„Hilden ist etwas ganz Besonderes“: Interview mit Unicef-Gala-Organisator Heribert Klein

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Seit Jahrzehnten ist Heribert Klein unermüdlich für Unicef unterwegs. Unser Foto zeigt ihn mit dem Plakat für die Unicef-Gala 2014. (Foto: Archiv-Foto: Stephan Köhlen)

Heribert Klein ist unermüdlich für Unicef unterwegs. Mit dem Wochen-Anzeiger sprach er über Holzherzen, spontane Ideen – und natürlich über die Unicef-Gala, zu der Weltstars extra nach Hilden kommen.

Seit mehr als 30 Jahren sind Sie für Unicef unterwegs. Was hat damals den Ausschlag gegeben, das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen zu unterstützen?

Heribert Klein: Sir Peter Ustinov, langjähriger Botschafter für Unicef, hat mich mit seiner Begeisterung angesteckt. Er war ein ganz großes Vorbild. Sir Peter hat alle gleich behandelt – das kleine Kind war für ihn genauso wichtig wie ein einflussreicher Firmenchef. So hat es angefangen. Für mich war von Angang an klar: Ich möchte für Unicef Ideen entwickeln, sie umsetzen.

Was war Ihre erste Idee?
1982 saß ich mit Frau Dr. Wiederhold zusammen. Der damaligen Bürgermeisterin war wichtig, dass es etwas Langfristiges ist. Und ich hatte einen Traum: dass eines Tages Stars aus New York, London und Paris nach Hilden kommen.

Heute liest sich die Unicef-Gala tatsächlich wie ein Who-is-Who aus Musical, Jazz und Oper. Wie haben Sie das geschafft?
Ich hatte Hilfe, zum Beispiel von Joan Orleans und Eugene Holmes, die bei der allerersten Gala auch aufgetreten sind. Aber natürlich wurde ich anfangs oft gefragt: Wo ist Hilden denn überhaupt? Oft habe ich gesagt: Die Stadt hat zwei Flughäfen – einen in Düsseldorf und einen in Köln. Nach dem vierten Jahr ist die Nachfrage nach der Gala quasi explodiert. Das Schöne: Stars, die nach Hilden kommen, tun es wegen der Sache – nicht um für sich Werbung zu machen.

Immer wieder erzählen Prominente von der freundschaftlichen, ja familiären Atmosphäre hinter den Kulissen.
Hilden ist etwas ganz Besonderes und liegt mir besonders am Herzen. Es ist ein Miteinander statt Gegeneinander. Jede Künstler, jeder Beitrag auf der Bühne ist gleich wichtig. Dasselbe gilt auch für die Zuschauer: Wir könnten locker 100 Euro pro Karte nehmen. Aber der Preis bleibt bei 30 Euro. Und wer mehr Geld geben kann, der kann mehr spenden.

Neben der Unicef-Gala haben Sie auch zahlreiche andere Projekte auf die Beine gestellt – lief denn immer alles glatt?
Manchmal war es tatsächlich knapp. Zum Beispiel bei der Aktion „Kleine Münzen – große Hilfe“: Im Rahmen der Euro-Einführung haben wir an Flughäfen um Münzgeld gebeten. 17 Tonnen kamen so zusammen. Was ich nicht bedacht hatte: Die einzige Zählmaschine auch für ausländisches Geld steht in London. Glücklicherweise ist eine Logistikfirma eingesprungen – sonst hätten die Transportkosten die Spenden aufgefressen.

Im österreichischen Filzmoos wurde eine riesige Pizza gebacken. Prominente, Schulen und Politiker haben in verschiedensten Projekten Herzen für Unicef gestaltet. Woher nehmen Sie die Ideen?
Manchmal ist es eine spontane Idee. In Filzmoos habe ich den Holzschnitzer Stefan Gappmaier getroffen. Sein Fichtenholzherz habe ich mitgenommen, um es Sir Peter Ustinov zu schenken. Er hat es signiert, dann habe ich es spontan auf seinem Geburtstag versteigert. Die 3.140 D-Mark waren der Anfang, viele weitere Herzprojekte folgten. Viele Ideen entstehen mit Menschen, die ich treffe. Zum Beispiel ein Duett, das bei Proben einfach aus Spaß ausprobiert wird – und dann auf der Bühne landet.

Sie begeistern die Menschen für Unicef. Was ist Ihr Erfolgsrezept?
Ehrlichkeit. Den Stars sage ich explizit, dass keine fünf Fernsehteams und der rote Teppich in Hilden auf sie warten. Sondern dass es darum geht, ganz normalen Menschen eine Freude zu machen. Und natürlich um den guten Zweck. Demut ist genauso wichtig – die Künstler haben viele Termine. Das Schwierigste ist stets, sie in der Vorweihnachtszeit zu engagieren. Manchmal klappt es nicht – das würde ich ihnen aber nie vorwerfen.

In all den Jahren gab es viele berührende Momente...
Besonders emotional war zum Beispiel der Abschied von Eugene Holmes. Nach seinem ersten Auftritt hatte er angeboten: „Ich komme wieder – solange du möchtest.“ 20 Jahre hat er die Gala mitgestaltet. Als er schwer krank war, wollte er sich unbedingt offiziell verabschieden – nicht auf der Bühne der Oper, sondern hier in Hilden, bei Unicef. Im Rollstuhl haben wir ihn auf die Bühne gebracht, er hat gewunken.

Offiziell sind Sie seit mehr als zwei Jahren im Ruhestand, für Unicef aber weiter unterwegs. Woher nehmen Sie die Kraft?
Es ist zwar unendlich viel Arbeit, aber ich habe auch unendlich viel gewonnen. Manchmal ist meine Familie zu kurz gekommen. Meine Frau steht trotzdem voll hinter mir, das gibt ganz viel Kraft. Und dass die Commerzbank sowie weitere Sponsoren meine Arbeit für Unicef auch im Ruhestand unterstützen, ist eine schöne Bestätigung. Ich dachte zuvor immer: Wenn du in Rente gehst, ist auch das Netzwerk weg. Doch das Gegenteil ist der Fall.

Das heißt, Hilden darf sich auch 2016 auf eine von Ihnen organisierte Unicef-Gala freuen?
Gesundheit ist eine Voraussetzung. Und dass die Commerzbank weiter als Partner mitmacht.

Und für die diesjährige Unicef-Gala...
... gibt es schon viele Zusagen. Nun müssen nur noch die Verträge unterzeichnet werden. Bekannte Stars werden auftreten, genauso wie einige neue. Zwei herausragende junge Talente konnten wir ebenfalls gewinnen. Mehr wird noch nicht verraten...

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