10 Jahre - Sauerkrautfreunde Steinen stampfen selbst

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  Schmackhaft, gesund und bekömmlich - Aus Weißkohl-Einlegen machten Freunde aus Steinen vor zehn Jahren ein Fest


Die Witwe Bolte wusste schon, warum sie ein Holzfass mit Kohlkraut im Keller hatte. Reich an Ballaststoffen, kalorienarm und vor allem mit viel natürlichem Vitamin C ausgestattet beugt es Grippe und Erkältung vor. Das wissen die Sauerkrautfreunde Steinen zu schätzen. Seit zehn Jahren schaben und raspeln sie die Kohlköpfe und legen das Kraut ein – “damit man von dem Sauerkohle, sich eine Portion hole”.

Was Hausfrau bei sonstigen Lebensmitteln tunlichst vermeidet, ist beim Sauerkraut höchst erwünscht. Nur durch einen längeren Gärprozess wandeln sich die festen Kohlstreifen in das weiche, schmackhafte Kraut. Aus dem Einlegen machten befreundete Ehepaare vor zehn Jahren ein Fest. Sie trafen sich mit speziellen Krauttöpfen und Stampfern und legten selbst ein. “Aus der gemeinsanen Idee wurde das Sauerkrautfest”, erinnert sich Mitgründer Heiner Rothauge. “Weil bei uns so gerne Eisbein gegessen wird und das am besten mit Sauerkraut schmeckt”, so sieht es Hans Bennemann. Der bekannte Landwirt und Hemmerder Urgestein lässt die Sauerkrautfreunde vor seiner Scheune raspeln und stampfen. Einhellige Erfahrung der rund 30 Sauerkrautfreunde: Aus dem Fass “gedüpt” (plattdeutsch: geschöpft) schmeckt es immer besser als aus dem Regal. Schnell-Gärstoffe lassen dem Kraut dort keine Zeit, seinen Geschmack zu entfalten, Konservierungsstoffe nehmen die Vitamine.
Und ein Fass birgt lange Vorrat. “Die letzte Portion habe ich jetzt erst aus dem Keller geholt”, so Hans Bennemann. Der Geruch sei nicht besonders einladend, aber ein Zeichen für den Gärprozess und Garant für guten Geschmack. Die Gesundheitsaspekte stehen für viele Sauerkrautfreunde im Vordergrund. Eine Portion (130 g) deckt ein Viertel des Tagesbedarfs ab. Die im Sauerkraut enthaltene Milchsäure unterstützt die Bakterienflora im Darm und sorgt dort für einen optimalen ph-Wert. Forscher vermuten, dass es sogar eine krebsvorbeugende Wirkung hat. Zubereitet wird es im Ruhrgebiet gerne mit Kassler oder Mettwürstchen. Die Steingutöpfe im Format 15, 30 oder 40 Liter sind im Garten-Fachhandel erhältlich. Wichtig ist der Wasserrand, der den Sauerstoff abhält und trotzem die Gase abgehen lässt. Ein halbrunder Deckel verschliesst das Fass. Rund 140 Kilo Kohl kaufte Hans Bennemann für die Sauerkrautfans ein, etwa sechs Köpfe passen in einen Topf. Dann musste fleißig gehobelt werden, das Schnittgut eingelegt und mit Wasser bedeckt. Jede handbreite Lage wird gestampft. Ihre Schnibbel- und Stampfarbeit versüßen sich die Sauerkrautfreunde mit Reibeplätzchen, natürlich mit selbst geamchten Apfelkompott. Über einem Ofen kochen sie eine Kappes-Suppe. Und es die Runde wird stetig größer. In diesem Jahr brachten Butter Petra und Udo Wasmuth eine Butterschleuder mit. Zwei Stunden drehten sie das Butterrrad, bis die Gäste frisch gebackenes Brot damit bestreichen konnten. Begleitet von Harry Schumacher aus Hemmerde am Schifferklavier und Fritz an der Trommel sowie Herbert Kleinert Nordbögge erleichterten sich die Sauerkrautfreund bei strahlender Herbstsonne ihre Arbeit – bis jeder Selbst-Stampfer seinen Topf mit nach Hause nahm – und sich in acht Wochen “...von dem Sauerkohle, eine Portion sich hole".

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Sauerkraut selbst Einlegen ist ganz einfach...

Rezept der Sauerkrautfreunde Steinen

Für einen 15-Liter-Steinguttopf sechs Weißkohlköpfe viertel, Strunk entfernen und in feine Streifen hobeln. Das Kraut in 10 bis 20-cm-Schichten in den Topf geben, dann mit den Fäusten oder einem Krautstampfer so stark pressen, bis Flüssigkeit austritt. Darauf etwas Salz streuen, einige Wacholderbeeren und Lorbeerblätter dazu. Darauf die nächste Schicht bis etwa 15cm unter den Rand. Dann halbrunde Beschwerungssteine auflegen und fest andrücken, damit die Flüssigkeit darüber steht. Rinne mit Wasser befüllen, den Deckel auflegen und sechs bis acht Wochen an einem kühlen Ort lagern. Nach etwa Tagen fängt es an zu blubbern, Signal für den laufenden Gärprozess. Tipp: Sauerkraut mit Mettwürstchen oder geschmortem Kasslerfleisch anrichten.
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Elke Preuß aus Unna | 25.10.2015 | 10:11  
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