Nachfolger gesucht

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Eine Infoveranstaltung zum Thema „Generationenwechsel im Mittelstand“.

Wer ein eigenes Unternehmen führt, gibt die Zügel oft nur ungern aus der Hand. Doch eine rechtzeitige Nachfolgeregelung ist notwendig, damit das Unternehmen wirtschaftlich gesund bleibt. Die Sparkasse Hilden-Ratingen-Velbert bietet daher am Montag, 18. März, ab 16 Uhr eine Informationsveranstaltung zum Thema „Generationswechsel im Mittelstand“ an.

Peter und Christian Sieger stecken gerade mitten drin im Prozess der Unternehmensnachfolge. Der 61-jährige Geschäftsführer der ATC Sieger GmbH führt seinen 36-jährigen Sohn seit April vergangenen Jahres in die Geschäfte ein. Dabei hatte dieser ursprünglich ganz andere Pläne. Er ging zunächst für ein Jahr nach Chile, daraus sind dann vier geworden. „Eine Rückkehr nach Deutschland war zwar klar, aber nicht die Übernahme des Unternehmens“, erzählt er.

Nach einigen Gesprächen mit seinem Vater hat Christian Sieger dann seine Meinung geändert: „Das war jedoch keine Hauruck-Entscheidung, sondern eine Entscheidung über zwei Jahre hinweg, in denen ich die Vor- und Nachteile abgewogen habe und mich dabei mehr und mehr mit den Aufgaben in der Firma identifizieren konnte.“

Der 36-Jährige weiß, dass dieser Prozess ihn noch über Jahre begleiten wird. „Es gibt Aufgaben, die mein Vater schon abgeben konnte und andere, bei denen ich ihn noch brauche.“ Dabei lässt ihm der Senior genug Freiheiten, drückt ihm nicht einfach das Organisationsschema auf. In vielen Dingen ergänzen sie sich gut. Umgekehrt freut sich der Sohn vom Vater das zu lernen, was den Erfolg des Unternehmens ausmacht. „Es ist zum Beispiel gut mitzubekommen, wie mein Vater Mitarbeiter und Geschäftskunden auf eine sehr faire und freundliche Art behandelt“, sagt Christian Sieger. „Das Unternehmen wurde über Jahrzehnte so geführt und dann ist es sehr gesund, dies auch so weiterzumachen.“

Doch so ideal wie im Fall der ATC Sieger GmbH läuft es nicht immer. Denn wer ein eigenes Unternehmen führt, gibt die Zügel oft nur ungern aus der Hand. Dabei kann eine fehlende oder späte Nachfolgeregelung sogar zur Pleite führen. „Wirtschaftlich gesunde Unternehmen müssen aufgelöst werden, weil die Nachfolge nicht rechtzeitig geklärt wurde“, sagt Simone Möller, Leiterin des Firmenkundencenters der Sparkasse Hilden-Ratingen-Velbert.

Die Zahlen sprechen für sich. In Hilden führen derzeit rund 1000 über 55-Jährige die Geschäfte in diversen Unternehmen (Handwerk und Mittelstand). Der älteste Firmeninhaber ist 95 Jahre alt, es gibt 14 74-Jährige und 25 70-Jährige in der Geschäftsleitung. Rund 300 Unternehmen werden in den nächsten fünf Jahren die Geschäftsleitung wechseln.

Für den Senior sei dies ein sehr emotionales Thema. „Das Unternehmen ist sein Lebenswerk. Er hat viel Zeit und Herzblut investiert“, sagt Simone Möller. „Er kann sich nur schwer trennen, hält sich selbst für unentbehrlich und so wird eine Nachfolgeregelung oft erst mit weit über 60 getroffen.“ Manchmal fehlt auch schlicht ein geeigneter Nachfolger, da die eigenen Kinder andere Pläne haben.

„Die Übergabeprozesse haben sich verändert“, sagt Peter Heinze, Leiter der Wirtschaftsförderung. In den 50er Jahren sei die Firma vom Vater auf den Sohn übergegangen, später auch auf die Tochter. Inzwischen werden diese Prozesse innerhalb der Familie immer geringer. „Die Elterngeneration will ihre Kinder nicht mehr zu einer Übernahme zwingen. Sie sollen ihren Beruf nach Neigung wählen“, meint Heinze. Dadurch entfalle die natürliche Folge. Hier sieht der Wirtschaftsförderer jedoch neuen Chancen für Externe oder die Mitarbeiter, die sich auch engagieren und Verantwortung übernehmen können.
Aus diesem Grund bieten die Sparkasse Hilden-Ratingen-Velbert, die IHK Düsseldorf und die Wirtschaftsförderung der Stadt eine Informationsveranstaltung für Unternehmensabgeber und -übernehmer an, auf der viele Fragen zu Unternehmenskauf und Abgabe erörtert werden.
Für beide Parteien gibt es wichtige Informationen an die Hand. Käufer und Verkäufer berichten aus der Praxis, geben Tipps und Anregungen. Steuerliche und rechtliche Aspekte stehen ebenso auf der Agenda wie ein Businessplan, Finanzierung und ein Kreditabsicherungsplan.

Fünf Jahre dauert in der Regel der Prozess von der ersten Idee bis zur faktischen Umsetzung. „Das ist komplizierter als ein Hauskauf“, meint Peter Heinze.
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