Besuch beim Otter-Papa

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Nemo ist zutraulich. Oft sitzt er auf der Schulter von Dr. Wolfgang Gettmann. (Foto: Michael de Clerque)
 
Streicheln lässt sich der Kurzkrallenotter auch. (Foto: Michael de Clerque)

Seit vielen Jahren hat die Familie von Dr. Wolfgang Gettmann in Hilden einen besonderen Mitbewohner: Kurzkrallenotter Nemo wurde kurz nach seiner Geburt vom damaligen Direktor des Aquazoos mit der Flasche aufgezogen – und durfte bleiben. Wir haben die beiden zuhause besucht.

Es quiekt aus dem Keller. „Nemo wird wach“, sagt Dr. Wolfgang Gettmann. Nach dem langen Spaziergang an der Itter hatte der Kurzkrallenotter ein Nachmittagsschläfchen in seiner Katzenhöhle gemacht. Jetzt freut er sich, als Gettmann die Tür aufmacht. Behände lauft er die Stufen hinauf – erst einmal Richtung Fressnapf. Dann hat er meine Handtasche entdeckt. Schnell springt er auf dem Stuhl und steckt seinen Kopf hinein. Weiter geht es auf die Couch im Wohnzimmer.

Nemo liebt Kürbiskerne


„Kurzkrallenotter sind Stöberjäger“, erklärt Gettmann. Auch Nemo ist auf der Suche nach Futter. An Itter und Rhein versorgt er sich unter anderem mit kleinen Fischen und Krebsen, auch für Regenwürmer kann er sich begeistern.

Hier im Wohnzimmer gibt es zunächst etwas ganz anderes: Kürbiskerne. Kein typisches Futter für Nemo und seine Artgenossen. „Als Nemo sich die Kerne vom Frühstückstisch geangelt hat, haben wir entdeckt, dass er sie mag“, erzählt Gettmann.
Die schmackhaften Kerne werden in einer Flasche serviert. Kein Problem für Nemo: Geschickt angelt er mit seiner Pfote in den Flaschenhals. „Die Schwimmhäute vorne sind kürzer, das hilft ihm beim Tasten“, sagt Gettmann.

Hund Balou guckt sich das Treiben mit Abstand an. Die beiden vertragen sich gut, im Spaß gerauft wird eher seltener. „Nemo ist ruhiger geworden“, sagt sein Ziehvater.
Fast genau neun Jahre ist es jetzt her, dass Nemo im Düsseldorfer Aquazoo zur Welt kam. Seine Mutter hatte ungewöhnlich viele Junge geworfen. Drei verstarben, Gettmann zog Nemo mit der Flasche auf. Ein halbes Jahr lang gab es Katzenmilch – „dann gingen die Sauger zu schnell kaputt“, erinnert sich Gettmann.

Nemo ist stubenrein, lässt sich streicheln. Nur beim Fressen versteht er keinen Spaß.
Nach den Kürbiskernen gibt es jetzt Forelle. Ausnahmsweise in der Küche. Nemo angelt sich den Fisch aus dem Topf und grunzt warnend. Ich gehe auf Abstand.
„Er warnt. Im nächsten Schritt würde er zubeißen“, sagt Gettmann. Nemo ist eben kein Haustier. „Ich habe ihn in Obhut“, sagt sein Ziehvater daher.

Einsatz für den Otter-Schutz


Dass Nemo zutraulich wird, hat er von Anfang an erwartet. Mit dem großen Interesse an dem Otter hat er dagegen nicht gerechnet. Nemo ist längst ein Presseprofi, war in Talk-Shows zu Gast, hat Stars wie Eva Padberg oder Hannes Jaenicke getroffen und wurde von Künstlern porträtiert.

Zusammen mit Nemo engagiert sich Gettmann für den Otterschutz. Rund 5.500 Euro Spendengelder hat Nemo für seine wilden Kollegen bislang „eingenommen“.
Dass Nemo Menschen verschiedenen Alters und aus verschiedensten Kulturen schnell begeistert, glaube ich sofort. Und auch ich freue mich, als der Otter zum Schluss meines Besuchs wie selbstverständlich auf meine Schulter wechselt und es sich in meiner Armbeuge bequem macht.
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3 Kommentare
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Norbert Opfermann aus Düsseldorf | 18.11.2014 | 19:01  
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Heike Rödiger aus Hilden | 22.11.2014 | 17:11  
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Marlies Bluhm aus Düsseldorf | 23.11.2014 | 21:24  
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