Olaf Tkotsch: "Neues muss zu Hilden passen"

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Olaf Tkotsch (Foto: Michael de Clerque)

Der Verein Stadtmarketing hat seit wenigen Monaten einen neuen Vorsitzenden. Der Wochen-Anzeiger sprach mit Olaf Tkotsch, Verwaltungsdirektor des NRW-Venenzentrums Capio Klinik im Park, über die Positionierung des Einzelhandels, Online-Shopping und verkaufsoffene Sonntage.

Wo ist Ihr Lieblingsplatz in Hilden?
Olaf Tkotsch: Im Sommer: ganz klar der Klinikpark. Wenn es kühler wird, mag ich im Dezember das Winterdorf auf dem Alten Markt - auch wenn das einige eher für kitschig halten. Ich bin gerne in der Innenstadt - wenn ich Mittagspause mache, gehe ich zu Fuß hierhin. Dass hier alles kompakt ist, ist eine von Hildens Stärken.

Sie wohnen in Bergisch-Gladbach, bringen also auch den Blick von außen mit. Womit punktet die Itterstadt ebenfalls?
Hilden hat eine der attraktivsten Innenstädte Deutschlands. Sowohl eigene als auch externe Umfragen belegen immer wieder, dass wesentlich mehr Menschen nach Hilden zum Einkaufen kommen als die Stadt zu verlassen. Mein Vorgänger, Ralf G. Kraemer, hat zusammen mit Volker Hillebrand hervorragende Arbeit geleistet - ich trete da in große Fußstapfen. Herr Kraemer ist weiterhin im Stadtmarketing-Vorstand aktiv. Ich freue mich, dass er mich weiter unterstützt.

Was wird mit Ihnen an der Spitze des Stadtmarketing-Vereins anders?
Grundsätzlich bleibt das Ziel das gleiche: Die Stadt soll attraktiv, die Innenstadt lebendig bleiben. Herr Kraemer ist in der Stadt extrem präsent. Unter anderem mit Blick auf meine Arbeit in der Klinik muss ich mich etwas anders aufstellen. Ich bin elektronisch sehr gut organisiert - und möchte die Stadtmarketing-Mitglieder mit einem regelmäßigen Vorstandsbrief in unsere Arbeit miteinbeziehen. Unsere Arbeit soll ein Stück weit erlebbarer werden. Die erste Ausgabe stieß auf positive Resonanz.

Mit welchem Thema beschäftigen Sie sich beim Stadtmarketing derzeit besonders?
Mit der sogenannten Sondernutzungssatzung, die sich mit der grundsätzlichen Nutzung von öffentlichem Raum beschäftigt. Hier geht es auch um die Frage, wie viele Aufsteller die Innenstadt verträgt. Zusammen mit der Stadt wollen wir eine Lösung suchen, die allen gerecht wird: Der Einzelhändler soll für sich werben können, gleichzeitig darf die Fußgängerzone nicht so zugestellt werden, dass Flucht- und Rettungswege betroffen sind. Stadtmarketing versucht als Bindeglied die Bedürfnisse der Einzelhändler zu bündeln und der Stadtverwaltung zu vermitteln.

Hat der Einzelhandel konkrete Erwartungen an Ihre neue Arbeit?
Diese Frage habe ich den Mitgliedern in der Versammlung, in der ich gewählt wurde, gestellt. Hier kam die Idee eines Lieferservices auf: Wie wäre es, man bekäme gekaufte Ware nach Hause geliefert. Apotheken bieten dies heute schon an. Fragen zur Finanzierung und Organisation eines Lieferserives sind allerdings noch offen.

Können Sie sich vorstellen, dass künftig lokale Einkäufe zu einem Großteil online geschehen?
Ganz klar nein. Nicht nur, weil die Einzelhändler bei diesem Thema zurückhaltend sind. Sondern auch, weil den Kunden bei einem Online-Kauf meiner persönlichen Meinung nach Entscheidendes fehlt: Wenn ich einen Anzug kaufe, möchte ich den Stoff vorher fühlen können. Bei einem Online-Kauf müsste ich ihn wieder einpacken, wenn er nicht passt und mich bei der Post anstellen oder die Packstation ausprobieren. Viel zu umständlich! Im Geschäft probiere ich einfach die nächste Größe an...

Was kaufen Sie in Hilden?
Zum Beispiel neue Laufschuhe. Und auch mein neues Tablet habe ich hier gekauft. Nicht, weil es kein vergleichbares Angebot in Bergisch-Gladbach gibt - sondern weil hier in Hilden wirklich gut beraten wird.

Die schwarz-gelbe Landesregierung plant mehr verkaufsoffene Sonntage: Um dem Online-Handel Paroli bieten zu können, sollen Geschäfte in Innenstädten an acht statt bislang an vier Sonntagen öffnen können. Wird Hilden hier mitziehen?
Grundsätzlich ist es erst einmal wichtig, dass die verkaufsoffenen Sonntage auf rechtlich sichere Füße gestellt werden. Die Koppelung an den Veranstaltungsbezug hat viele Städte in Bedrängnis gebracht. Dass die Hildener Termine stattfinden konnten, ist auch der hervorragenden Arbeit von Herrn Hillebrand zu verdanken. Für Möbelhäuser und Baumärkte ist der geforderte Veranstaltungsbezug übrigens besonders schwer zu realisieren - aber auch für sie ist die Möglichkeit, Kunden auch einmal sonntags in entspannter Atmosphäre beraten zu können, extrem wichtig.

Bei Überlegungen zu neuen Veranstaltungen oder Festivals ist mir übrigens immer wichtig: Passt es zu Hilden? Wird es hier gebraucht? Wir haben mit Hilden à la Mode, den Jazztagen oder der großen Autoschau ein vielfältiges Angebot - ein bloßes Abkupfern von Aktionen aus anderen Städten ist sicher nicht zielführend.

Verwaltungsdirektor der Capio Klinik, Vorstandsmitglied des Hildener Industrie-Vereins und Vorsitzender des Stadtmarketings - wie bekommen Sie das alles unter einen Hut?
Ich habe eine phantastische Sekretärin, die meinen Terminkalender sehr gut organisiert. Und ich teile mir die Zeit so ein, dass ich sowohl beim Stammtisch des Industrie-Vereins als auch bei den Stadtmarketing-Terminen dabei bin. Aber natürlich kann ich nicht immer überall sein, manchmal muss man auch Abstriche machen. Wichtig ist mir, dass das Wochenende stückweit auch für meine Familie reserviert ist.

Wie sind Sie nach Hilden gekommen?
17 Jahre hatte ich zuvor bei einer Krankenkasse gearbeitet und Krankenhäuser in Düsseldorf und Mettmann betreut. Der Wechsel nach Hilden war Zufall. Das Stadtmarketing hat mir sehr dabei geholfen, hier Kontakte zu knüpfen. Durch die Kontakte ist übrigens auch die Idee zu der Reihe „Capio Jazz“ entstanden, mit der sich die Capio Klinik im Park inzwischen am Stadtleben betei-ligt. Mit meiner Arbeit für das Stadtmarketing möchte ich mich für die Hilfe damals revanchieren und hoffe, etwas zurückgeben zu können.
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