Gefahr für das Weltnaturerbe Wattenmeer durch Ausflugsboote

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Tierärztin Janine Bahr (l.) und Inga Mehner auf der Suche nach der gemeldeten Seerobbe. (Foto: Frank Oppitz Photography)
Wyk auf Föhr: Robbenzentrum Föhr | Am Samstag, den 11.Juli 2015 sind auf einer Sandbank im Naturschutzgebiet Wattenmeer zw. Hallig Hooge und Amrum zwei Ausflugsschiffe der Reedereien "Adler-Schiffe" und "Halligreederei" auf Grund gelaufen.
Durch einen von Reedereiseite bestätigten Navigationsfehlers des Kapitäns der "Adler-Express" kam das Schiff vom Kurs ab, verließ die Fahrrinne und lief auf Grund. Auch die zur Hilfe eilende "Hauke Haien" lief beim Versuch, den Havaristen freizuziehen auf die Sandbank auf.

Die an Bord beider Schiffe befindlichen knapp 300 Passagiere durften die Schiffe verlassen und sich auf der "Schweinsrücken" genannten Sandbank frei bewegen, obwohl dort im Naturschutzgebiet nachweislich Robben leben.
Eine Passagierin "lobte trotz der Umstände das professionelle Vorgehen und die Ruhe der Mannschaft – und den Getränkeservice auf der Sandbank. Neugierige Seehunde inklusive."

Die Passagiere wurden vom dem Seenotrettungskreuzer "Ernst Meier-Hedde" und der "Adler IV" an Bord genommen und nach Amrum gebracht. Verletzt wurde bei dem Schiffsunglück nach Reedereiangaben niemand.

Seither jedoch ist Janine Bahr, Tierärztin in Wyk auf Föhr und Mit-Geschäftsführerin des Robbenzentrums Föhr wieder in erhöhter Alarmbereitschaft!
Unruhe in den Aufzucht-und Rückzugsgebieten der Seerobben kann ihren Informationen nach dazu führen, dass Seerobbenmütter ihre Jungen verlassen, und diese damit zu hilflosen Heulern werden.

Kaum zwei Tage später gegen Abend dann ein Anruf im Robbenzentrum: Einsamer Heuler auf einer Sandbank gesichtet!
Ich fuhr mit der Tierrettung raus - Gottseidank war kein Einsatz nötig!
Am Strand wurden wir von einer Gruppe aufgeregter Menschen erwartet, die uns zur Sichtungsstelle führten. Getrennt durch einen Priel lag die gemeldete Robbe.
Nach ausgiebiger Betrachtung durchs Fernglas gibt die Tierärztin glücklicherweise Entwarnung: Die gemeldete Seerobbe war bereits ca 2 Jahre alt, unverletzt und augenscheinlich gut drauf. Keine äußerlichen Verletzungen, keine Stricke oder Netzreste am Körper, und die Robbe lag in der sogenannten Bananenhaltung" - eine Seitenlage, in der Kopf und Schwanz aktiv hochgehalten werden und die Körperform einer Banane gleicht.

Ein großes "Danke" an den Anrufer! Der Tierärztin nach ist es ihr lieber wenn die Menschen bei Robbensichtungen einmal zu viel als einmal zu wenig anrufen, denn bei einem Heuler können Stunden Über Leben und Tod entscheiden.
Und die MitarbeiterInnen des Robbenzentrums Föhr und der Tierrettung sind Tag und Nacht in Bereitschaft, um in Not geratenen Tieren jeder Gattung zu helfen!

Zusammenfassend wirft dieser Vorfall viele Fragen auf:
Wie kann es sein, das einem erfahrenen Kapitän ein solcher Naviagationsfehler unterläuft? Wieso läuft ein Ausflugsschiff mit hoher Geschwindigkeit auf eine Robbensandbank auf, obwohl die Fahrrinne in ausreichender Entfernung daran vorbeiführt? Hat der Kapitän diesen Abstand wohlmöglich bewusst unterschritten, um den Passagieren eine bessere Sicht auf die Sandbank und die darauf ruhenden und säugenden Robben zu ermöglichen? Dieses Schiffsunglück ereignete sich im Naturschutzgebiet Wattenmeer, einem anerkanntem Weltnaturerbe - augenscheinlich ist aber von öffentlicher Seite niemand an einer Aufklärung dieses und der Vermeidung ähnlicher zukünftiger Havarien interessiert- wie kann das sein? Warum war das erste zu Hilfe eilende Schiff ebenfalls Ausflugsschiff und kein Seenotrettungskreuzer? Warum ließ die Besatzung die Passagiere beider Schiffe von Bord und in unmittelbare Nähe der Seerobben, obwohl es keine Gefährdung dargestellt hätte, wären die Menschen auf den Schiffen geblieben? Warum spricht die Pressestelle der Reederei davon, dass dieser Vorfall keinen Seenotrettungsfall darstellt, obwohl der Seenotrettungskreuzer im Einsatz war?
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