Stimmen 2

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Stimmen 2!

Gina lebte nun schon seit einigen Jahren in Deutschland. Auch sie hatte
eine kleine Tochter von Gregor bekommen und die Kleine nach ihrer Großmutter Sophia genannt.
Sophia besuchte schon die Schule und sie erinnerte Gina an ihre eigene Kindheit, sie ist genauso verträumt und hübsch wie ihre Mutter. Auch das Hören der inneren Stimmen hat sie von ihr geerbt.
Gina hatte sie oft mit ihnen sprechen hören, als Sophia noch klein war.

Seit nun Sophia zur Schule ging, hatte Gina viel Langeweile, Freundinnen hatte sie hier in diesem fremden Land keine gefunden und da sie nicht viel erlebte, hatten auch die Stimmen kaum noch Grund, sich zu melden.

Eines Tages jedoch, als Gregor von der Arbeit heimkam, sagten die Stimmen in ihrem Kopf… FRAG IHN! ….
Verdutzt hörte Gina das, was sollte sie? Gregor fragen? Immer wieder im Laufe des Tages hörte sie in ihrem Kopf: … FRAG IHN! ...

Nachdem sie die erste Verwunderung überwunden hatte fragte sie in Gedanken zurück…. Warum soll ich das tun? …..
…… Er hat eine andere …. sagten die Stimmen.

Gina täuschte Kopfschmerzen vor und ging früh zu Bett. In ihrem Kopf summte es wie in einem Bienenstock, was sollte sie nur machen? Sie weinte und grübelte, irgendwann kam Gregor leise ins Bett. Lange fand Gina keine Ruhe.
Am anderen Morgen betrachtete Gregor sie und meinte: „Du siehst blass aus, fehlt Dir etwas?“
Stumm schüttelte Gina den Kopf.
Nachdem Gregor zur Arbeit gegangen war, verrichtete sie mechanisch ihr Tagewerk. Sie bereitete das Frühstück für Sophia und nachdem diese zur Schule gegangen war, versorgte sie den Haushalt. Danach setzte sie sich hin und konzentrierte sich auf ihre Freunde, die Stimmen.
….Was soll ich nur machen … wollte sie von ihnen wissen.
…. Hole ihn von der Arbeit ab …. rieten sie ihr. Da Gina immer schon den Stimmen vertraute, beschloss sie, auch dieses Mal ihrem Rat zu folgen.

Sophia hatte sich am Nachmittag mit ihren Freundinnen verabredet, Gina machte sich zurecht und begab sich auf den Weg zu Gregors Firma. Fast am Ziel angelangt, hörte sie den Befehl: … Halte an und verstecke Dich …
Es kam Gina zwar albern vor, aber dennoch befolgte sie den Rat und suchte Schutz in einem Hauseingang schräg gegenüber der Firma. Nach und nach verließen die Angestellten das Gebäude. Gregor war einer der letzten; Gina wollte schon zu ihm eilen, als sie die Frau sah, die knapp hinter ihm ging. Sie lachte, zog ihn zur Seite, legte die Arme um seinen Hals und küsste ihn übermütig. Wut kroch in Gina hoch, sie hatte alles für Gregor aufgegeben, ihre Heimat, ihre Familie, nun saß sie hier in einem fremden Land, versorgte sein Kind und seinen Haushalt und er betrog sie.

… Das ist sie … hörte sie nun auch noch zu allem Überfluss wieder die Stimmen. Was soll ich nur machen, dachte Gina verzweifelt und Tränen des Schmerzes, aber auch der Wut rannen über ihre Wangen.
… Wir werden dir helfen … hörte sie.
… Nun geh heim und lass dir nichts anmerken…

Gina schaffte es und nachdem sie den Abend herumbekommen hatte, befragte sie in der Nacht die Stimmen.
… Gregor hat morgen frei …. hörte sie .. Er wird aber wie immer zur Arbeit gehen, er ist mit Maria verabredet und sie wollen den Tag gemeinsam verbringen. Warte eine Stunde und dann rufst Du in der Firma an, sie werden Dir sagen, er ist nicht da, Du verlangst dann seinen Chef und erzählst ihm, daß Du Deinen Mann dringend in einer Familienangelegenheit erreichen musst….Der Chef wird nachforschen und ihm auf die Schliche kommen. Er ist selbst glücklich verheiratet und hat für Verhältnisse kein Verständnis …


Am anderen Tag kam Sophia schon nach kurzer Zeit aus der Schule heim, sie war mit dem Fuß umgeknickt und so hatte Gina tatsächlich einen Grund, den Anruf in die Tat umzusetzen. Als Gregor am Abend heimkam, saß Sophia mit einem Verband um den verletzten Knöchel vor dem Fernseher. Gina berichtete ihm von ihrem Anruf und fragte ihn: „Wo warst du, als ich dich brauchte?“
Gregor sah ziemlich unglücklich aus. „Wir müssen reden“, meinte er. „Das glaube ich auch“, gab Gina gereizt zur Antwort. „Erzähl mir von Maria“.
Gregor schaute verdutzt. „Du weißt davon? Wer hat es Dir gesagt?“ wollte er wissen.
„Man hat es mir berichtet“, gab sie zurück.
„Aber wer? Du kennst doch hier niemanden. Weißt Du, Du bist immer so ernst und still und Maria ist fröhlich, man kann mit ihr lachen und Spaß haben“, erzählte Gregor unglücklich.

