Vorsicht Taschendiebe: Tipps vom Experten

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Aufpassen! Frank Enser gab den Damen von der Oestricher Frauenhilfe Tipps, wie sie sich vor Dieben schützen können.

„Durch eigenes Verhalten kann man eine Menge tun, um sich zu schützen“: Frank Enser vom Kommissariat Vorbeugung der Polizei im Märkischen Kreis hat vor allem mit Jugendkriminalität und und Straftaten gegen Senioren zu tun und kennt die Tricks der Täter.

„Die Situation kennen Sie alle: Sie holen sich Geld am Bankschalter und drehen sich zur Seite, um das Geld nochmal nachzuzählen.“ Keine gute Idee, denn so „kann jeder in der Schalterhalle, auf jeden Fall aber jeder in der Schlange hinter Ihnen sehen, wieviel Geld Sie abgehoben haben und wo Sie Ihr Portemonnaie hinstecken.“ Die rund 50 Damen der Frauenhilfe in Oestrich, bei denen der Kommissar im Rahmen der bundesweiten Präventionskampage „Augen auf, Tasche zu!“ zu Besuch ist, sind geschockt. So haben sie das noch gar nicht gesehen.

"Machen Sie es dem Täter schwer!"

Also: „Nie zur Seite drehen“, rät Enser, „und wenn Sie eine größere Summe abheben, dann lassen Sie sich das Geld in einem Nebenzimmer auszahlen.“ Diesen Service biete jede Bank an.
Auch für das Abheben am Automaten hatte Enser Tipps im Gepäck. „Machen Sie es dem Täter bewusst schwer: Tippen Sie Ihre Geheimzahl mit mehreren Fingern ein und decken Sie das Zahlenfeld mit der anderen Hand ab. So ist die Zahlenkombination schwerer zu erkennen.“

"Auf gar keinen Fall weggehen!"

Außerdem solle man über die eingebauten Spiegel das Umfeld im Blick behalten. „Die Spiegel sind nämlich nicht dazu da, den Lidstrich nachzuziehen“, sorgt er für Erheiterung bei den Damen, die wie gebannt an seinen Lippen hängen. „Und wenn Ihnen irgend etwas komisch vorkommt, drücken Sie die Abbruch-Taste.“ Falls der Automat die Karte behält und nicht mehr reagiert, rät der Polizist: „Gehen Sie unter keinen Umständen weg! Rufen Sie mit Ihrem Handy die Polizei - und wenn Sie keines haben, warten Sie, bis jemand kommt, der ein Handy hat.“

Neuer Trick in Iserlohn

Ein neuer Trick, der seit einiger Zeit auch in Iserlohn Anwendung finde, sieht so aus: Man steht am Automaten, und in dem Moment, wo das Geld herauskommt, hält einem plötzlich jemand ein Klemmbrett vor die Nase. „In der Regel sind es Kinder oder Jugendliche, die angeblich eine Umfrage machen. In dem Moment ist man so abgelenkt, dass man nicht merkt, dass ein anderer das Geld aus dem Fach zieht. Das funktioniert fast immer“, sagt Enser. Über die Ablenkung werde ganz oft gearbeitet: Ob das Anrempeln auf offener Straße, die Bitte um Hilfe auf der Suche nach einem bestimmten Produkt im Supermarkt oder die Frage nach dem Weg - immer ist ein Zweiter in der Nähe, der im Moment der Unaufmerksamkeit zugreift.
„In der Öffentlichkeit sind Sie immer unter Beobachtung - orientieren Sie sich immer, was um Sie herum los ist, seien Sie ein bisschen misstrauisch!“, appelliert Enser eindringlich. „Immer da, wo Menschen sind, sind auch Taschendiebe unterwegs. Und wenn Sie aus dem Auto heraus angesprochen werden, halten Sie immer mindestens zwei Meter Abstand, sodass keiner in Ihre Tasche greifen kann.“
„Aber die können doch nicht alle so schlecht sein“, spricht ein Dame aus, was wohl viele denken. „Sind sie auch nicht“, entgegnet der Kommissar, aber die, die es sind, können gut davon leben.“

Notbremse ziehen

Ganz konkrete Verhaltenstipps gab Enser auch für andere Bedrohungslagen. Grundsätzlich sollte man sich im Zug möglichst einen Platz an der Notbremse suchen. „Wenn Sie dann zum Beispiel von angetrunkenen Jugendlichen angepöbelt werden, die Sie bedrängen oder angreifen, ziehen Sie die Notbremse! Wichtig ist, dass Sie die Situation auflösen.“
„Falls im Bus etwas vorfällt, informieren Sie sofort den Fahrer“, rät Enser. Neuere Busse seien mit Video- und Mikroüberwachung ausgestattet, „Beweismaterial“ könne gesichert werden - allerdings nur, wenn man schnell reagiert, denn die Bänder werden regelmäßig gelöscht.

Nicht den Blick senken - hinsehen!

Und noch ein Tipp: „Viele Frauen haben Angst, wenn sie Schritte hinter sich hören. Die meisten senken dann den Blick und gehen schneller. Das ist falsch“, sagt Enser und erklärt auch gleich, wie´s besser geht. „Bleiben Sie stehen und drehen Sie sich um. In dem Moment, wo Sie den Verfolger ansehen, ist ein Überraschungsangriff nicht mehr möglich. In jedem Fall weiß er, dass Sie ihn gesehen haben und wiedererkennen würden.“ Wenn er jetzt nicht sowieso abhaut, solle man irgendwo hingehen, wo Menschen sind - in die nächste Kneipe oder einfach in den nächsten Hauseingang und da auf alle Klingeln drücken. „Irgendeiner wird reagieren und aus dem Fenster gucken“, ist Enser sicher. Ein weiterer potentieller Augenzeuge, der den Verfolger sieht - „Spätestens jetzt haut der ab.“

Öffentlichkeit herstellen

Auch zum Thema Zivilcourage hat der Kommissar etwas zu sagen. „Rufen Sie nicht einfach nur `Hilfe ´, sondern teilen Sie mit, was passiert ist - sonst weiß keiner, was überhaupt los ist und wie er helfen kann.“ Ein guter Rat, darüber hatte wohl noch keine der Zuhörerinnen wirklich nachgedacht. „Und duzen Sie den Angreifer niemals! Umstehende könnten denken, dass sie sich kennen, und greifen nicht ein.“
Das Kriminalkommissariat Kriminalprävention/ Opferschutz berät zu verschiedenen Themenbereichen und hat seinen Sitz in Menden. Frank Enser ist unter anderem zuständig für die Verhaltensprävention zum Schutz vor Straftaten gegen Senioren, z.B. Trickbetrug und -diebstahl oder Raub-
straftaten. „Sie erreichen mich unter Tel. 02373/9099-5513“, sagt er den anwesenden Damen. „Wenn ich nicht da bin, läuft der Anrufbeantworter. Jetzt zum Beispiel - denn jetzt bin ich ja bei Ihnen. Sie müssen keine Romane erzählen, aber legen Sie bitte nicht einfach wieder auf. Nennen Sie einfach Ihren Namen und Ihre Telefonnummer - dann kann ich Sie zurückrufen und Ihnen helfen.“
Weitere Infos gibt´s unterWeitere Infos unter
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