Die Fifa Mafia - eine wahre Horrorgeschichte - Buchtipp

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Thomas Kistner hat akribisch seit Mitte der 90er Jahre über die Fifa recherchiert. (Foto: Droemer-Knaur)
Gegen die mörderisch-spannende „Fifa-Mafia“ von Thomas Kistner trudelt mancher Thriller harmlos am Nerv der Leser vorbei wie der erste Schuss eines nervösen Mini-Kickers vor dem Tor. Knallhart schießt der Sportjournalist die Verbrecher in Nadelstreifen und ihre schmutzigen Geschäfte mit dem Weltfußball ab. (Diese Rezension habe ich am 7. Juni 2012 auf Lokalkompass.de gepostet. Aus aktuellem Anlass stelle ich das Buch noch mal vor.)

Kistners Analyse ist messerscharf und geschliffen formuliert - eine Edelfeder. Auf Plattheiten und Übertreibungen, mit der manche Schreiber vor allem der Boulevard-Blätter arbeiten, verzichtet Kistner komplett.

Viele Skandale verfolgt der Autor bis in die letzten Verästelungen. Auch wenn man immer wieder von Korruptionsfällen liest und hört, diese umfangreiche Bloßstellung des „Paten“ Sepp Blatter, wie Kistner ihn nennt, und der wenig ehrenwerten Fifa-Familie ist in dieser Fülle wohl noch nie zusammengetragen worden.
Die ungesunden Verquickungen mit Interpol, die Freundschaft zu Menschen schindenden Diktatoren, die verhökerten WM-Austragungsorte, Zockerei um TV-Senderechte, manipulierte Wahlen, das Versorgen von Angehörigen und Freunden mit Ämtern, lukrativen Aufträgen und Luxusreisen für lau, dies alles listet Kistner auf und belegt es akribisch. Zu seinen Kronzeugen gehören so berühmte Persönlichkeiten wie Pelé. Das Buch ist eine gut begründete Anklage.

Fußballfans pfeifen Blatter zwar oft aus, aber ihr Geld fließt und fließt und fließt in die nicht einsehbaren Kassen der Organisation. Eine Handvoll Männer hat das Milliardengeschäft in der Hand. Ihr rechtlicher Status ist aber keineswegs höher als der eines Hobbyzüchtervereins. Trotzdem wird die Fifa von Politikern gehätschelt und vom Züricher Finanzamt geschont. Dass aber Staatsanwälte und Polizeibehörden wie das FBI Blatter & Co. schon längst auf die Zehen steigen, wird im Fußball-Taumel vergessen.

Thomas Kistner berichtet seit mehr als zwanzig Jahren über die kriminellen Machenschaften im und um das Milliardenunternehmen Fifa. Auch mit Vertretern der eigenen Zunft geht der Mann, Sportredakteur bei der Süddeutschen Zeitung, hart ins Gericht, wenn sie sich schmieren lassen oder die Ballkünstler wie Helden behandeln und jede kritische Distanz verlieren: „Sportjournalisten sind Fans, die es über die Absperrung geschafft haben.“

Thomas Kister: Fifa-Mafia, erschienen bei Droemer-Knaur. 432 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, 19,99 Euro. 978-3-426-27586-3
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4 Kommentare
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Theo Grunden aus Hamminkeln | 10.06.2012 | 15:31  
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Sabine Hegemann aus Essen-Steele | 28.05.2015 | 16:31  
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Sabine Hegemann aus Essen-Steele | 28.05.2015 | 16:33  
Kerstin Halstenbach aus Herten | 29.05.2015 | 09:58  
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