Iaido - Die Kunst das Schwert (die Katana) zu führen

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Szene aus dem japanischen Garten .... das Üben mit der Katana, dem japanischen (Lang-)Schwert
  Viele Karateka, Judoka, Aikidoka und Kendoka dringen meist nach der aktiven Wettkampfphase (Aikido ausgenommen, keine Wettkämpfe) immer tiefer in die Materie der japanischen Kampfkünste ein. Immer mehr Budoka (Übende der Kampfkünste) beschäftigen sich dann auch mit Iaido, der Kunst die japanische Katana zu führen.

Hier eine vorbildliche und erstklassige Beschreibung des Iaido von Gregor Vivekavihari Lechner aus Schallstadt, einem hervorragenden Kenner dieser Materie. Ich danke ihm, seine Texte veröffentlichen zu dürfen:


I – ai – do = Sein – in Harmonie – mit dem Weg

Als die Kriegerkaste, nach der Einigung durch das Tokugawa Regime, zunehmend unwichtiger wurde, begann sie sich einen neuen Sinn und Wert zu suchen. Die Auseinandersetzung mit dem Zen-Buddhismus war eine nahrhafte Quelle. Dadurch wurde die Auseinandersetzung mit dem Tod durch eine philosophische, disziplinarische Komponente erweitert. Und wo die Frage nach dem Tod auftaucht, bedingt sich die Frage nach dem Leben. Das Leben begann mehr zu sein, als der Dienst an einem Herrn. Es wurde eine Perfektionierung des Geistes an Tugenden und Disziplinen, wobei das Schwert das Instrument war mit dem dieser Prozess gefördert wurde.

In Japan, wie wohl in anderen Ländern, weiß man, daß bloßes technisches Können und Wissen in einer Kunst nicht ausreichen, einen wirklich zum Meister zu machen. Diesen Geist erfaßt man nur, wenn das Bewußtsein sich in vollkommener Harmonie mit dem Prinzip des Lebens befindet. Aus buddhistischer Sicht ist damit die Überwindung aller Dualismen gemeint.
Die ursprünglichen Kampftechniken wurden zum Mittel, die inneren, selbst zentrierten Kämpfe und Konflikte zu bewältigen. Das Schwert soll daher die Waffe sein, die das Ich tötet, die Wurzel aller Streitgkeiten und Kämpfe. Erst ein Mensch der inneren Frieden gefunden hat, kann siegen ohne zu kämpfen, obwohl ihm eigentlich nichts mehr daran liegt.
Innerer Frieden ist nichts, was ein "Ich" erreichen kann. Wo ein Ich ist, ist ein Du und dort gibt es Unterschiede. Erst das Verlöschen des Ich`s kann ein "In Harmonie mit dem Weg sein" sein. Hellwach sein heißt, es wirklich ernst zu meinen. Es wirklich ernst meinen heißt, sich selber gegenüber aufrichtig sein, und diese Aufrichtigkeit führt einen schließlich auf den Weg des Himmels.

Das Bewusstsein in natürlichem Zustand

Der Mensch ist ein Wesen der Bewegung. Wenn er sich nicht im Guten bewegt, bewegt er sich notwendigerweise im Nicht-Guten. Kommt ihm dieser Gedanke nicht hier, kommt er ihm eben dort. Was den mannigfachsten Veränder- ungen unterliegt und niemals still steht, ist des Menschen Herz. Es wird ihm nicht gelingen, sein Herz zu begreifen und dadurch den himmlischen Gesetzen seiner Natur zu folgen, wenn er nicht, in seinem Herzen von tiefer Willens- kraft, in der Übung zur Reife gelangt.
"Kufu" ist mehr als bloßes Kopfdenken. Es ist ein Zustand, in dem der ganze Körper in dem Bemühen mit einbezo- gen wird, ein Problem zu lösen. Die Japaner sprechen häufig von "den Bauch fragen". Der Kopf ist nur ein peripherer Teil des Körpers, während der Bauch für die Gesamtheit der Persönlichkeit steht.
Psychologisch gesehen geht es darum alle intellektuellen, emotionalen und affektiven Hemmungen zu beseitigen, damit das im Unterbewußten Gespeicherte hervortreten kann und - ungestört von allen Einmischungen des Be- wußtseins - wirksam werden kann. Kufu muß allumfassend sein und aus der Tiefe des eigenen Seins entspringen.
Das Problem besteht darin, wie man dieses bewegungslose Zentrum mit der nie einhaltenden Bewegtheit zur Deckung bringt. So sehr wir den Verstand auch anstrengen mögen, vor solchen Paradoxen muß er kapitulieren.
Der verblendete Geist ist durch Intellekt, Begierden und Negativität behindert. Der ursprüngliche Geist ist uran- fänglich, ungeboren, natürlich, wahr, usw.. Dazu ein Gedicht von Yagyu Munenori:
Wisse, daß hinter der Technik der Geist steht:
Es dämmert,
öffne das Fenster,
und sieh! Der Mond scheint herein.

Er wußte, daß Technik niemanden zum Meister macht, sondern daß nur die spirituelle Erkenntnis in die eigene Geist-Natur, einen Menschen vervollkommnet. Wo das nicht geschieht, bleibt der Geist sich seines eigenen Tuns bewußt und "macht halt", erstarrt. Ein kaiserliches Gedicht lautet:

Der Mond hat nicht die Absicht sein Licht irgendwo hin zu werfen,
und der Teich stellt sich nicht darauf ein den Mond zu beherbrgen,
wie friedlich still das Wasser von Hosokawa.

Jemand der nichts im Bewusstsein hat, ist ein Mann des Weges. Ein Spiegel, der immer klar ist, und keine eigene Form hat, gibt einfach alles wider, was auch immer ihm entgegen tritt. Der Mann des Weges ist, wie eben dieser Spiegel.
[Yagyu Munenori, siehe "Literatur"]

Schwertarbeit nach der Idee und Grundlage, wie sie von Karlfried Graf von Dürckheim verstanden wird:

Graf Dürckheim lebte viele Jahre in Japan und lernte dort Kendo und lebte in einem Zen-Kloster mit, wo er tiefe Einsichten erfuhr. In Kontakt mit Lehrern und Meistern begann sich für ihn eine Essenz unabhängig von Sprache und Kultur heraus zu kristallisieren, das nicht so grundverschieden vom Christentum war, als es auf den ersten Blick erschien. Er liess sich in Rütte, Schwarzwald, nieder und begann seine Erkenntnisse an interessierte Menschen weiter zu geben. Aus dem Umgang mit den Menschen entwickelte er die "Initiatische Therapie".

Schwertarbeit, so verstanden, ist eine Fortführung und Intensivierung der Ansätze, wie die der Entstehung des Iaidos.


Dank an Gregor für heute, ich werde als Karateka weiter Iaido trainieren und über Iaido berichten.
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Kerstin Zenker aus Bergkamen | 12.08.2015 | 00:18  
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