15 Prozent mehr Pendler im Kreis

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Kaffeepause am Steuer – klingt gut. Viele Berufspendler machen sie allerdings nicht freiwillig. Für sie bedeutet der Weg zur Arbeit immer wieder Staufrust. Foto: IG BAU
Kreis Unna. Immer mehr Pendler im Kreis Unna: Zuletzt verließen 50 Prozent aller Berufstätigen auf dem Weg zur Arbeit die Grenzen des Kreises – 15 Prozent mehr als noch im Jahr 2000. Das hat die IG Bauen-Agrar-Umwelt mitgeteilt. Die IG BAU Westfalen Mitte-Süd beruft sich hierbei auf eine aktuelle Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Danach zählt der Kreis Unna rund 68.900 sogenannte Auspendler.
Die Gewerkschaft nennt den Trend „alarmierend“. Immer mehr Menschen müssten
immer weitere Strecken zur Arbeit zurücklegen – und verbrächten immer mehr
Lebenszeit im Stau, kritisiert Bezirkschef Friedhelm Kreft. Dafür sei maßgeblich auch eine verfehlte Wohnungsbaupolitik in den Ballungsgebieten verantwortlich.
„Seit Jahren hält das Angebot bezahlbarer Wohnungen nicht mit dem Bedarf Schritt. Wir haben gerade in den größeren Städten eine gute Entwicklung bei den
Arbeitsplätzen, aber für die Menschen wird es immer schwieriger, sich dort auch eine Wohnung zu leisten“, sagt Kreft. Strecken von über 50 Kilometern bis zum Betrieb seien mittlerweile gang und gäbe. Dies belaste nicht nur die Umwelt, sondern auch die Nerven und die Gesundheit der Betroffenen. Die IG BAU fordert ein Umdenken in der Wohnungspolitik. „Die öffentliche Hand muss
viel mehr als bisher investieren, um bezahlbaren Wohnraum in den Metropolen und
Ballungsräumen zu schaffen“, betont Kreft. Es würden mehr Sozialwohnungen und
mehr bezahlbare Mietwohnungen gebraucht. Dafür müsse es eine deutlich bessere
Förderung geben – etwa durch höhere steuerliche Abschreibungen und gezielte KfWProgramme. Durch solche Anreize für das Bauen im bezahlbaren Segment ließe sich ein Großteil der fehlenden Wohnungen errichten.
Um die Berufspendler im Kreis Unna zu entlasten, müsse mittelfristig jedoch auch die Verkehrsinfrastruktur ausgebaut werden, fordert Kreft. „Wir brauchen bessere
Schienennetze und mehr Radwege. Aber auch bei Straßen und Brücken ist der
Nachholbedarf groß.“
Die Entwicklung im Kreis ist nach Angaben des BBSR Teil eines bundesweiten
Trends: Im Jahr 2015 pendelten 60 Prozent aller Beschäftigten zum Arbeitsplatz.
Durchschnittlich legten sie dabei 16,8 Kilometer zurück. 15 Jahre zuvor lag die
Pendlerquote in Deutschland noch bei 53 Prozent.
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