Sprache als Schlüssel: Ehrenamtliche unterrichten Flüchtlinge

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Zezgar Ali (2.v.l.) und Ahmed Astahan lernen bei Thorolf Haas (l.) Deutsch. Organisiert werden die Kurse von Anne de Wendt; Flüchtlingsbeauftragte der Evangelischen Kirchengemeinde Hilden.

Wer als Flüchtling nach Deutschland kommt, muss zunächst abwarten, ob sein Asylantrag bewilligt wird. Das kann viele Monate dauern. Damit die Menschen in der Zwischenzeit sich in Hilden besser zurechtfinden,geben ihnen viele Ehrenamtliche Deutschunterricht.

„Ich heiße Thorolf Haas, wie heißt du?“ Haas fängt in seinem Kurs ganz am Anfang an. Die Flüchtlinge, die der gelernte Versicherungskaufmann unterrichtet, können kein Wort Deutsch, manche sprechen etwas Englisch. „Wir arbeiten viel mit Gesten, mit Wiederholungen – und natürlich mit Bildern“, erklärt Haas. Das Lehrbuch, das sich an erwachsene Schüler richtet, wurde extra für Laienlehrer konzipiert. Etwa 35 Hildener sind dem Aufruf von Stadt und Evangelischer Kirche gefolgt und lehren nun ehrenamtlich.

„Es macht einfach Spaß“, sagt Haas, der zudem bei der Organisation der Kurse mithilft. Zwei seiner Schüler sind Zezgar Ali und Ahmed Astahan. Sie sind seit knapp zwei Wochen in Hilden. Bereits am zweiten Tag fragten sie beim Evangelischen Gemeindezentrum am Alten Markt nach einem Deutschkurs. „Ich dachte mir, die Kirche ist ein guter Ort, um nachzufragen“, erzählt Ali auf Englisch.

Genauso wie sein Freund Astahan, den er hier in der Itterstadt kennengelernt hat, ist Ali aus Syrien geflohen. Vor dem Krieg, den vielen Kriegsparteien und vor der Hoffnungslosigkeit: „In Syrien ist die Zukunft schon zu Ende“, sagt der 25-jährige Ingenieur. „Wir wollen hier ein neues Leben beginnen.“ Das größte Ziel der beiden: Arbeit. „Wir mögen es nicht, Geld vom deutschen Staat zu bekommen“, betonen sie.
Im Gemeindezentrum haben sie dann zufällig Anne de Wendt getroffen, die Flüchtlingsbeauftragte der Evangelischen Kirchengemeinde Hilden.

Die allerersten Unterrichtstunden haben die zwei bereits hinter sich. Sich vorstellen, Zahlen verstehen und aussprechen, das klappt immer besser. Einem dritten Syrer, der nur die arabische und nicht die lateinische Schrift beherrscht, bringen sie derzeit das Alphabet bei, damit er ebenfalls im Deutschkurs mitkommen kann.

"Sprachkenntnisse sichern die Zukunft"


„Wenn man in einem fremden Land lebt, muss man die Sprache können – das sichert die Zukunft“, sagt Michaela Neisser, Sachgebietsleiterin Besondere Soziale Dienste bei der Stadt Hilden. Ali und Astahan haben aufgrund ihrer Herkunft sehr gute Chancen auf Asyl: Die Bewilligung könnte in wenigen Monaten vorliegen, schätzt Neisser. Mit dem offiziellen Bescheid haben die Menschen dann Anspruch auf staatlich finanzierte Deutschkurse.

Dass die Flüchtlinge schon zuvor Deutsch lernen können, ist den Ehrenamtlichen zu verdanken: „Das ist eine großartige Leistung der Ehrenamtlichen, und natürlich der Evangelischen Kirche, insbesondere von Frau De Wendt“, bedankt sich Neisser.

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