Trampen, die Fahrmöglichkeit, bei der man eine bekannte wiederfindet

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Ich habe mal in den sozialen Medien nachgefragt, ob es heutzutage noch Menschen gibt, die Trampen.
In meiner Kindheit sah ich öfter Menschen an Ecken stehen, die ein Schild mit Ortsnamen hochhielten und darauf warteten mitgenommen zu werden. Es ist sehr lange her, dass ich einen Tramper gesehen habe. Wie das Feedback auf meine Nachfrage zeigt, gibt es diese Sorte aber immer noch.

A.S.
Ich war letztes Jahr im Winter sehr lange zu Fuß unterwegs in Kamen, an einem Sonntag und die Busse fahren an Sonntagen nur 1-mal die Stunde. Ich fühlte mich schlecht, mir war kalt und ich war frustriert, also habe ich einfach die Hand gehoben, wie ich es im Fernsehen mal gesehen hatte und nach einigen Minuten hielt ein Mann an und meinte er kann mich ein Stück mitnehmen. Ich war sehr glücklich und sagte danach müsste ich nur noch 10 Minuten gehen, wäre alles besser als in der Kälte warten, mir ginge es schon ganz schlecht. Am Ende hat der Mann mich bis zu meiner Haustür gebracht. Er sagte ihm passieren auch gute Dinge und ich soll mir keinen Kopf machen und den restlichen Tag genießen. Ich hatte zu jedem Zeitpunkt ein gutes Gefühl und.

T.L.
Ich fuhr zur Arbeit als Spielhallenaufsicht und sah am Straßenrand eine Frau stehen und den Finger heben. Ich habe sofort angehalten und da wir denselben Weg hatten, habe ich sie mitgenommen. Sie war glücklich und ich war froh, etwas Positives zu tun. Ich hatte schon einmal jemanden mitgenommen, nach meiner Arbeit. Der junge Mann kam nicht mehr an sein Auto, da die Schranke nach Mitternacht nicht zu öffnen war. Ich habe gleich gemerkt, dass er ein netter ist, der wirklich nur nach Hause will und habe ihn gerne mitgenommen. Ich finde es gut, Menschen in Not zu helfen.

T.A.
Ich war in Bönen mit meinem Fahrrad und wollte mit dem Fahrrad weiter nach Hamm, statt die Bahn zu nehmen. Ich fand aber die Strecke nicht und jeder den ich fragte, schickte mich in eine falsche Ecke, bis ich an einem Autobahnstück ankam, wo es überhaupt kein Radweg gab. Ich hatte genug und stellte mein Fahrrad in die Ecke, um es später abholen zu lassen und habe einen Autofahrer angesprochen, der ein Kennzeichen für Hamm hatte und vertrauenswürdig aussah.
Der Fahrer nahm mich mit und aus der kurzen Fahrt hat sich eine lockere Freundschaft entwickelt, in der man sich mal zwischendurch nach dem Befinden fragt.

L.K.
Ich war in der Stadt und ziemlich genervt. Da der Bus mir zu früh vor der Nase wegfuhr und auch alles andere schief ging, also habe ich den Finger gehoben. Das 6. Auto hielt an. Ich war mir erst nicht sicher, ob ich als Frau zu einem Mann ins Auto steigen soll. Der Mut verließ mich, aber ich musste auch schnell zu meinem Termin, also stieg ich ein. Beim Fahren sprachen wir über den Stau, den eine neue Baustelle verursacht. Der Fahrer meinte für die Rückfahrt würde er die Autobahn nehmen.
Ich sagte ihm, die wäre genauso voll und er soll die andere Landstraße nehmen und mich könne er dann gerne mitnehmen. Als er nach meiner Nummer fragte, um mich danach aufsammeln zu können, hatte mich der Mut verlassen, aber ich gab sie ihm und er nahm mich dann mit. Bis er mich absetzen musste, haben wir über Reisen gesprochen und er sagte, er würde meine Nummer seiner Frau und seiner Schwester geben, damit diese Kontakt zu mir aufnehmen, wegen einer Möglichkeit. Ich wusste nicht, was ich von alldem halten soll.
Als am Abend sich eine Frau meldete, die ich über eine Freundin kenne und von der ich hoffte, sie seit dem Sommer zu finden, dachte ich, sie hätte sich die Nummer von dieser Freundin besorgt. Sie schrieb mir, wie froh sie ist mich endlich gefunden zu haben und wir haben uns verabredet. Am nächsten Morgen hatte ich auf einmal eine Eingebung und fragte nach, ob sie meine Nummer von der Freundin hat, oder ob sie die Schwester von dem Menschen ist, der mich mitgenommen hat. Sie bestätigte mir, dass sie die Schwester ist. Es ist Wochen her, aber ich bin immer noch fasziniert davon, wie alles gelaufen ist.

G.K.
Da stand doch tatsächlich eine Tramperin. Ich hielt sofort an und nahm sie mit. Ich war als jugendlicher getrampt und hatte es seit so langer Zeit nicht gesehen, dass jemand trampt.
Wir haben uns gut unterhalten, sie kam gut an, ich fand die Fahrt interessant, also hat es jedem gut getan.

A.K.
Ich war vor 20 Jahren mal getrampt. Nach einer Disco Nacht. Der Typ dachte, dass er mich dafür begrapschen darf. Ich habe laut geschrien und die Tür aufgemacht. Er musste anhalten und ich stieg aus. Ich bin froh das ein Auto hinter uns war, mit einer Frau als Fahrerin. Sie hielt auch an, stieg aus und schrie ich soll zu ihr ins Auto kommen. Diese Frau brachte mich bis zu meiner Haustür und hat mir eingeimpft, Nachts nicht einfach in das Auto eines Mannes zu steigen, wenn ich nach Hause will.
Sie wolle niemanden unter Generalverdacht stellen, aber Vorsicht wäre besser als Nachsicht. Heute wünschte ich, wir hätten uns das Kennzeichen gemerkt und den Typen angezeigt.

S.I.
Ich musste schnell nach Hause also habe ich die Hand gehoben. Nach etwa 5 Minuten hielt ein Wagen mit Schiebetüren hinten an. Ich musste an eine Folge aus Criminal Minds denken. Zwei Männer saßen vorne und meinten, man könne doch eine so nette Dame nicht einfach stehen lassen. Die waren nett und freundlich und haben mich da abgesetzt, wo ich hin wollte. Mein Gefühl, dass die mir nichts tun würden, hat mich nicht betrügt, aber ich denke, ich werde es nicht noch mal tun.

K.L.
Ich habe diesen Sommer mehrfach getrampt. Tagsüber, wenn ich gut zu sehen war hielt schnell ein Auto an. Als Frau wirke ich bestimmt vertrauenswürdiger. Aber im Dunkeln hat nie einer angehalten.

Ich danke allen, die mir ihre Geschichten erzählt haben.
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