf den letzten Glockenschlag erschien mein Bekannter von gestern um mich zur Kapelle zu begleiten.

Sanfter Lichtschein fiel heraus. „Dürfen wir denn Licht machen, wenn das nun jemand bemerkt“, wollte ich wissen? Langsam öffnete sich die Türe. Alle hatten ihre Grablichter mitgebracht und in der Kapelle verteilt. Es sah so feierlich aus. Kaum hatte ich einen Fuß hinein gesetzt ertönte sanfte Orgelmusik. Sie hatten die Bänke zur Seite geschoben und ein Paar betrat die freie Fläche. Er hielt eine zierliche Skelett Frau in seinen Armen und sie hatte eine Blume in den Gehörgang geschoben. Graziös bewegten sie sich zur Musik. Wie schön das aussah.

Etwas pickte mich in die Seite. „Hast du uns was mitgebracht“, wollte ein Kinderskelett wissen? Oh ja, ich packte meine Schätze aus und war im Nu umringt. Gern verteilte ich die Sachen. Der Kleine bekam die Seifenblasen. „Soll ich dir helfen“, bot ich ihm an? „Nein das kann ich noch“, meinte er und drehte an dem Verschluss. Dann nahmen seine zierlichen Fingerknöchelchen den Spender und es durchzuckte mich. Der Atem, er hatte keinen Atem. Doch er war nicht dumm. Schnell zog er ihn durch die Luft und die Blasen bildeten sich. Er jubelte. „Das ist eine tolle Nacht. Alle hatten ihren Spaß, einige trugen Pullis und der Doktor hatte sich elegant den Schal um den Knochenhals geschlungen.

Plötzlich hörten wir es klackern. Was war denn das? Neugierig blickte ich mich um. Da saß eines der Skelette und las in dem Buch. Ich hatte ein Vampir Buch ausgewählt und nun schlugen ihm die verbliebenen Zähne aufeinander.

„Darf ich bitten“, forderte der Doktor mich auf. Ich zögerte, wollte ihn aber auf keine Fall beleidigen. So begab ich mich mit ihm zum Tanze. Wie herrlich weich sich Fleisch anfühlt“, merkte er an „und wie warm und angenehm dein Atem ist.“ Ich zuckte zurück. „Kein Angst lachte er, nur nostalgische Erinnerungen. Das Leben hier hat auch seinen Reiz. Ja nun wo ich hier in dem illustren Kreise saß nahm ich das auch an.

Ich sah mich nach dem Knaben um, er amüsierte sich immer noch mit den Blasen. Als er meinen Blick bemerkte gesellte er sich zu mir. „Bist du traurig tot zu sein“, sprach ich das Thema vorsichtig an. Er dachte nach, dann schüttelte er den Kopf. „Zuerst war es schlimm, ich vermisste meine Familie und hier waren mir alle fremd, aber dann habe ich mich daran gewöhnt und nun ist es echt krass hier.“ „Du redest wie die lebenden Kinder“, wunderte ich mich. „Na wir hören sie ja auch immer“, klärte er mich auf. Dann konzentrierte er sich wieder auf sein Spielzeug und ich überlegte ob ich noch jemanden eine Freude machen könnte. Was hatte ich noch in meiner Tasche? Eine Nagelbürste.

Die Dame mit der Blume näherte sich und starrte begierig darauf. „Möchten sie sie haben“, wollte ich wissen? Sie nickte so heftig mit dem Kopf das ich Angst bekam er würde abbrechen. Als ich ihr sie gab fing sie an ihre Armknochen abzubürsten und seufzte wohlig. „Aaaaaaaaah ein wenig Hygiene was habe ich das vermisst. Ihr Begleiter starrte verzückt auf die bleichen blanken Knochen und küsste sie.
Plötzlich kam Tumult auf. Einer der Gestalten hatte ein Häschen gefangen und hielt es an seinen langen Ohren. Es zappelte hin und her. „Was machen sie da? Lassen sie sofort das Häschen los“, schimpfte ich. „Ja aber die fressen uns immer die Blümchen ab“, entrüsteten sich die Anwesenden. „Was sollen sie denn auch machen wenn sie Hunger haben“, wollte ich wissen? „Ihr habt keinen Hunger mehr, aber die Tiere.“ Betroffen blickten sie mich an und das Häschen wurde auf den Boden gesetzt wo es sofort das Hasenpanier ergriff.

Auch für mich war es nun Zeit heimzugehen, daher verabschiedete ich mich und versprach mal wieder vorbei zu kommen. Eines weiß ich nun genau, Angst brauchen wir keine zu haben vor dem Sterben, denn es geht immer weiter.
©By Gitte
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8 Kommentare
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Gudrun Wirbitzky aus Bochum | 09.06.2017 | 08:20  
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Herbert Lödorf aus Gelsenkirchen | 09.06.2017 | 08:53  
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Luzie Schröter aus Fröndenberg/Ruhr | 09.06.2017 | 09:21  
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Gitte Hedderich aus Herten | 09.06.2017 | 16:20  
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Christiane Bienemann aus Kleve | 09.06.2017 | 19:09  
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Bernfried Obst aus Herne | 09.06.2017 | 21:13  
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Gitte Hedderich aus Herten | 10.06.2017 | 07:57  
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Bruni Rentzing aus Düsseldorf | 13.06.2017 | 07:19  
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