Oskar reif

Anzeige
Oskar reif!
In der vergangenen Woche rief meine Cousine an und wollte wissen, ob wir Lust hätten das folgende Wochenende mit ihr und ihrem Mann zu verbringen.

Mein Cousin und sie besitzen eine kleine Makleragentur und es war ihnen gelungen ein begehrtes Grundstück in Hamburg zu erwerben. Das darauf stehende Haus sollte abgerissen werden.

„Wir haben ein Ferienhaus gemietet und dachten ein schönes Wochenende mit euch zu verbringen. Am folgenden Tag müssen wir zu dem alten Haus, um im Keller die Sicherungen zu entfernen. Wenn das Haus abgerissen wird, soll es schließlich nicht in Flammen aufgehen. Es ist ein altes Spukhaus, na habt ihr Lust“, wollte Suse wissen? „Na du verstehst es die richtigen Knöpfe bei mir zu drücken“, lachte ich. „Abgemacht, gerne.“ Wir sind Samstag um die Mittagszeit bei euch, dann geht es los“, antwortete Suse. „Bis denn“, entgegnete ich und legte den Hörer auf.

Samstag schleppte ich eine Reisetasche zum Auto, als Suse und Jörg vorfuhren. „Sag mal, was hast du denn vor“, wollte sie wissen, kaum dass sie den Wagen verlassen hatte. „Wiesoooooo“, meinte ich mit unschuldigem Augenaufschlag? „Ein Tag“, klärte Suse mich auf, „ich sagte wir fahren Morgen zurück, wozu die große Tasche? Ich hakte mich bei Suse ein. „Da ist er wieder, der Generationskonflikt, vermutete ich. „ Morgen ist Sonntag, Feiertag, da macht man sich fein. Da ist mein Kostüm drin.“ Ein breites Grinsen entstand um Suses Mund. Kopfschüttelnd stieg sie ins Auto. “Abfahrt, du änderst dich nie“, kommandierte sie. „Na du ja auch nicht“, gab ich zurück und los ging es. Außer dem üblichen Stau vor dem Elbtunnel gab es nichts Aufregendes auf unserer Fahrt.

Am frühen Abend erreichten wir das Ferienhaus. „Na, gefällt es euch“, wollte Suse wissen? „Edel, wie erwartet“, entgegnete ich. Zum Abendbrot hatte ich eine Schüssel Kartoffelsalat mitgebracht und Frikadellen, nach dem Essen meinte Suse: „Nun gehen wir zum gemütlichen Teil über“ und stellte eine Flasche Wein auf den Tisch. Jörg zauberte eine Flasche Whisky für sich und meinen Mann Jürgen hervor. „Na wenn die Männer einen dicken Kopf brauchen, lassen wir sie halt“, lachte Suse. Es wurde wie immer ein toller Abend mit viel Gelächter. Zur vorgerückten Stunden steckten die Männer immer öfter die Köpfe zusammen und flüsterten miteinander. Suse und ich grinsten. Dann verabschiedeten sie sich. „Wir gehen noch eine Runde um den Block“, meinten sie. Es dauerte eine ganze Weile bis sie wieder kamen und danach gingen wir zu Bett.

Am folgenden Morgen war ich wie immer früh auf den Beinen. Nach der Morgentoilette setzte ich mich still mit einem Buch hin um niemanden zu stören. Gegen acht Uhr erschien Suse schon. „Weißt du was, ich mache mich schnell zurecht und dann gehen wir schon zum Haus und entfernen die Sicherungen“, schlug sie vor, „dann haben wir noch Zeit für einen Spaziergang.“
„Prima Idee“, stimmte ich sofort zu. Gesagt, getan. „Ist es weit“, wollte ich wissen, als Suse und ich leise das Haus verließen? „Nein, gleich hier in der nächsten Straße“, gab mir Cousinchen Bescheid. Das Haus das sie dann aufschloss sah wirklich ein wenig gruselig aus, vielleicht bildete ich es mir auch nur ein. „Sag mal, was ist denn hier passiert“, wollte ich nun doch wissen? „Später“, wehrte Suse ab. „Sonst bekommst du noch Angst und gehst nicht mehr mit.“

