Ein Bild gibt Rätsel auf

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(Foto: Alois van Doornick)
 
(Foto: Alois van Doornick)
Damit historische Kalkarer Bilder nicht auf dem Dachboden stehen, hatte Pfarrer Benedikt Elshoff seinerzeit nach Möglichkeiten gesucht, abgestellte Ölgemälde in den Kalkarer Gotteshäusern und Sakristeien zu platzieren. Vier alte Schätze kamen so in die Lambertus-Kirche nach Appeldorn. Zwei kleine Altarflügel hängen in der Sakristei, zwei größere Stücke schmücken jetzt den Bereich der alten Kirche. Dort machte der Ausschuss zur Dominikanerausstellung jetzt einen interessanten Fund.

Die beiden nun einander gegenüber hängenden Bilder haben direkte Bezüge zu den Heiligen der großen Orden: Das rechte Bild zeigt unter der unbefleckt empfangenden Jungfrau den stigmatisierten heiligen Franziskus und den Jesuitenmissionar Franz Xaver mit einem von ihm überlieferten Gebet: „Satis est, domine, satis est“ (Es ist genug, Herr!) Auf dem gegenüberliegenden Bild empfängt Dominikus aus der Hand Marias den Rosenkranz. Ihm gegenüber steht die Dominikanerheilige und streitbare Friedenskämpferin Katharina von Siena, die den Papst zur Rückkehr aus Avignon nach Rom gebracht hatte. Auch sie trägt die Leidensmale und das Kreuz Christi. Zwischen diesen beiden Heiligen befindet sich nicht nur der Hund als Kennzeichen der Dominikaner (lat. Domini canes bedeutet Hunde des Herrn) und die Weltkugel als Zeichen des internationalem Ordens. Man sieht sehr deutlich über dem Kopf des Hundes eine Kirche mit einem größeren Dachreiter als Turm und ein Stadttor. Bei einem Besuch des Vorstands des Vereins der Freunde Kalkars in Appeldorn konnten die Mitglieder die Perspektive verifizieren: Es handelt sich eindeutig um einen Blick aus westlicher Richtung auf das Dominikanerkloster. Im Vordergrund ist dabei das Kesseltor am Ende der heutigen Grabenstraße und die Brücke zu sehen. Eine Frau tritt aus dem Tor und zwei weitere Personen gehen am Graben entlang.

Der Rahmen des Bildes enthält wie viele andere Kalkarer Altarflügel eine Inschrift mit einer nur halb lesbaren Jahreszahl aus dem 17. Jahrhundert. Das Bild selbst zeigt einen wirklichen „Rosenkranz“ mit 50 Rosen als Rahmen um Maria. Es halten sowohl Jesus als auch Maria je einen Rosenkranz in Händen. Dabei spielt der Gedanke, dass eine Rose ein Geheimnis der Liebe birgt, eine wichtige Rolle beim Beten mit der GebetsschnurDas Rosenkranzbeten ist mit seinen Wiederholungen und gleichbleibenden Gebeten ein intensives Meditieren.

Der lesenswerte und an Bildern kostbare Katalog, muss schon fortgeschrieben werden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit entstammen die Appeldorner Bilder dem Kloster. Die Einkerbungen am linken Bildrand deuten darauf hin, dass dieser Flügel rechts an einem Altar befestigt war. Die Weiheurkunde der zweiten Dominikanerkirche von 1480 benennt Dominikus und Katharina von Siena als Patrone der Nebenaltäre. Mit diesem Bild ist nun eine neuartige Blickweise auf das mittelalterliche Kalkar gefunden.

Die bisherigen historischen Abbildungen zeigen Kalkar oft von der Höhe des Monre- oder des Kalkarer Berges. Vergleiche mit den alten Kalkarer Stichen oder den Stadtdarstellungen im Georgsaltar von St. Nicolai werden sich lohnen. Übrigens weist das gegenüberliegende andere Kalkarer Bild auch eine Kirche mit Dachreiter aus zwischen den beiden Heiligen. Die beiden Mönche mit ihren aufgesetzten Kapuzen scheinen eher Franziskaner als Dominikaner zu sein. Die Darstellung ist weniger klar erkennbar. Es könnte sich um den Blick aus dem Norden auf das Hanselaertor und das Dominikanerkloster handeln. Dieses Geheimnis zu lüften, kann also noch Forscher weiter beschäftigen. Dominikanerausstellung in St. Nicolai noch bis zum 15. September.
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