Flüchtlingskonferenz in Iserlohn: "Wegschauen nützt nichts!"

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Großes Engagement in der Flüchtlingshilfe ist die eine Sache - effektive Koordination die andere. Um über vorhandene Angebote zu sprechen und gemeinsam in der Region handlungsfähig zu werden, fand am Donnerstag die Konferenz „Gemeinsam für Flüchtlinge“ im Iserlohner Rathaus statt.

Die Idee zu der Flüchtlingskonferenz war bereits Anfang März beim „Politischen Tisch“ entstanden, zu dem Martina Espelöer, Superintendentin Ev. Kirchenkreis Iserlohn, eingeladen hatte. Da „konnte niemand ahnen, wie dramatisch aktuell dieses Thema uns in den letzten Tagen beschäftigt hat“, erklärte Iserlohns Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens in seiner Begrüßung.
Wichtig sei es nun, auf lokaler Ebene Handlungswege zu suchen. Dies sei vielfach auch schon geschehen. „Dennoch zeigt uns die Realität, dass wir nicht aufhören dürfen, nach Konzepten zu suchen, gemeinsam eine Willkommenskultur zu entwickeln.“ Daran müsse gemeinsam gearbeitet werden - in den Rathäusern wie auch in den kirchlichen sozialen Einrichtungen. Wie das am besten zu bewerkstelligen ist, darum ging es bei der Konferenz, an der neben den Bürgermeistern aus der Region und den Sozialdezernenten auch Vertreter der Kirchengemeinden, der Diakonie, der katholischen Kirche sowie zahlreicher Kooperationspartner und Netzwerke teilnahmen.
Superintendentin Martina Espelöer forderte eine europäische Solidarität mit den Flüchtlingen, sichere Einreisewege und eine Kultur des Willkommens. Auch wenn die Herausforderungen groß seien und es viele Sorgen in der Bevölkerung gebe, dürfe man nicht nachlassen, sich für den Einzelnen einzusetzen.
Pfarrer Martin Wehn (Geschäftsführer Diakonie-Ruhr) forderte die Anwesenden auf, in einem gemeinsamen Schulterschluss von Kirchengemeinden, Kommunen, Bezirksregierung und Land für eine menschenwürdige Unterbringung und eine zügige Integration einzutreten. Die Konferenz sei ein erster Auftakt dafür.

Neue Strukturen nötig

Die Zahl der Flüchtlinge hat sich innerhalb eines Jahres von 180 auf 350 fast verdoppelt, ein weiterer Anstieg wird erwartet. „Das hat dazu geführt, dass wir ganz neue Strukturen schaffen müssen“, sagte Ahrens. Ab Anfang Mai werden rund 90 Flüchtlinge in einer Unterkunft im Gewerbegebiet Corunna untergebracht. Natürlich seien solche Maßnahmen mit vielen Fragen verbunden. Wichtig sei es, die Menschen zu diesem Thema frühzeitig zu informieren und einzubeziehen: „ In einem offenen Gespräch können wir viele Sachfragen klären und auch mögliche Sorgen aus dem Weg räumen.“

Finanzielle Mittel fehlen
Vielfach kritisiert wurden die fehlenden finanziellen Mittel für die vielfältigen Aufgaben, die es zu bewältigen gilt. Heidrun Schulz-Rabenschlag (Leiterin Soziale Dienste Diakonie Mark-Ruhr) erklärte: „Es gibt eine chronische Unterbesetzung in den Förderschwerpunkten. Wir können dem Ansturm nicht gerecht werden. Denn wir können der Notlage nur mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln begegnen.“ Wichtig sei es, den Dialog zwischen den Verantwortlichen und eine enge Zusammenarbeit zwischen der Flüchtlingshilfe und den Kommunen zu fördern.
Die Notwendigkeit einer engen Vernetzung unterstrich auch Gabi Iserloh (Dekanat Märkisches Sauerland). Außerdem müsse Zivilcourage gezeigt werden gegen Fremdenfeindlichkeit. „Wegschauen nützt nichts! Gehen wir es gemeinsam an!“
Einen Einblick in die Netzwerkarbeit gab Marion Ziemann vom Flüchtlingsnetzwerk Iserlohn, die den Aufbau und die Schwerpunkte des Netzwerks skizzierte. Rund 100 Ehrenamtliche helfen bei dem Projekt. „Wir sind ein Netzwerk, in dem sich auch Flüchtlinge engagieren“, sagte sie. Und: „Wir helfen, ohne viel zu fragen.“
Hilfreich sei ein niedrigschwelliger Einstieg über Einzelhilfen oder Patenschaften, erklärte Ziemann am Beispiel des Fahrdienstes, der u.a. angeboten wird. „Wenn man das ein, zwei Mal gemacht hat, ist die Angst weg.“ Ziemann bot den Anwesenden einen Workshop an, in dem es um konkrete Handlungsmöglichkeiten und Hilfestellungen zu verschiedenen Bereichen der Flüchtlingshilfe gehen soll. Der stieß auf großes Interesse und soll nun zwischen den Sommer- und den Herbstferien stattfinden.
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