Zwischen Himmel und Hölle

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Zwischen Himmel und Hölle
Big Willy war krank, sehr krank um genau zu sein. Er lag hier in der Klinik und erwartete sein Ende.
Willy war ein Mensch wie viele, er hatte gute, aber auch schlechte Eigenschaften. Wo immer auf der Welt ein Kind Not litt setzte sich Willy dafür ein. Aber er war auch jemand der unbequeme Themen zur Diskussion stellte und dafür sorgte, dass es oft heiß her ging.

Das alles würde nun ein Ende haben. Willy glaubte zu wissen, es gab nichts nach dem Tode, also wartete er, dass sich diese undurchdringliche Schwärze auf ihn nieder senken würde.
Plötzlich nahm er ihn wahr, diesen Tunnel von dem sie alle immer redeten. Aber Willy war stur, nach dem Motto es ist nicht was nicht sein kann, ignorierte er ihn, irgendwann würde der Tunnel verschwinden und er hatte mal wieder Recht gehabt. „Er will einfach nicht gehen“, hörte er den Arzt sagen. „Wir schalten die Maschinen nun ab, es hat doch keinen Sinn mehr.“

Willy bemerkte nun, dass er mit sanfter Gewalt aufgehoben und in Richtung Tunnel geschoben wurde. Seufzend ergab er sich seinem Schicksal, er würde es ja doch nicht ändern können. Am Ende des Tunnels strahlte ihm das obligatorische Licht entgegen. Na das konnte ja heiter werden. Als Willy das Ende des Tunnels erreicht hatte, bemerkte er, dass der helle Schein von der metallischen Oberfläche eines Fahrstuhls stammte. Na wie sinnig, der würde ihn also nach unten befördern. Wenn schon Himmel und Hölle würde er dorthin gelangen, davon war er überzeugt. Er berührte die Türe und sie öffnete sich. Willy betrat den Fahrstuhl. Vergebens schaute er nach Knöpfen für die Fahrt Richtung. Keine da. Na also, die Richtung war schon vorgegeben und er erwartete das Gefühl, des Abwärts gleiten. Stattdessen ging es nach oben.

Die Türe öffnete sich und Willy schloss für einen Moment geblendet die Augen. Er stand in einem Licht durchflutetem Saal vor einem mächtigen Schreibtisch, hinter dem ein alter Mann hockte und mit einem goldenen Federhalter in ein großes Buch schrieb. Willy räusperte sich, er war es nicht gewohnt nicht beachtet zu werden. Der Mann reagierte nicht. Kurz entschlossen trat Willy vor und stupste ihn an der Schulter. Petrus, denn das war der alte Mann fuhr erschrocken zusammen und sein goldener Federhalter machte einen Klecks in das große, alte Buch. Zornig zog er seine Stirn in Falten. Aber Willy wäre nicht Willy, wenn ihm dass Angst gemacht hätte. Petrus richtete sich zu mächtiger Größe auf. Trotzig verschränkte Willy die Arme. „Hier bin ich nun“, sagte er. „Ja, da bist du nun“, erwiderte Petrus, „das sehe ich auch.“
„Da das alles so wieso nur ein Traum ist spiele ich nun mit, du bist also Petrus“, provozierend wippte er auf den Zehenspitzen. Petrus seufzte, was hatte der Chef sich nur dabei gedacht, der nahm in letzter Zeit auch alles an. „Wenn ich nun schon mal hier bin, schick mir doch gleich mal den Honecker und den Ulbricht her, mit denen hab ich noch ein Hühnchen zu rupfen“, forderte er Petrus auf. „Die beiden schmoren in der Hölle, was glaubst du denn“, gab Petrus Antwort. „Na, dann schick mich halt auch dahin“, verlangte Willy. Petrus atmete erleichtert aus. Das schien ja noch mal gut zu gehen. Er griff zum roten Telefon. „Diabolo? Petrus hier, ich habe hier den Willy, er will zu euch, ich sag nur schnell Bescheid und schick ihn dann runter.“ „Willy, sagtest du Willy?“ Petrus grinste. Es polterte, der Hörer schien ihm entglitten zu sein. Atemlos meldete sich Satan am anderen Ende. „Willy, meinst du den Willy“, wollte er wissen? Petrus Grinsen wurde stärker. „Dem habe ich nach seinem Autounfall die besten Ärzte zukommen lassen, wieso ist der schon hier? Das geht nicht, Überbelegung, verstehst du?“ „Stell dich nicht so an“, gab Petrus zurück. „Wir sind ein Dienstleistungs-Betrieb und keine Wünsch dir was Show“. Erleichtert legte er auf und begleitete Willy überaus höflich zum Fahrstuhl. Willy ging hinein und fuhr nach unten. Derweil spielten sich in der Hölle ergreifende Szenen ab. Nervös rannte der Teufel herum. „Tu was“, fuhr er Diabolo, seinen Diener an. „Mach irgendwas, ich will ihn nicht hier haben, der quatscht mich tot und diskutiert mich in Grund und Boden, ich will meine Ruhe, wie in den letzten zehntausend Jahren, ich bin alt und vertrag keinen Stress“, nun weinte er wirklich und wahrhaftig. Diabolo grinste, dass musste ja ein außergewöhnlicher Vogel sein, wenn Satan solche Panik schob. Er war schon sehr gespannt. Satan rannte zum Fahrstuhl. „Glotz nicht so blöd, fass an“, fuhr er Diabolo an und wuchtete aufgeregt sämtliches Mobiliar vor die Fahrstuhl Türe. Derweil hatte der Fahrstuhl sein Ziel erreicht. Zitternd, mit Angstschweiß auf der Stirn stemmte sich Satan gegen die Türe. Doch sie öffnete sich. Grimmig starrte Willy in das aufgetürmte Mobiliar. „Ist heut Sperrmülltag“, wollte er wissen? „Räumt den Plunder weg.“ „Bitte oh Herr“, flehte Satan. Was war das? Die diffuse Dunkelheit lichtete sich, der Fahrstuhl verschwand und Himmel und Höller vereinigten sich. Satan hatte gebetet, die Hölle gibt es nicht mehr und wer ist Schuld? Willy, wir danken dir.

© By Gitte
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3 Kommentare
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Andy Hosse aus Essen-Werden | 27.12.2015 | 11:12  
4.967
Gitte Hedderich aus Herten | 27.12.2015 | 11:26  
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Andy Hosse aus Essen-Werden | 27.12.2015 | 11:30  
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