Eine "Heimat" für alternde Junkies

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Neugierig folgten am vergangenen Montag die Besucher der Einladung zur Eröffnung des ersten Altersheims für Drogenabhängige. (Foto: Dieter Klussmann)

Eine Randgruppe zieht ins Randgebiet: In Hemmerde-Dreihausen wurde jetzt das erste Altersheim für Drogenabhängige eröffnet.

Wo sich sonst Hase und Igel „Gute Nacht“ sagen, strömten am Montag Vertreter aus Politik, Verwaltung, Medizin und Sozialarbeit und Interessierte zum ehemaligen Schwesternwohnheim. Dort sollen ab Anfang Januar 14 Drogenabhängige einziehen. Jedoch haben diese Menschen noch andere Handicaps. Aufgrund des jahrzehnte langen Konsums harter Drogen sind diese Menschen ab Mitte 40 schon im „Seniorenalter“.

In Würde alt werden


Die Zahl der Drogentoten ist in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen. Die Substituierung mit Methadon hat viele Drogenabhängige aus dem Sumpf geholt. Doch hat dieses Leben Spuren hinterlassen. Krankenheiten wie HIV oder Aids, Hepatitis B oder C, Diabetes, Herzerkrankungen oder Leberzirrhose erwischt viele der Junkies. Aber auch die Psyche hat mit der Drogenabhängigkeit gelitten. „Viele von ihnen haben Berührungsängste mit anderen Menschen, wollen eigentlich nur ihre Ruhe haben“, erklärt Anabela Dias de Oliveira, Leiterin der Lüsa als Betreiberin des Altenheims. So kommen „normale“ Seniorenheime für die chronisch Drogenabhängigen nicht in Frage. Das passt weder aufgrund des Alters noch aufgrund der verschiedenen Bedürfnisse.
Begeistert waren die Einwohner Dreihausens zu Beginn nicht über die Idee, 14 Drogenabhängige in ihrem Dorf anzusiedeln. Befürchtungen kamen hoch: Werden die Junkies Drogen mit ins Dorf bringen? Müssen die Bewohner Angst um ihr Hab und Gut haben? Doch die Initiatoren des Projekts bemühten sich von Anfang an um Transparenz, stellten sich in einer Bürgerversammlung den Sorgen und Ängsten und leisteten Aufklärungsarbeit.
Der Standort gilt für die Initiatoren als ideal: In der Idylle von Dreihausen stand das ehemalige Nonnenerholungsheim lange leer. Zwischenzeitlich wurde es auch als Seniorenheim genutzt. Da aber den Angehörigen der Bewohner der Weg nach Dreihausen zu weit war, wurde es wieder aufgegeben. Also wirklich der ideale Platz für ein „Junkie-Altenheim“?
Eine Bushaltestelle gibt es in Dreihausen. Doch bisher wurde diese nicht regelmäßig angefahren. „Doch dies sei für die künftigen Bewohner des Heims nicht wichtig“, erklärt Anabela Dias de Oliveira und betont: „Die künftigen Bewohner wollen einfach nur ihre Ruhe haben und in Würde alt werden.“
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1 Kommentar
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Karl-Heinz Hohmann aus Unna | 02.12.2014 | 15:55  
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