Moralischer Befehlston im Betrieb: Ausstellung zeigt Plakate aus der Wirtschaftswunderzeit

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Kreisarchivarin Dr. Christiane Todrowski vor einigen der insgesamt 50 Plakate. (Foto: Hendrik Klein/Märksicher Kreis)

In die "Wirtschaftswunderzeit" der 1950er Jahre entführt die Plakatausstellung, die zurzeit im Kreishaus an der Bismarckstraße 15 in Altena präsentiert wird.

„Schiebe nichts auf morgen, tue es gleich! Mitarbeiterdisziplin zwischen Wiederaufbau und Wirtschaftswunder“, so lautet der Titel der Ausstellung, die Ende Oktober offiziell eröffnet worden ist. Es sind Aufklärungsplakate mit zum Teil einschüchternden Forderungen und unmissverständlichen Motiven, die vor allem in Unternehmen der verarbeitenden Industrie ausgehängt wurden. „Sie sollten Mitarbeiter disziplinieren und das Betriebsklima im Sinne des Arbeitgebers beeinflussen“, erklärt Kreisarchivarin Dr. Christiane Todrowski.

Moralischer Befehlston herrschte

Die gezeigte Plakatserie ist im Besitz des Kreisarchivs und stammt aus dem Archiv der Firma Franz H. Stromberg (Altena). Bis zur Produktionsstättenverlagerung 1974 betrieb das Unternehmen jahrhundertelang in der Nette in Altena eine Drahtzieherei und war auch im Draht- sowie Eisenhandel tätig. Dr. Christiane Todrowski: „Nur wenige Motive dienen dem Arbeitsschutz. Vorherrschend ist ein moralischer Befehlston.“ Die Ermahnungen der Betriebsleitung beschränkten sich nicht auf die Vorgaben im Betrieb wie etwa Zusammenarbeit, Diebstahl, Nachlässigkeit oder Unpünktlichkeit. Sie appellierten auch an gewünschte Verhaltensweisen im Privatleben: „Jähzorn schadet Dir und Deinem Ruf. Beherrsche Dich“ oder „Verdrießlich? Zum Lächeln gehört oft Mut.“

Realistischer Plakatstil

Die wöchentlich wechselnden Plakate erinnern stilistisch an die 1920er und 1930er Jahre, in denen für die Werbung und Massenaufklärung ein realistischer Plakatstil entwickelt wurde. Vertrieben wurden sie von der Industria GmbH in Berlin, die sich selbst als „psychologischer Industrie- und Handelsdienst“ bezeichnete. Die Firmentätigkeit der Industria GmbH sei noch bis Anfang der 1970er Jahre nachweisbar, so die Kreisarchivarin. Die Firma beschäftigte mehrere Grafiker, die sich bisweilen von Filmplakaten aus der Weimarer Zeit sowie den Darstellungen aus dem 19. Jahrhundert inspirieren ließen.
Gezeigt werden die Plakate noch bis zum 31. Januar kommenden Jahres zu den üblichen Öffnungszeiten der Verwaltung.
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