Ein Mensch - Ein Schicksal: Gruppe "Spurensuche" beantragt Stolpersteine

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Karl Menne auf dem Schulentlassungsbild von Ostern 1934. Er steht rechts vom Lehrer. Repros: Reimet
 
Die beiden Bilder vom Stoffgeschäft Herzberg in der Nordstraße sind aus den letzten Jahren der 1920er, genauere Datierung nicht möglich.
Kreis Unna: Kreis Unna |

"Damit es nicht ins Vergessen gerät", betont Wilhelm Hochgräber seine Motivation, die Suche nach den Schicksalen der NS-Zeit in Holzwickede voranzubringen. Mit Stolpersteinen möchte die VHS-Gruppe "Spurensuche" den Deportierten und Ermordeten ein bleibendes Andenken setzen.

Auf die tragische Lebensgeschichte von Karl Menne stieß Wilhelm Hochgräber durch Befragung der eigenen Tante. Bei der Durchsicht von altem Bildmaterial sagte sie plötzlich: "Das ist Karl, der ist in die Gaskammer gekommen." Zwei weitere Zeitzeugen bestätigten die Auskunft gaben. Karl Menne, geboren am 11. März 1911 in Hengsen, besuchte die dortige Kellerschule. Von ihm sind immerhin drei Bilder vorhanden, u.a. aus dem Konfirmationsjahrgang und mit allen Schülern der Kellerschule. Aufgrund seiner Behinderung wurde er 1943 von Warstein nach Weilmünster bei Limburg verlegt und dort 1944 ermordet.

Eines von fast zehn Schicksalen in Holzwickede, die Wilhelm Hochgräber mit der VHS-Gruppe recherchierte. Zahlreiche Hinweise erhalten sie über einen Teilnehmer, der Zugriff auf die Patientenakten der damaligen Heilanstalt Dortmund Aplerbeck hat. Doch um Gedenksteine vor den früheren Wohnsitzen der Verfolgten zu installieren, müssen die Adressen zweifelsfrei herausgefunden werden. "Durch Umbenennung der Straßen und Änderung der Hausnummern ist dies teils schwierig", erklärt Wihelm Hochgräber. Unterstützung erfährt Hochgräber von Unnas Stadtarchivar Thomas Wardenga, der Angaben aus früheren Meldergeistern machen kann.

Sieben in Holzwickede

Sieben ermordete Behinderte aus Holzwickede wurden bisher recherchiert. Darunter Caroline Stoffel (geb. 22. März 1892 in Hengsen), über die eine komplette Akte existiert, einschließlich Hochzeitsbild. Am 25. Januar 1943 wurde sie im Konzentrationslager Hadamar bei Limburg ermordet. "Schwierig ist jetzt die exakte Ermittlung der Adresse", so Hochgräber. Sie wohnte in Hengsen, Ecke Feldstraße. Doch es ist nicht die letzte Adresse, verzogen ist sie nach Altendorf.
In Holzwickede gibt es bisher keine Stolpersteine, in Unna wurde eine der bundesweit größten Aktionen mit rund 145 Stolpersteinen vor einem ehemaligen Isrealitischen Altersheim durchgeführt.

Gut strukturiert gehen Wilhelm Hochgräber, der Vorträge zu Politik, Wirtschaft und Heimatgeschichte hält, und die Gruppe die Spurensuche an. Aufgeteilt nach Opfergruppen recherchierten sie etwa 33 Kommunisten, die im KZ Bergkamen-Schönhausen ums Leben kamen, vier in Holzwickede geborene Jüdinnen sowie Homosexuelle, Zwangsarbeiter, Zwangssterilisierte und Seelisch Kranke.

Antrag Stolpersteine

In der jüngsten Gruppensitzung beschlossen die Spurensucher, einen Antrag an die Gemeinde auf Verlegung von Stolpersteinen zu stellen. Der soll am 12. Januar 2017 bei einem weiteren Treffen besprochen werden soll. Die Chancen auf Genehmigung der Stolpersteine stehen gut. "Als Gemeinde ohne Rasismus ist Holzwickede angehalten, jedes Jahr eine passende Veranstaltung dazu durchzuführen", erklärt Hochgräber. In diese Anforderung passt die Aktion gut hinein. Das Verlegen von Stolpersteinen ist eine Möglichkeit, den Titel zu bestätigen. Voraussetzung ist die Einreichung kompletter Rechercheunterlagen.

Unterstützung ist willkommen, das nächste Treffen findet am Donnerstag, 12. Januar 2017 in der Seniorenbegnungsstätte Holzwickede, Berliner Allee 16a, um 18.30 Uhr bis 20 Uhr statt. Kontakt: Wilhelm Hochgräber, Tel. 02301/912773

Hintergrund:

Die Stiftung "Spuren-Gunter Demnig" organisiert mittlerweile die Verlegung von Stolpersteinen/ Stolperschwellen, von denen über 54.000 in 1.600 Orten in Europa und darüber hinaus liegen. Zur Beantragung wünscht Initiator und ausführender Künstler Gunter Demnig die Lebensgeschichte der NS-Opfer zwischen 1933 und 1945, vor allem der letzte nachgewiesene, frei gewählte Wohnort. Die kompletten Verlegekosten von 120 Euro/Stein werden über Spenden und Patenschaften finanziert. Bis zur Aktion vergeht ein knappes Jahr. Gunter Demnig wünscht ausdrücklich auch die Beteiligung von Schulen und Vereinen.
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