100 Jahre Erster Weltkrieg: Kamener in der Marine

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Der Beginn des Ersten Weltkriegs wird allgemein am Attentat auf den österreichischen Thronfolger in Sarajevo festgemacht. Die Gründe für das Ende des Krieges sind weniger bekannt: die Novemberrevolution 1918 mit dem Kieler Matrosenaufstand. Und ein Kamener war dabei: Ernst Dormann, Vater von Brunhilde Nentwig.

Auf der im Stadtspiegel abgebildeten Tafel der Marinekameradschaft Kamen erkannte Brunhilde Nentwig, geborene Dormann, ihren Vater wieder, der 1896 in Schlesien geboren wurde und später nach Kamen kam. Das Bild hatte sie schon vor über 20 Jahren in der ehemaligen Fuchsklause entdeckt. Dort hing ein ähnliches Gruppenfoto. Wie sie erfuhr, trafen sich dort die Mitglieder der Marinekameradschaft jährlich. „Als Kind war ich bei einem dieser Treffen dabei“, erinnert sie sich. „Meine Eltern fuhren regelmäßig zu den Treffen mit anderen Marinekameraden nach Wilhelmshaven. Dort legten sie auch immer einen Kranz nieder.“

Im Ersten Weltkrieg diente Dormann auf der S.M.S. (Seiner Majestät Schiff) Bremse. „Das war ein Minenkreuzer, der an der englischen Grenze nach Minen gesucht hat“, erklärt Brunhilde Nentwigs Sohn Dirk. Die Hochseeflotte wurde im September 1918 ohne Angaben von Gründen in Wilhelmshaven zusammengezogen. Geplant war ein Angriff auf die Grand Fleet, die Flotte Großbritanniens. Dies wäre einem Himmelfahrtskommando gleichgekommen. Auch Dormann war dabei. Mehrere Besatzungen in Wilhelmshaven meuterten, was zum Kieler Matrosenaufstand führte. Von dort aus breiteten sich die Unruhen aus, die dann zur reichsweiten Novemberrevolution, zum Sturz Wilhelms II. und zur Errichtung der Weimarer Republik führten.

Viele Erinnerungen hat Brunhilde Nentwig nicht an ihren Vater. „Ich weiß noch, dass er eher streng war“, sagt sie. „In Südkamen hatten wir einen großen Garten mit eigener Landwirtschaft.“

Nach dem Ersten Weltkrieg brachten Dormann und seine Kameraden ihre Schiffe gemeinsam mit den Engländern nach Nordschottland und versenkten sie dort selbst. Die Wracks wurden allerdings später wieder geborgen und als Stahlschrott verkauft. Auch den Zweiten Weltkrieg überlebte Dormann. Doch bereits 1946 kam er bei dem großen Grubenunglück in Weddinghofen ums Leben.

Autor:

Tobias Weskamp aus Kamen

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