Zu verkaufen ein schneeweißes Brautkleid

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Zu verkaufen ein schneeweißes Brautkleid!

Als ich den Zuschlag bekam, konnte ich es kaum glauben. Ein Nachthemd von Victoria Secret für nur 3,99€. Die Bilder zeigten einen Traum in weiß. Ob es daran gelegen hatte das es Sonntag Nachmittag war und meinen Erfahrungen nach man zu dieser Zeit, noch dazu bei schönem Wetter bei Ebay die tollsten Schnäppchen machen konnte. Aber das niemand ein Höchstgebot bei diesem wunderbaren Teil drin hatte, erstaunte mich schon. Sieh dir das nur an, bat ich meinen Mann. „Das schickt er dir nie, warte es nur ab“, meinte er. Verstehen konnte ich das, aber ersteigert war schließlich ersteigert, oder?

Einige Tage vergingen und ich schrieb den Verkäufer an, wo meine Ware bliebe. Bezahlt hatte ich natürlich sofort. Oh je, ich finde es nicht schrieb er zurück, sicher ist es gestohlen worden, ich sende ihnen den Betrag zurück, bekam ich Antwort. Es wäre ja auch zu schön gewesen, aber verstehen konnte ich ihn.

Zwei Tage später schellte der Paketbote bei mir, dabei erwartete ich doch gar nichts. Als ich auf den Absender schaute erblickte ich die Adresse des Nachthemd Verkäufers. Erstaunt nahm ich das Päckchen an und kaum war der Postbote fort riss ich es auf. Es war in eine durchsichtige Hülle gepackt und schon durch diese schimmerten mir unzählige Perlen entgegen, ich öffnete es und war wie erschlagen. Das war keine Nachthemd, das war ein Brautkleid. Ein schneeweißes Satin Brautkleid. Das Oberteil mit Spitze überzogen und mit tausenden kleiner Perlen besetzt. Der Rücken hatte ab der Taille einen plissierten Einsatz und auch die Schleppe fehlte nicht. Das war das Feinste vom Feinen. Immer wieder streichelte ich den glatten Stoff und vergewisserte mich so, das dieses Traumstück wirklich mir gehörte. Aber wann trug man so etwas? Für das Bett war es einwandfrei viel zu schade. Allein der herrlich Perlenbesatz würde einer Beanspruchung kaum standhalten. So hängte ich es erst einmal in meinen Schrank. Mein Mann bewunderte das Teil zuerst und danach Freunde und Verwandte.

Zu unserer Silber Hochzeit war es dann soweit, ich trug dieses wunderschöne Kleid zur Nacht. Am Morgen lagen einige Perlen in meinem Bett. Hatte ich es doch gewusst das dieses Gewebe den Schlafbewegungen nicht gewachsen war. So kam es nach dem vorsichtigen Waschen wieder in den Kleiderschrank.
Einige Jahre vergingen. Immer mal wieder nahm ich es bewundernd heraus und hängte es dann seufzend wieder weg. Eines Tages nun, nachdem ich den Schlager: Zu verkaufen, ein schneeweißes Brautkleid gehört hatte, entschloss ich mich dazu mich davon zu trennen.

So setzte ich dieses Traumkleid per Inserat ein. Es vergingen einige Tage, mein Mann war zum Einkaufen, als es kurz darauf schellte. Ich öffnete und ein Mann kam die Treppe hoch. Er trug eine Kamera um den Hals. „Ja bitte“, fragte ich ihn? „Ich komme wegen ihrer Annonce, ich hoffe das Kleid ist noch zu haben? Darf ich es einmal fotografieren?“ Schnell wollte ich die Türe schließen, aber der Mann kam mir zuvor, er stellte einen Fuß zwischen Tür und Angel. „Na na, nicht so schnell“, grinste er und schob sich an mir vorbei in die Wohnung. „Wo ist denn das gute Stück?“ „Im Schlafzimmer“, gab ich eingeschüchtert Auskunft und hätte mich im gleichen Moment am Liebsten auf die Zunge gebissen, denn wieder grinste er. “Okay, ein Foto und dann gehen sie wieder“, bestimmte ich. Ich legte das Kleid auf das Bett. Er pfiff durch die Zähne. „Tolles Teil“, meinte er. „Los, anziehen.“ „Was soll denn das, ganz sicher nicht“, ärgerte ich mich. „Weißt du, eine Puppe im Brautkleid hatte ich noch nie“, erklärte er mir. „Und trage einen knallroten Lippenstift dazu.

Meine Gedanken fuhren Achterbahn, was sollte ich nur machen? „Na du bist mir ja einer“, tat ich ganz cool. „Dann mal raus mit dir.“ „Weshalb denn das, was soll das“, wollte er wissen. „Na weißt du denn nicht, das der Bräutigam die Braut erst im vollendeten Staat sehen darf, also bitte“, komplimentierte ich ihn in die Diele. Er war so erstaunt, das er mich tatsächlich allein ließ. Leise zog ich die Gardine beiseite und öffnete das Fenster. Vor Angst war ich fast wie gelähmt. Das durfte nicht schiefgehen. „Noch nicht fertig“, wollte er ungeduldig wissen? „Einen ganz kleinen Moment noch“, bat ich und schwang mich über die Fensterbrüstung. Gott sei es gedankt, wir wohnten Parterre. Schnell wie der Blitz rannte ich zum Nachbarhaus, während ich hinter mir einen Wutschrei vernahm. In meiner Panik drückte ich alle Klingelknöpfe und der Summer ertönte. In Rekordzeit war ich im ersten Stock, wo mir entgeistert meine gute Bekannte entgegen blickte. „Schnell Marlies, bitte rufe die Polizei, in meiner Wohnung ist ein Psychopath“, rief ich außer mir vor Angst.

Nach nur zehn Minuten traf ein Streifenwagen ein. Als ich die Geschichte geschildert hatte bat mich der Beamte ihn in meine Wohnung zu begleiten. Die Türe stand offen, er bat er mich zu warten und ging mit gezogener Waffe hinein. „Bitte kommen sie, die Wohnung ist leer“, bat er mich. Er stand im Schlafzimmer vor dem völlig zerschnittenen Kleid, „So hätten sie vielleicht jetzt ausgesehen“, meinte er Und nachdem er es sich genauer angesehen hatte: „Schade um das wunderbare Kleid.“ „Bitte nehmen sie es mit“, bat ich ihn. „Das muss ich auch, wegen eventueller Spuren“, erklärte er mir.

Bleibt nur noch zu erwähnen das ich nun ohne Sprechanlage nicht mehr die Türe öffne.
By Gitte
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5 Kommentare
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Luzie Schröter aus Fröndenberg/Ruhr | 04.08.2017 | 10:00  
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Gudrun Wirbitzky aus Bochum | 04.08.2017 | 10:07  
7.095
Gitte Hedderich aus Herten | 05.08.2017 | 07:40  
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Gitte Hedderich aus Herten | 06.08.2017 | 06:44  
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Bruni Rentzing aus Düsseldorf | 07.08.2017 | 12:35  
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