Vier Fragen an .... heute: Manfred Rekowski, Präses der Evangelischen Kirche Rheinland

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Präses der Evangelischen Kirche Rheinland - Manfred Rekowski (Foto: Danke an den Präses)
Er ist der höchste Repräsentant der zweitgrößten Gliedkirche der EKD. Die Überzeugung, die These "Kirche der Freiheit" wird von ihm nicht nur vertreten, sie wird durch ihn auch praktiziert. Eng an der Seite der Menschen, gebunden in tiefe Frömmigkeit, lautet sein Lebensmotto: Mit Gott kann ich über Mauern springen.

Der tolerante Theologe war gern bereit, meine vier Fragen zu beantworten.

1. Viele Flüchtlinge und Verfolgte suchen bei uns Schutz und bitten um Aufnahme. Ich denke auch Jesus würde sich in der heutigen Zeit mit den Flüchtlingen solidarisieren. Sehen Sie dies ähnlich?

Jesus von Nazareth war ja selbst Flüchtlingskind. Unmittelbar nach seiner Geburt mussten seine Eltern mit ihm nach Ägypten fliehen, weil der König ihn ermorden lassen wollte. In dem, was uns von ihm in der Bibel überliefert ist, wird berichtet, wie er sich in vielfältiger Weise für die Verfolgten, die Schwachen, die Armen und Rechtlosen einsetzt. Damit hat er gelebt, was Gott für uns Menschen will und was er von uns will. Deshalb können wir sicher sagen: Das Engagement auch für Flüchtlinge, das insbesondere seit dem Spätsommer 2015 viele Menschen in unserem Land leben, geschieht im Sinne Jesu.


2. Immer mehr Menschen im Land fallen in Armut und später in Altersarmut. Sehen Sie Möglichkeiten, dies zu verhindern und es zu erreichen, dass alle Menschen wieder menschenwürdig leben können?

Menschen in Not zu helfen ist genauso unser diakonischer Auftrag wie auch Menschen aus der Not heraus zu helfen. Als Kirche und Diakonie machen wir uns auch bei Politikern und Politikerinnen dafür stark, dass unser Sozialwesen so organisiert wird, dass Menschen von dem, was sie erarbeiten, gut leben können. Und wir setzen uns auch dafür ein, dass Menschen, die aus eigener Kraft ihren Lebensunterhalt nicht sichern können, entsprechend unterstützt werden.


3. Deutschland ist ein Einwanderungsland - gibt es Möglichkeiten und die Hoffnung, dass alle Religionen im Land friedlich zusammenleben?

In Deutschland leben schon lange Menschen, die eine andere Religion als die Christliche haben. Und das geschieht doch in aller Regel friedlich und respektvoll. Mitunter machen aber Fremde und uns Fremdes den Menschen Angst. Als Kirche haben wir gute Erfahrungen damit gemacht, Menschen über die Grenzen der Kulturen und Religionen miteinander ins Gespräch zu bringen. Konkrete Begegnung schafft Verständnis. Wichtig ist auch, dass alle Menschen, die hier leben, die Regeln und Prägungen akzeptieren, die unser Land ausmachen. Begründet in unserem Glauben stehen wir als Christinnen und Christen für Religionsfreiheit und Toleranz in unserem Land ein.


4. Die Schere zwischen Arm und Reich weitet sich von Jahr zu Jahr - wie kann man hier gegenwirken?

Wenn der Zusammenhalt der Gesellschaft auseinanderbrichtdann droht uns eine äußerst schwierige gesellschaftliche Entwicklung. Insofern muss die Frage nach der Gestaltung unserer Gesellschaft, nach Teilhabemöglichkeiten aller Menschen am gesellschaftlichen Leben ebenso wie die Schaffung sozialer Gerechtigkeit Thema im Wahljahr werden. Der soziale Status einer Familie, in die hinein ein Kind geboren wird, darf nicht die abschließende Festlegung seiner Zukunftsperspektiven sein. Unsere Gesellschaft muss durchlässiger werden.


Auch im Namen zahlreicher Leserinnen und Leser bedanke ich mich für die Beantwortung und die Teilnahme an dieser Medienserie. Ich wünsche dem Präses und seiem Team viele Erfolg und Gottes Segen.
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Gudrun Wirbitzky aus Bochum | 04.11.2016 | 16:26  
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Elisabeth Jagusch aus Schermbeck | 04.11.2016 | 18:12  
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