Ehemaliger Stadtdirektor Fritz Rethage wäre am 17. Dezember 100 Jahre geworden

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Fritz Rethages Foto hängt im Rathaus. (Foto: Rathaus Kamen)
Kamen: Hochstraße |

Hundert Jahre wäre er am 17. Dezember geworden: Kamens ehemaliger Stadtdirektor Friedrich „Fritz“ Rethage. 1983 kam er bei einem Autounfall ums Leben.

Am 3. Februar 1983 gab es ein Glatteis-Chaos in der Region, das mehrere Todesopfer forderte. Zwei davon waren Fritz Rethage und seine Frau. Rethage geriet auf der B 233 in der Ortsdurchfahrt Lerche mit seinem Wagen auf eisglatter Straße auf die linke Fahrbahn und prallte gegen einen Baum. Rethage starb am Unfallort, seine Frau später im Krankenhaus.

„Mit Rethages Tod geht eine Ära zuende“ titelten damals die Zeitungen. Rethage war 1947 Leiter der Arbeitsamtdienststelle Kamen geworden. Schon Ende der 1940er-Jahre setzte er sich gegen die Demontage der Chemischen Werke in Bergkamen ein. Seit 1961 gehörte er der SPD-Stadtratsfraktion an, lange Jahre als ihr Vorsitzender. 1965 wurde er zum Stadtdirektor gewählt. Stets bemühte er sich um Kontakte zu den ehemaligen jüdischen Mitbürgern und förderte den internationalen Jugendaustausch.

Bei der Einweihung der Hochstraße 1977 war Rethage mit dabei. Er hatte den Bau mit auf den Weg gebracht und sich für ihn eingesetzt. Auch das Naherholungsgebiet Galgenberg hat Rethage in den 1970er-Jahren vorangetrieben. „Monte Fritzo hieß der Berg unter Eingeweihten“, so Rethages Sohn Gerrit. Der damalige Bürgermeister Friedhelm Ketteler und er waren unzertrennlich, erzählt er. „Ketteler ist ein Jahr vor ihm verstorben.“
1977 schied Rethage aus dem Dienst aus. „Er erhielt viel Lob für sein Engagement“, so sein Sohn. Er hatte für eine deutliche Verbesserung der Kamener Infrastruktur gesorgt und etwa die Konzertaula, das Krankenhaus und das Gymnasium mitinitiiert, so der damalige Kultusminister Jürgen Girgensohn in der Gedenkrede.

Als Vater war er eher ein Kumpel, erinnert sich sein Sohn. „Er war humorvoll und hatte immer einen Scherz auf den Lippen.“ Häufig gingen Vater und Sohn Tennis spielen.„Eigentlich hatte er sich ein Mädchen gewünscht“, verrät Gerrit Rethage. „Meine Tochter hat er leider nicht mehr erlebt.“ Sein Vater sei immer sehr familiär gewesen. „Als er verunglückte, kam er gerade von seiner Schwester.“

1979 kamen Gerüchte auf, Fritz Rethage habe den Nazis nahegestanden. Urheber der Behauptung war Hans-Rudolf von der Heide, ein ehemaliges NPD-Ratsmitglied. Rethage sagte dagegen im Zeugenstand aus. Der Richter bestätigte dies, da er selbst amtliche Erkundigungen eingezogen hatte. Von der Heide musste schließlich 1.500 DM Geldstrafe zahlen.
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