70 Jahre Friedensaufbau in Europa

Wann? 29.08.2015 19:00 Uhr

Wo? Sankt-Nicolai-Kirche, Kirchpl., 47546 Kalkar DE
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Ein Blick auf die sankt Nicolai Kirche in Kalkar (Foto: Alois van Doornick)
Kalkar: Sankt-Nicolai-Kirche |

Kalkar. Die Rede von Richard von Weizsäcker vor dreißig Jahren am 8. Mai 1985 gehört zum historischen und prophetischen Erbe unserer Bundesrepublik und hat jetzt, 70 Jahre nach dem Kriegsende an Bedeutung nicht verloren. Er sagte damals u.a.: „Wir haben wahrlich keinen Grund, uns am heutigen Tag an Siegesfesten zu beteiligen. … Wir gedenken aller Völker, die im Krieg gelitten haben, vor allem der unsäglich vielen Bürger der Sowjetunion und der Polen, die ihr Leben verloren haben. Als Deutsche gedenken wir in Trauer der eigenen Landsleute, die als Soldaten, bei den Fliegerangriffen in der Heimat, in Gefangenschaft und bei der Vertreibung ums Leben gekommen sind.“



Richard von Weizsäcker griff Klever Friedensinitiative auf

Das Beispiel von Pfarrer Fritz Leinung aus Kleve taucht in dieser historischen Rede auf: „Eine Gemeinde der niederrheinischen Stadt Kleve erhielt neulich Brote aus polnischen Gemeinden als Zeichen der Aussöhnung und Gemeinschaft. Eines dieser Brote hat sie an einen Lehrer nach England geschickt. Denn dieser Lehrer aus England war aus der Anonymität herausgetreten und hatte geschrieben, er habe damals im Krieg als Bombenflieger Kirchen und Wohnhäuser in Kleve zerstört und wünsche sich ein Zeichen der Aussöhnung.“

"Wir Älteren schulden der Jugend Aufrichtigkeit"

Der Bundespräsident führte weiter aus: „Wir Älteren schulden der Jugend nicht die Erfüllung von Träumen, sondern Aufrichtigkeit. Wir müssen den Jüngeren helfen zu verstehen, warum es lebenswichtig ist, die Erinnerung wachzuhalten.“

Der Kalkarer Kantor Jan Szopinski, damals aus Polen mit einem Koffer geflüchtet, sucht nach den Menschen, die mit ihrer eigenen Biographie mitgearbeitet haben, dass Erinnerung wach gehalten wird und Versöhnungsprozesse nicht ad acta gelegt werden. Er weiß, dass Frieden nicht durch sensationelle politische Signale, sondern durch Herzensveränderung nachhaltig gestaltet wird. Die Städtepartnerschaft mit dem nordpolnischen Wolin macht ein Konzert möglich, das in diesen Tagen an 70 Jahre Friedensaufbau in Europa erinnert. Dabei sind es eher die unspektakulär Wirkenden und die politische Weitsichtigen, die die Alltagsstimmung der Menschen und die Herzen der nachfolgenden Generation bewegen und verändern. Dem soll die Konzert- und Gottesdienstbegegnung in Kalkar dienen.

Die Herzen der nachfolgenden Genrationen bewegen

Dem Gedenken wird ein ganzes musikalisches Wochenende gewidmet. 20 junge Sängerinnen des städtischen Gymnasiums Wolin reisen mit Begleitung schon Donnerstag nach Kalkar. Mit dem „Nederlands Begeleiding Orkest“ und Kalkarer Musikern singen alle Kalkarer Chöre von der Jugend- bis zur Choralschola samt Kantorei und Pankratiuschor zusammen mit professionellen Solisten. Kantor Jan Szopinski hat von langer Hand diese Beziehungen geknüpft und verwirklicht mit diesen niederländischen, polnischen und deutschen Gruppen eine dadurch einmalige geistliche Abendmusik am Samstagabend um 19 Uhr sowie ein Hochamt am Sonntag in St. Nicolai um 11 Uhr.

Geistliche Abendmusik

In der geistlichen Abendmusik kommen zur Aufführung: Alessandro Marcellos (1684 -1750) Konzert d-Moll für Oboe und Streicher mit Transkription für Sopransaxophon mit den Sätzen Andante e spiccato, Adagio und Presto, ferner Samuel Barbers (1910-1981) Adagio für Streicher und als Höhepunkt die vor 20 Jahren bereits von
Jan Szopinski (*1959) selbst komponierte Messe für den Frieden für Sopran, Tenor, Schola, Chor und Orchester.

Hochamt am Sonntag

In der Sonntagsmesse soll gerade der Versuch gestartet werden, neue geistliche Lieder auch sprachlich im Wechsel deutsch, englisch und polnisch zu singen. Der Kalkarer Kantor hat dafür ausgewählt: „Abba Ojcze“ von Jacek Sykulski, arrangiert von Jan Szopinski, „Jesus Christ, you are my life“ mit der Musik von Marco Frisina, das bekannte „Halleluja“ von Leonard Cohen sowie die irischen Segenswünsche von Dietmar Fischenich „Mag Wärme wohnen“, beide in der Bearbeitung von Jan Szopinski.

Polnische, niederländische und deutsche Musiker arbeiten zusammen

Über die Zusammenarbeit bei den Proben hinaus gibt es deutsch-polnische Begegnungen natürlich auch in der Beherbergung und Betreuung der jungen Gäste aus Wolin, die dankenswerter Weise von Kalkarer Familien und Chormitgliedern übernommen wurde. Die Initiatoren erhoffen sich, dass an dem Wochenende viele Kalkarer und viele Auswärtige aus dem gemeinsamen Erleben das musikalische Signal des Gedenkens und der Versöhnung wahrnehmen und viele Herzen zu wirksamen Prozessen der Verständigung der Nationen geführt werden.

Die Rede des Bundespräsidenten a.D. finden Sie hier

http://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Richard-von-Weizsaecker/Reden/1985/05/19850508_Rede.html
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