Eine Straße namens Bloomfield: US-Stadt half Kamen nach dem Zweiten Weltkrieg

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Ein Polizist bewacht die erste Care-Pakete-Lieferung. (Foto: Stadtarchiv Kamen)
Kamen: City |

Etwas über 100 Meter lang ist sie, die Bloomfield-Straße westlich der Kamener Innenstadt. Doch längst nicht alle Kamener wissen, was es mit dem Namen auf sich hat. Rolf Lepke hat sich auf Spurensuche begeben.

„Ich erinnere mich noch daran, dass mein Vater und mein Großvater öfter mal davon erzählt haben. Also habe ich mal etwas recherchiert“, sagt Lepke. Er fand heraus, dass 1947 von der alliierten Militärregierung deutsche Städte gesucht wurden, die für eine Patenschaft geeignet wären. Grund war die teilweise große Not nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Oberkreisdirektor in Unna gab einen Empfehlungsbrief Kamens an die Militärregierung weiter und Bloomfield in Nebraska übernahm die Patenschaft.
Eigentlich basierte die Städtepartnerschaft auf einem Irrtum. Bloomfield bat um einen Ort im Kohlerevier mit einer protestantischen und einer katholischen Kirche und ähnlicher Größe. Die Kirchen passten, die etwa 22.000 Bewohner Kamens (20.000 Einwohner und 2.000 Flüchtlinge) nicht: „Bloomfield hatte damals etwa 1.500 Bürger“, erklärt Lepke.
Am 10. Juli 1948, vor Beginn der 700-Jahrfeier der Stadt Kamen, kam die erste Hilfslieferung mit 100 CARE-Paketen im Wert einer 1.000-Dollar-Spende des Bloomfielder Hilfskomitees an. Heutzutage wäre dies etwa das Zehnfache wert. Viele Bloomfielder packten auch aus reiner Nächstenliebe privat Pakete. Dies erinnert aktuell etwas an die vielen Ehrenamtlichen, die den Flüchtlingen helfen.
Kongressmitglied Artur Stefan brachte bei seinem Besuch Konsumwaren wie Kaffee, Schokolade und Fleischkonserven mit. Begleitet wurde er von General Lucius Clay, damaliger Militär-Gouverneur der US-Zone in Deutschland. „Kongreßmitglied Stefan hielt eine interessante Rede, in der er die Stadt Bloomfield vorstellte und die Adoption Kamens begründete. Die Deutschen waren überglücklich und viele von ihnen hatten Tränen der Dankbarkeit für die Großzügigkeit Bloomfields und das Geschenk der CARE-Pakete in den Augen“, schrieb Clay an die Bürger von Bloomfield.
Eine Sonderkommission verteilte die Hilfslieferungen an bedürftige Kamener. Kamens Bürgermeister Rissel und Stadtdirektor Heitsch teilten dies Claude Canaday, dem Begründer des Hilfswerks in Bloomfield, im Sommer 1948 mit.
Im Laufe der Jahre kamen hunderte Sendungen in Kamen an, erzählt Lepke. „Wie lange das genau ging, weiß keiner mehr“, sagt der gebürtige Kamener. „Es ging auf jeden Fall bis Anfang der 50er.“

Zu Teil 2 geht es hier.
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3 Kommentare
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Rolf Lepke aus Kamen | 12.09.2016 | 07:46  
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Rolf Lepke aus Kamen | 12.09.2016 | 07:47  
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Rolf Lepke aus Kamen | 12.09.2016 | 08:13  
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