Berliner Kriminal-Theater zeigt „Cocktail für eine Leiche“

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Das Ensemble. (Foto: Herbert Schulze)
Kamen: Konzertaula |

Zwei Männer sitzen im Halbdunkel auf der Bühne und rauchen. Offensichtlich warten sie auf jemanden. Als schließlich der erste Gast ihrer Party, David Kentley, kommt, wird er von beiden stranguliert: Auftakt für die Aufführung „Cocktail für eine Leiche“ des Berliner Kriminal-Theaters. In der gut besuchten Kamener Konzertaula wurde der Zweiakter von Autor Patrick Hamilton aufgeführt.

Nach dem Mord bereiten Brandon (Gunnar Haberland) und Philip (Sebastian Freigang) seelenruhig die Party vor. So lassen sie das Büffet von der sichtlich irritierten Mrs. Wilson (Katrin Martin) auf eben der Truhe anrichten, in der sie Davids Leiche versteckt haben. Erschreckend ist ihr Motiv: Sie betrachten den Mord als intellektuelle Herausforderung, angeregt durch frühere Diskussionen mit ihrem ehemaligen Lehrer Rupert Cadell (Peter Donath). Rupert, der ebenfalls zu der Party eingeladen ist, schöpft schließlich Verdacht, da sich Brandon und Philip verdächtig verhalten. Brandon verteidigt vehement die Meinung, dass Übermenschen intellektuell unter ihnen Stehende ermorden dürfen, während ihm ausgerechnet Davids Vater, Sir Henry Kentley, scharf widerspricht. (Dieser zentrale Dialog ist auch auf die Wände des Bühnenbildes geschrieben.) Philip dagegen wird im Laufe der Party immer nervöser und betrinkt sich immer mehr.

Weitere Gäste auf der Party sind eine herrlich exzentrische Mrs. Edwater (Gudrun Piepenbring), Schwägerin von Mr. Kentley, und Janet Walker (Maria Jany), Davids Freundin und Ex-Freundin von Kenneth.

Ruperts Verdacht verstärkt sich im Laufe der Party immer mehr. Schließlich kommt es zur Konfrontation...

Das Ensemble spielte treffend und gut aufgelegt vor einer Kulisse, die mal mit rotem, mal mit blauem Licht unterlegt die Skyline von London zeigt. Sicher nicht von allen Zuschauern bemerkt trat ein Darsteller sogar in zwei Rollen auf: Codrin Serbanescu ließ sich zuerst als David ermorden und in die Truhe verfrachten, bevor er als italienisch angelegter Kenneth Raglan die Bühne betrat.

Einen großartigen Auftritt als kauziger Professor Kentley legte Peter Groeger hin, unter anderem bekannt als Sprecher von Dr. Watson in zahlreichen Sherlock-Holmes-Hörspielen. Er verkörpert überzeugend sowohl den exzentrischen Bücherwurm als auch den besorgten Vater, der über Davids Fernbleiben zusehends beunruhigter wird. Rupert wird sympathisch von Peter Donath gespielt: Mal scherzt er mit Mrs. Wilson, mal diskutiert er ernsthaft über die Theorie des "erlaubten" Mordes: "Krieg ist eine überzeugende Verteidigung des Mordes." Treffend gibt es Gunnar Haberland als Brandon wieder, wenn er sagt: "Ein Mord kann ein fesselndes Abenteuer sein. Ein perfekter Mord!"

Das Ensemble sorgte für einen spannenden und unterhaltsamen Abend. Auch eine Anspielung auf die berühmte Hitchcock-Verfilmung gab es: Während der Party unterhalten sich die Gäste über den Schauspieler James Stewart, der 1948 den Rupert Cadell spielte.
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