„Was geschieht nun?“ fragte Gina bekümmert.
Gregor senkte traurig den Kopf.
„Weißt Du, ich liebe Dich und Sophia. Aber das ist zu wenig. Ich möchte manchmal frei und unbeschwert sein. Du aber willst am Abend gern daheim bleiben, aber das reicht mir nicht mehr, ich möchte tanzen und lachen und fröhlich sein.“
„Am Anfang konntest Du das mit mir“, gab Gina zurück.
„Es tut mir leid. Ich glaube, es ist das Beste, wenn wir uns eine Weile trennen, damit ich mir über meine Gefühle klar werden kann“, sprach Gregor. Gina beobachtete fassungslos, wie er damit begann, einige seiner Sachen in eine Reisetasche zu packen.
Er sah sie zum Abschied nur kurz an und senkte dann den Blick; er wollte ihre Tränen nicht sehen. Gina ließ sich in einen Sessel fallen und begann, nachzudenken.


„Wo ist Papa hin?“ erkundigte sich Sophia, die unbemerkt das Zimmer betreten hatte.
„Papa wollte noch ausgehen, bitte geh zu Bett“, gab Gina ihr zur Antwort. Sophia küsste sie herzlich und wünschte ihr eine gute Nacht. Oh ja, die würde sie haben. Sie wusste plötzlich genau was sie machen würde.

….. Nein … ! tönte es laut und deutlich in ihre Gedanken.
Doch! Zum ersten Mal in ihrem Leben setzte Gina den Stimmen Widerstand entgegen. Entschlossen ging sie ins Bad. Sie nahm das starke Migräne Mittel und einige Schlaftabletten und mixte sich einen tödlichen Cocktail.

… Lass das, Gina! … befahlen die Stimmen … zieh Dich an und geh zur Kirche! ...
Gina lachte bitter, was sollte sie da. Ihr Leben hatte ohne Gregor seinen Sinn verloren. Sie trank das bittere Gebräu in einem Zug leer und legte sich auf das Sofa. Dort dämmerte sie hinüber in eine bessere Welt, so glaubte sie. Benommen erwachte sie und fand sich auf einer grünen Wiese inmitten von wunderbaren Blumen wieder.
„Wie komme ich hier hin?“ fragte sie sich. Als sie sich aufrichtete bemerkte sie die Gestalt neben sich. Sie kam ihr seltsam vertraut vor.

„Willkommen, Gina!“ hörte sie die altvertraute Stimme in ihrem Kopf.
„Du bist das also!“ antwortete Gina verwundert.
Nun hatte die Stimme ein Gesicht.
„Ja, Gina. Ich bin es, Sophia, Deine Urgroßmutter. Ich wurde zu deinem Schutzengel bestimmt, feinsinnige Menschen hören immer die Stimme ihres Engels in ihrem Inneren. Leider hast du am Ende nicht auf mich gehört.“
„ Was sollte ich denn in der Kirche! Dass hätte mir auch nicht geholfen!“ entgegnete Gina.


Milde lächelte Sophia und strich mit der Hand leicht über die Erde. Der Boden wurde durchsichtig wie Glas und Maria blickte in die Kirche.
Ein Mann saß dort und Tränen liefen ihm über das Gesicht.
„Wer ist das?“ wollte Gina wissen.
„Dieser Mann wurde von seiner Frau verlassen, er wäre dein neuer Mann geworden, mit dem Du sehr glücklich geworden wärst. Wir Schutzengel wissen eben doch manches besser, als Ihr Erdenkinder..“
„Glücklicher als mit Gregor?“ fragte Gina kleinlaut.
„Viel glücklicher!“ bestätigte Sophia.



„Was wird jetzt mit mir geschehen?“ wollte Gina wissen.
Sophias Arm fuhr durch die Luft und plötzlich hatte sie ein Paar wunderschöner weißer Flügel in der Hand.
„Aus mir soll ein Engel werden?“ staunte Gina „Aber ich habe Selbstmord begangen, wie kann das sein?“
„Selbstmord ist eine schlimme Sünde. Aber die Strafe wird Deine Tochter bekommen, denn das ist die größte Strafe für eine Mutter.“
Entsetzt blickte Gina Sophia an: „Kann ich Gott um Vergebung anflehen?“ wollte sie wissen.
„Sicher“, entgegnete Sophia. „Du kannst noch viel mehr tun, nämlich der Schutzengel für Dein Kind sein.“
„Das kann ich nicht, dazu bin ich nicht weise genug.“ sprach Gina.
„Doch, glaube mir, das bist Du! Wenn ich dir die Engelsflügel anlege, erlangst Du durch sie die Weisheit. Die Flügel sind nicht nur zum Fliegen gedacht, sie geben den Engeln Weisheit und Macht.“
„ Wer war denn der bisherige Schutzengel meiner Tochter?“ fragte Gina.
„Na, das war meine Aufgabe und ich bin sehr froh, nun Hilfe zu haben.“

Ehrfürchtig senkte Gina den Kopf und ließ sich die Flügel anlegen. Ein Gefühl von Liebe und Glück durchfuhr sie, sie würde ihre Arbeit mit Freuden machen und auf ihr Kind Acht geben.
Hoffentlich hört Sophia immer auf ihre inneren Stimmen und handelt nicht so töricht wie ihre Mutter.
Ginas erste Aufgabe war es, sie zu trösten, denn sie trauerte sehr um ihre geliebte Mutter, die sie viel zu früh verloren hatte.


© By Gitte
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5 Kommentare
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Luzie Schröter aus Fröndenberg/Ruhr | 24.02.2017 | 14:12  
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Gudrun Wirbitzky aus Bochum | 24.02.2017 | 15:01  
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Melanie Busche aus Menden (Sauerland) | 24.02.2017 | 16:58  
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Herbert Lödorf aus Gelsenkirchen | 24.02.2017 | 22:19  
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Gitte Hedderich aus Herten | 25.02.2017 | 11:34  
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