Betriebe brauchen verlässliche Rahmenbedingungen: Neujahrsempfang im Haus des Handwerks

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Hans-Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (Mitte), hielt die Festrede beim 23. Neujahrsempfang im Haus des Handwerks in Iserlohn.

„Wir brauchen verlässliche Rahmenbedingungen“, forderte Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), in seiner Festrede beim Neujahrsempfang im Haus des Handwerks in Iserlohn.

„Die großen Wahlgeschenke der Politik sind Gift für unsere Binnenkonjunktur“, fand Wollseifer klare Worte. So führe die „staatlich verordnete Frührente“ dazu, dass der Bedarf an qualifizierten Fachkräften deutlich verschärft würde. Auch Nachjustierungen beim Mindestlohn sind seiner Ansicht nach dringend erforderlich. Die geforderte Dokumentationspflicht stelle alle Betriebe unter Generalverdacht, zudem sei die Dokumentation der Arbeitszeit „weit weg von der realen Welt“, kritisierte Wollseifer, der diese Kontrollmechanismen als „Bürokratiemonster“ bezeichnete. „Wir brauchen Planungssicherheit für unsere Betriebe“, forderte er.
Auch in Sachen Digitalisierung gebe es dringenden Handlungsbedarf, damit Betriebe leistungs- und wettbewerbsfähig bleiben. Dies sei nur möglich mit einem leistungsstarken Breitbandnetz, das vor allem in ländlichen Gegenden „Wunschdenken“ sei. Die digitale Agenda der Bundesregierung müsse sich auf die Betriebe ausrichten, hier seien schnelle Lösungen wichtig.
Der Nachwuchs lag dem ZDH-Präsidenten besonders am Herzen. „Wir müssen unsere berufliche Ausbildung attraktiv machen.“ Die Vielzahl der Studienanfänger gehe an den Erfordernissen des Arbeitsmarktes vorbei, auch sei nicht jeder für ein Studium geeignet. „Es hilft weder den Menschen noch den Betrieben, wenn Talente ungenutzt bleiben.“
Wollseifer ging in diesem Zusammenhang auch auf die wachsende Zahl von Flüchtlingen ein. „Flüchtling ist kein Beruf“, betonte er und erklärte: „Wir können diese Leute beschäftigen!“ Es sei „Teil der DNA des Handwerks“, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen und sich dieser humanitären Aufgabe anzunehmen.
Handwerkskonjunktur stabil
Im Vorfeld der Festrede Wollseifers hatte Kreishandwerksmeister Christian Will die zahlreichen Vertreter aus Wirtschaft und Politik begrüßt und die Stimmung im heimischen Handwerk als „durchweg positiv“ beschrieben. Zwar sei das gewerbliche Investitionsverhalten eher gedämpft, aber „die Handwerkskonjunktur erweist sich als stabil. Will kritisierte die „nicht konjunkturfördernde“ Politik der Großen Koalition. Lobende Worte fand er für die Stadt Iserlohn, die die Schwarzarbeit mit einer eigenen Abteilung sehr erfolgreich bekämpfe. Dies sei einzigartig in Südwestfalen. „Schwarzarbeit ist kein Kavaliersdelikt“, betonte der Kreishandwerksmeister, die wirtschaftlichen Schäden beliefen sich auf hohe Milliardenbeträge. „Ich würde mich freuen, wenn das Iserlohner Projekt Schule machen würde“, so Will.
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