So früh am Sonntag morgen waren die Straßen noch Menschenleer. Das Geräusch des Schlüssels tönte überlaut in meinen Ohren. Da die Sicherungen noch vorhanden waren schaltete Suse das Licht ein. Und da sah ich es. In der Diele, einige Meter von uns entfernt saß sie. Zuvor solltet ihr Wissen, das es drei Dinge gibt, vor denen ich mich fürchte. Zahnarzt, Spritzen und Spinnen. Hier saß ein Prachtexemplar. „Niemals gehe ich an diesem Vieh vorbei“. Entsetzte ich mich. „Das ist eine Vogelspinne, eine schwarze Witwe, oder so etwas.“ Suse schüttelte sich auch, aber sie hatte sich besser im Griff. „Komm schon du Memme“, meinte sie, die frisst und schon nicht.“ Ich schob die Unterlippe vor. „Nur über meine Leiche.“ Suse seufzte. „Gibt es irgendetwas, das ich tun kann damit du mitkommst“, wollte sie wissen? „Nimm mich auf den Arm“, verlangte ich.“ Suse betrachtete mich, als zweifle sie nun echt an meinem Verstand. „Dir ist schon klar, dass du keine 50KG mehr wiegst, wie vor dreißig Jahren“, spottete sie? „Und wenn schon“, antwortete ich pikiert. „Warum soll ich dich tragen“, fragte Suse mit einer Engelsgeduld nach. „Also Spinnen können schnell laufen, aber nicht springen. Wenn nun vier Beine an ihr vorbeihuschen, besteht eine fünfzig prozentige Chance dass sie mich erwischt. Wenn es nur deine Beine sind, kann ich davon hüpfen. Außerdem trägst du Hosen“, grinste ich und streckte meine Arme verlangend nach ihren Hals aus. Suse packte mich bei der Taille und wie einen Kartoffelsack lud sie mich auf ihre Schultern. Ehe ich mich versah, ließ sie mich relativ unsanft auf den Boden herunter, ein Stück hinter der Spinne, die sich im Übrigen nicht gerührt hatte.

Nun standen wir vor der Kellertür. Suse öffnete sie und betätigte den Lichtschalter. Meine Augen die neugierig hineingespäht hatte wurden groß. „Fllllll“, begann ich. „Was ist denn nun schon wieder los“, wollte Suse nun schon ein wenig ärgerlich wissen? „Fledermäuse“, bekam ich nun raus. Da hängen Fledermäuse“, schauderte ich. Suse schaute nach. „Nur zwei“, entgegnete sie. Auffordernd blickte sie mich an. „Never ever“, ich winkte, mit beiden Händen ab. „Denk mal nach“, forderte nun Susi, „Unsere Männer lachen sich krank, wenn wir denen das erzählen.“ Das war ein Argument, ich dachte nach. „Ich hab es, aber wehe du erzählst das irgendjemanden, dann bist du tot“, drohte ich ihr. Suse schaute gespannt. Fledermäuse setzten sich in die Haare und krallen sich fest, stimmt es?“ Suse nickte. Blitzschnell zog ich meine Miederhose aus und stülpte sie über den Kopf. Suse schaute erst verwundert, dann brüllte sie los. „Mann, siehst du bescheuert aus.“ „Warte bis du mich anflehst dir die Fledermaus aus deinen Haaren zu rupfen“, erinnerte ich sie an unser Problem. Sofort wurde sie still und gluckste nur noch vor sich hin. „Was mache ich“, wollte sie nun wissen? „Warte“, meinte ich und wühlte in meiner Handtasche. Vier Tempo Tücher knotete ich zu einem Tuch zusammen und reichte es ihr. „Das hat Oma mal als Sonnenschutz in einem Boot auf dem Traun see so gemacht“, erklärte ich ihr meine Konstruktion. „Denk an den Spott der Männer“, erinnerte ich sie. „Besser als nichts“, meinte sie todesmutig, spülte das Gebilde über und dann hasten wir die Treppe hinunter. Die Fledermäuse rührten sich nicht.

Vor einer Eisentür blieb Suse aufatmend stehen. „Hier hinter ist es“, meinte sie. Sie öffnete die Türe und erzählte dabei. „Wundere dich nicht über die Badewanne, hier hat ein Kinderschänder gewohnt. Nachdem er die Kinder missbraucht hat, ließ er ihre Leichen in der Wanne ausbluten. Schlotternd folgte ich ihr. Dann sah ich die Wanne und in ihr blutige Handabdrücke. Das war nun eindeutig zu viel. Mit einem Schrei drehte ich mich um und wollte flüchten. Die Hand schon auf dem Tür Knauf, als Suse mich zurück riss. Leider ließ ich den Knauf nicht los und die schwere Eisentür fiel ins Schloss. „Nein“, stöhnte Suse, nicht das auch noch. „Schließe auf“, bat ich nun schon leicht hysterisch. „Geht leider nicht, schau mal, die Türe hat von innen kein Schloss.“ „Dein Handy“, erinnerte ich sie. Sie wühlte es nervös hervor, um gleich danach zu seufzen: „Kein Empfang.“ Das war zu viel, schluchzend sank ich in die Knie. Dabei fiel mein Blick auf die blutigen Abdrücke und ich stutzte.

„Schau mal.“ Aufgeregt stieß ich Suse in die Seite. „das ist überhaupt kein Blut, viel zu hell, wie Lebensmittelfarbe für meine Cup Cakes. Vor der Türe klatschte jemand in die Hände und dann öffnete sie sich wie von Zauberhand. Jörg betrachtete uns grinsend. „Euer Retter ist da“, meinte er. Er entfernte die Sicherungen, wegen denen waren wir ja schließlich hier. Bevor wir das Haus verlassen solltet ihr eure seltsamen Kopfbedeckungen entfernen“, grinste er, dann stieg er vor uns die Treppe hinauf, im Vorbeigehen pflückte er eine der Fledermäuse ab. „Gummi“, erklärte er uns, „Requisite.“ In der Diele nahm er die schreckliche Spinne hoch. „Nur eine Haut“, meinte er, „bekommt man im Zoo, mit Haarspray wieder in Form gebracht.“

Fassungslos waren wir ihm gefolgt. „Warum das Ganze“, wollte ich wissen? „Die Kunstfakultät hat einen Wettbewerb ausgeschrieben, man möchte einen witzigen Horrorfilm und den haben wir gerade gedreht.“ Mit diesen Worten wies er mit dem Finger auf eine Kamera unter der Decke.
Ich senkte meinen Kopf und wie ein angriffslustiger Stier stieß ich ihn vor die Brust. Er ging in die Knie und bekam von der wütenden Susi ihre Tasche auf den Kopf. Als ich mich gefangen hatte hockte ich mich neben ihn. „Weißt du wo ich in diesem Jahr Urlaub mache“, fragte ich sanft? Verdutzt schüttelte er den Kopf. „In Haiti, dort erlerne ich die Kunst des Voodoo und du wirst mein erstes Opfer, wenn du es wagst diesen Film jemanden zu zeigen.“ Susi grinste und Jörg nickte eifrig mir den Kopf. “Verstanden.“

Wir stiegen in den bereitstehenden Wagen. Unterwegs fragte Jörg leise, „würdest du die Miederhose noch einmal aufsetzen?“ das brach den Bann und wir brüllten vor Lachen, hoffentlich hat uns keine gesehen, sonst kommen noch die Männer mit den weißen unbequemen Jacken vorbei.

By Gitte
4
Diesen Mitgliedern gefällt das:
6 Kommentare
15.299
Christiane Bienemann aus Kleve | 12.05.2017 | 07:09  
30.380
Gudrun Wirbitzky aus Bochum | 12.05.2017 | 07:28  
11.036
Herbert Lödorf aus Gelsenkirchen | 12.05.2017 | 09:26  
6.647
Gitte Hedderich aus Herten | 12.05.2017 | 10:08  
59.340
Bruni Rentzing aus Düsseldorf | 13.05.2017 | 09:28  
6.647
Gitte Hedderich aus Herten | 13.05.2017 | 12:02  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.